Wer kennt nicht die Bilder von Unmengen von Plastikmüll und die Bedrohung der Fische durch Mikroplastik? Andererseits schätzen die Kunden im Supermarkt das sauber in Folie eingeschweißte Obst und Gemüse. Recycling heißt die Lösung, war jedoch bisher nur sehr eingeschränkt möglich, da die Kunststoffe aus mehreren Schichten bestehen, die nicht voneinander getrennt werden können. Hier hat das Entsorgungsunternehmen Lober in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut Freising und mithilfe der Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung in dreijähriger Forschungsarbeit einen gewaltigen Durchbruch erzielt.
"Mit unserer CreaSolv-Technology erreichen wir eine Kunststoffrecyclingquote von bis zu 80 Prozent und eine Rückgewinnung der Polyolefine von 95 Prozent", machte Matthias Wilhelm, der Leiter des Kunststoffrecyclings, in der neuen Pilotanlage "In der Seugn" deutlich, "übrig bleibt das hochreine, recycelte Kunststoffgranulat, das nahezu Eigenschaften eines Neu-Kunststoffes aufweist und für die Herstellung neuer Verpackungsfolien zur Anwendung kommt."
Von 5,4 Millionen Tonnen Kunststoffabfall deutschlandweit kommen bisher gerade mal 1,3 Millionen Tonnen Recyclat heraus, der Rest von mehr als drei Millionen Tonnen wird verbrannt oder deponiert. Wilhelm nannte als Gründe für die fehlende Wiederverwertung Kontaminationen, Papier, Fehlwürfe, Vielfalt an Polymeren und Verbundstoffe. "Hier setzen wir an", so Wilhelm, "wir haben die Lösung für vielschichtige Produkte und kontaminierte Wertstoffströme entwickelt."
Durch selektives Lösen des Zielpolymers, durch Filtrieren von unlöslichen Verunreinigungen wie anderen Kunststoffen und Labels und durch Rückgewinnung des aufbereiteten Polymers durch Extraktion des Lösungsmittels werde ein Granulat erzeugt, das Verarbeitungs- und Materialeigenschaften wie Neuware hat. Das erste Produkt für diese Folie ist eine Verpackung für Hundefutter, die Zulassung für Lebensmittel muss erst noch beantragt werden.
Im Aufenthaltsraum des Stammsitzes wurde das Projekt mit den anwesenden Politikerinnen und Politikern, MdB Martina Englhardt-Kopf, MdL Alexander Flierl, Landrat Thomas Ebeling, Bürgermeister Martin Birner und Stadtrat Matthias Meier ausgiebig diskutiert. "Wir sind anlagentechnisch so weit, dass wir loslegen könnten", so die Meinung von Johannes Lober, der mit seinem Bruder Bernhard als Geschäftsführer fungiert, "aber es braucht auch einen Markt, der das recycelte Produkt abnimmt." Bei 60 Prozent Energiekosten der Anlage und einem gesunkenen Kunststoffpreis sei die markttechnische Umsetzung nicht gerade einfach.
Bürgermeister Birner zeigte sich beeindruckt von der Entwicklung des mittelständischen Unternehmens Lober und den sehr guten Leuten, die das Projekt geschultert haben. Das Patent liegt beim Fraunhofer Institut, die Firma Lober hat das Nutzungsrecht für diese Technologie und könnte bei entsprechenden Bedingungen am Markt loslegen. Ein Gelände für eine großtechnische Anlage hat sich das Unternehmen schon mal gesichert.














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