20.01.2021 - 17:37 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Neunburg sammelt Ideen für ein Netzwerk der Gesundheit

Gesund leben auf dem Land: Das beginnt mit dem sicheren Griff neben der Badewanne und wird schnell digital.15 Millionen Euro an Bundesmitteln stehen parat, um kluge Strategien von Neunburg aus auf den Weg zu bringen.

Telemedizin ist nur eines von vielen Gebieten, die bei der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum eine Rolle spielen. In Neunburg läuft dazu momentan eine Ideensammlung.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Die Fäden für ein angepeiltes Smartes Gesundheitsnetzwerk (SGN) laufen in Neunburg zusammen. Dort ist die Integrierte ländliche Entwicklung (ILE) Schwarzach-Regen verankert, zu der neben der Pfalzgrafenstadt neun weitere Kommunen aus dem Landkreis Schwandorf und Cham gehören. Als einziges bayerisches Bündnis ist die ILE unter 43 weiteren Organisationen Teil des Bundesförderprogramms "WIR – Wandel durch Innovation in der Region". Bis zu 15 Millionen Euro an Fördermitteln stehen allein für die ILE Scharzach-Regen zur Verfügung, die sich damit zum Leuchtturm in der Gesundheitsvorsorge mausern soll. Unterstützung bietet dabei das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS).

Neue Strategien plus digitale Innovationen: So sieht die Weichenstellung für eine zukunftsträchtige Gesundheitsversorgung aus, durch die gleichzeitig die regionale Wirtschaft gestärkt werden soll. Wie das gehen soll, darüber informierten bei einem Pressegespräch der Neunburger Bürgermeister Birner, ILE-Managerin Tanja Weinberger, Koordinatorin Anna-Sophie Birchner und Dr. Andreas Hamper vom Fraunhofer-Institut. "Technologie-Entwicklung reicht nicht, dazu braucht es Partner in der Region", zeigt sich letzterer überzeugt von dem Ansatz über die ILE und führt beispielsweise die Telemedizin als Lösung für einen Ärztemangel ins Feld.

Neunburg legt vor mit Pionierarbeit

Neunburg vorm Wald

"Wir müssen die Technologie da anwenden, wo sie gebraucht wird", sagt Hamper und fügt hinzu: "Unser Ziel ist es, hier generierte Innovationen auch hier auszuprobieren." So könne man nicht nur die medizinische Versorgung sicherstellen, sondern nebenbei auch die regionale Wirtschaft stärken. Das sei eine Riesenchance für die Region, die eigene Leistungsfähigkeit zu zeigen. Ansatzpunkte dafür gibt es viele. Neunburg ist längst mit gutem Beispiel vorangegangen. Im November 2019 wurde dort auf Initiative der Stadt das Gesundheitszentrum Ostoberpfalz gegründet, wo Ärzte auch in Teilzeit arbeiten können, ohne die Last einer umfassenden Verantwortung für den Praxisbetrieb. "Wir sind hier neue Wege gegangen, haben das in Rekordzeit umgesetzt", so Bürgermeister Martin Birner. "Das hätte uns keiner zugetraut", merkt er an und spricht von einer "Herzensangelegenheit", von der eine ganze Region profitieren soll, wenn von Neunburg aus dieses Feld bearbeitet wird.

Jetzt sind Ideen gefragt, und zwar von einer möglichst breiten Basis. "Das kann Pflege sein, Medizin oder ein Hersteller von Gebäudetechnik, eine Apotheke oder ein Fahrdienst". Sie alle sind nun laut Hamper aufgerufen, sich zu fragen: "Wäre das ein Markt für mich?".

"Es beginnt mit einem Griff an der Badewanne und wird schnell digital"", zeigt Hamper den Rahmen auf und hat weitere Beispiele parat, von der Schlaganfall-Analyse bis hin zum Geländer oder zur Haustüre, die sich über ein spezielles System für Rettungskräfte ganz einfach öffnen lässt. Der Fachmann macht aber auch deutlich, dass dieser Ansatz auf längerfristige Lösungen ausgelegt ist. Die Konzeptphase läuft bis Ende Mai, die Umsetzungsphase soll ab September beginnen. Seit Mitte November ist Anna-Sophie Birchner bei der Stadt Neunburg angestellt, um das Gesundheitsnetzwerk im Auftrag der ILE und finanziert über Bundesmittel zu koordinieren. Einer der ersten Schritte, um neue Partner zu gewinnen, ist am 27. Januar eine Kick-off-Veranstaltung, die für alle Interessierten offen ist. "Da steckt viel Potenzial für die Zukunft drin", ist Birner überzeugt und verweist mit Blick auf die 15 Millionen Euro Fördersumme auf einen großen Vorteil: "Wir bringen das Geld dafür mit."

"Das ist eine Riesenchance für die Region, die eigene Leistungsfähigkeit zu zeigen."

Andreas Hamper über das Smarte Gesundheitsnetzwerk

Andreas Hamper über das Smarte Gesundheitsnetzwerk

Anna-Sophie Birchner ist seit Mitte November in der Stadt Neunburg angestellt, um das Smarte Gesundheitsnetzwerk Schwarzach-Regen zu koordinieren.
Hintergrund:

Infos und Workshops für potenzielle Partner

Das SGN Schwarzach-Regen ist ein Innovationsnetzwerk, initiiert durch die ILE Schwarzach-Regen und das Fraunhofer IIS. Das Förderprogramm des Bundes ist zweistufig, mit einer Konzeptphase (endet am 31. Mai) und einer Umsetzungsphase (bis September 2027). Gesucht werden für das Gesundheitsnetzwerk Akteure aus dem medizinischen, therapeutischen Bereich, Pflegebereich, Gesundheits- und Sozialwesen, Verwaltung, Forschungseinrichtungen, Elektrotechnik, Telemedizin, Softwareentwicklung, Unternehmen oder Startups, die per Anschubfinanzierung neue Geschäftsmodelle entwickeln können. Zur Info gibt es eine Reihe von Online-Veranstaltungen.

  • Kick-Off: Vorstellung des Bündnisses am Mittwoch, 27. Januar von 13 bis 17 Uhr über Zoom.
  • Workshop 1"Medizinische Fachkräfte anziehen" am Dienstag, 23. Februar, 13 bis 17 Uhr über Zoom.
  • Workshop 2 "Medizinische Versorgung verbessern" am Mittwoch, 10. März von 13 bis 17 Uhr über Zoom.
  • Workshop 3 "Gesund leben und wohnen" am Dienstag, 16. März von 13 bis 17 Uhr über Zoom.
  • Anmeldung und Koordinierung: Ansprechpartnerin ist Anna-Sophie Birchner, Telefon 01722465164, E-Mail: anna-sophie.birchner[at]neunburg[dot]de. Die Koordinatorin für das Smarte Gesundheitsnetzwerk hat an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd ihren Master in "Gesundheitsförderung und Prävention" gemacht. Dr. Andreas Hamper ist studierter Wirtschaftsinformatiker und seit 2019 stellvertretender Leiter der Leiter der Forschungsgruppe Human Centered Innovation am Fraunhofer-Institut für integrierte Schaltungen; er begleitet das Projekt.

 

 

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