26.04.2019 - 11:46 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Natur als großes Plus

Artenschutz auf dem Golfplatz? Für den Golf- und Landclub Oberpfälzer Wald muss das kein Widerspruch sein. Beim Start in die neue Saison will man aber noch mit einem weiteren Vorurteil aufräumen.

Ohne Rasen geht es nicht, aber der Golfplatz bei Neunburg hat Flächen für Wildblumen und Obstbäume (im Hintergrund) reserviert.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Von wegen nur Rasen!": Für Werner Dietrich, Vizepräsident beim Golf- und Landclub Oberpfälzer Wald, hat sein Verein viel mehr zu bieten als nur monotones Grün. "Man meint immer, dass für Golfplätze die Natur weichen muss, aber das ist bei uns auf keinen Fall so", stellt er fest und deutet auf die in der Frühlingssonne leuchtenden Hügel mit blühenden Obstbäumen und vielen Hecken im Neunburger Ortsteil Ödengrub.

Die Golf-Saison hat schon begonnen, Anfang April gab es das erste Turnier. Los ging es aber nicht nur mit gepflegten Greens, sondern auch mit einem Areal speziell für Wildblumen. "Wir hatten aber auch zuvor schon speziell für Bienen eine attraktive Fläche geschaffen", berichtet Dietrich und verweist auf eine Zertifikat des Golfverbandes: Für eine vorbildliche Umsetzung des Konzepts "Golf und Natur" gab es nach Bronze und Silber im Jahr 2015 erstmals Gold. Auch bei einer Nachklassifizierung war das Gelände bei Kemnath bei Fuhrn 2017 mit von der Partie. "Seit der Gründung ist der Platz in die Natur eingebettet", beschriebt Vizepräsident Dietrich die optimale Ausgangssituation.

Für die Zertifizierung musste der Club aber noch viele weitere Kriterien erfüllen, von der Ausweisung fester Rettungspunkte bis hin zu Insektenhotels oder den vielen Obstbaumsorten, die hier wurzeln durften. "Für die Bäume haben wir Obstbaumpaten gewonnen, die sich auch um die Pflege kümmern", berichtet Dietrich. Und wenn es um die Ernte geht, dann dürfen schon mal Schulklassen anrücken und Äpfel einsammeln. "Wir setzen ganz viel auf das Zusammenspiel von Golf und Natur", beteuert der stellvertretende Club-Vorsitzende und wehrt sich gegen das Vorurteil, dass dieser Sport die Natur "kaputt macht". Denn auch, was die Bewässerung des Gelände betrifft, stellt man im Club Überlegungen an. Im extrem trockenen Sommer des vergangenen Jahres habe man das Gießen auf die Greens (direkte Umgebung des Lochs) reduziert und auf die Bewässerung der Fairways (verbindende Spielbahnen) verzichtet."Wir machen uns da schon Gedanken und investieren vielleicht bald in einen zusätzlichen Wasserspeicher", berichtet Dietrich.

Aber auch was die Struktur der aktuell rund 530 Mitglieder betrifft, hat man auf dem 18-Loch-Platz die Zukunft im Blick. "Gerade hier im ländlichen Bereich wollen wir wegkommen vom elitären Touch", stellt der Vizepräsident klar. "Früher hat man sich in den Golfclubs regelrecht einkaufen müssen. Unsere Philosophie ist ganz klar: Jeder, egal welchem Berufsstand er angehört, soll hier spielen können." Ein Faktor ist da nicht zuletzt die erste Hürde, die früher in einer Platzreife-Prüfung bestand. "Jetzt braucht man dafür nur eine Platzerlaubnis, und dabei geht es rein um die Sicherheit", betont Dietrich, "immerhin hat so ein Golfball bis zu 360 Stundenkilometer drauf".

Blühende Hecken und gepflegtes Grün: Mit dieser Kombination will der Golf- und Landclub Oberpfälzer Wald punkten.
Info:

Pakete für Einsteiger

Um Mitglieder zu gewinnen, bietet der Golf- und Landclub Oberpfälzer Wald eine Reihe von Aktionen, die vor allen Einsteiger ansprechen sollen: Bei der Initiative "Gemeinsam golfen – Platz da für Freunde" können sich Interessierte einem befreundeten Golfspieler anschließen und kostenlos testen, ob diese Sportart ihnen zusagt. Ein "Golf-Erlebnispaket" richtet sich ebenfalls an Einsteiger: Jeden Samstag von 14 bis 15 Uhr dürfen sie dann unter professioneller Anleitung mit Pro (Trainer) Florian Bänsch den Schläger schwingen. Weiter im Angebot sind ein Einsteigerkurs und ein Golf-Erlebnis-Vierteljahr. Am Samstag, 4. Mai, ist großer Schnuppertag auf dem Gelände, von 13 bis 16 Uhr können verschiedene Techniken ausprobiert werden, und nebenbei gibt es auch noch etwas zu gewinnen – zum Beispiel einen Einsteigerkurs im Wert von rund 300 Euro. Zusätzlich wirbt der Club mit einem Angebot für ein professionelles gesundheitsorientiertes Golf Coaching im Team mit Golflehrer, Physiotherapeutin und Arzt. Für Kinder gibt es ein spezielles Training, und eine Kooperation ermöglicht es den Mitgliedern, weitere vier Golfparks zu nutzen. Anreize liefern die zahlreichen Turniere, vom "Early Morning" bis zum "After Work," und nicht zuletzt auch eines, das die Verbundenheit mit der Stadt Neunburg ins Zentrum stellt: Um das "Hussitenschild" geht es am Samstag, 8. Juni. "Eine Tradition, die älter ist als das Festspiel in Neunburg", betont der Vizepräsident des Golfclubs, Werner Dietrich, und präsentiert ein Schild mit den Namen der Gewinner. Inzwischen existiert schon das dritte dieser Art.

Der 18-Loch-Platz in Ödengrub bemüht sich um eine naturnahe Gestaltung und kann dafür auch ein Zertifikat vorweisen.
Das Hussitenschild steht im Mittelpunkt eines Turniers, das heuer am 8. Juni stattfindet.

Gerade hier im ländlichen Bereich wollen wir wegkommen vom elitären Touch.

Werner Dietrich, Vizepräsident des Golf- und Landclubs Oberpfälzer Wald

Werner Dietrich, Vizepräsident des Golf- und Landclubs Oberpfälzer Wald

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