03.07.2020 - 13:11 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Neunburger "Hussenkriegern" fehlt ihr Festspiel

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Am 4. Juli hätte das "Hussenkrieg"-Festspiel in Neunburg Premiere gefeiert. Doch heuer schreibt das Coronavirus die Dramaturgie – die Aufführungen sind gestrichen, die Bühne bleibt dunkel. Mitwirkende schildern, wie ihnen das Theater fehlt.

Verwaist ist heuer die "Hussenkrieg"-Bühne im Neunburger Burghof. Es fehlen die Aufbauten, die sonst im Frühjahr und Sommer darauf hinweisen, dass hier Theater gespielt wird. Wegen der Corona-Pandemie sind Proben und Aufführungen gestrichen worden.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Organisatorisch war für den 38. Festspielsommer in Neunburg zu Jahresbeginn eigentlich alles angerichtet: Der Probenplan war festgezurrt, die Sprechrollen besetzt, die Baufirma Steininger für die Schirmherrschaft "gebucht", und die "Hussitenwirte" hatten schon die Speisekarte geschrieben. Doch dann kam Corona, und mit dem Virus zahlreiche kulturelle Einschränkungen. Am 8. April entschieden sich die Stadt als Veranstalter und der Festspielverein als Ausrichter, den "Hussenkrieg" für heuer abzusagen.

Helmut Mardanow, Vorsitzender des Festspielvereins

"Nach 37 Jahren ist ein festspielfreier Sommer für mich ungewohnt", sagt Helmut Mardanow, Vorsitzender des Festspielvereins. Er vermisse den Kontakt und den Austausch mit den Ensemblemitgliedern. In der festspiellosen Zeit ist er mit Ehefrau Beate beispielsweise beim Wandern und Nordic Walking unterwegs, "oder es wird zu Hause Aufgeschobenes erledigt". Um an den "Hussenkrieg" zu erinnern, wurden einige Fenster in der Hauptstraße dekoriert.

Nach 37 Jahren ist ein festspielfreier Sommer für mich ungewohnt.

Helmut Mardanow, Vorsitzender des Festspielvereins

Helmut Mardanow, Vorsitzender des Festspielvereins

Der Kontakt zum Ensemble wird in der Pandemie per Whatsapp-Gruppe gepflegt, außerdem wurden Community-Masken mit dem Festspiellogo angeschafft. Die Lockerungen haben es mittlerweile möglich gemacht, dass sich wieder der Stammtisch und auch die Bastelgruppe treffen können. Unmittelbar bevor steht eine "Premieren-Gedächtnisfeier" am 4. Juli im Burghof – "natürlich unter Beachtung der Hygienevorschriften".

Für den Neuanlauf 2021 hofft Helmut Mardanow, dass die Pandemie der Vergangenheit angehört, und dass die Baumaßnahmen im Burghof beendet sind. Allerdings befürchtet er, dass es durch die Zwangspause schwierig werden könnte, im nächsten Jahr alle Rollen wieder zu besetzen.

Bericht und Bildergalerie über die "Hussenkrieg"-Premiere 2019

Neunburg vorm Wald

Regisseur Cornelius Gohlke

"Ich finde die Entscheidung, nicht zu spielen, immer noch richtig", bringt es Regisseur Cornelius Gohlke zum Ausdruck. Natürlich bedeute es auch einen finanziellen Schaden – "aber da bin ich ja nicht der einzige". Statt in Neunburg zu inszenieren, assistiert Gohlke seiner Gattin Nina Töppel, die im Hauptberuf Restauratorin für Porzellan, Glas und Emaille ist, bei der Dokumentation ihrer Projekte. "Daher sitze ich viel am Rechner und fülle pro Objekt 6 bis 9 Seiten Formulare aus." Zusätzlich sei er als "Hausmeister" bei seiner Mutter und seiner Schwiegermutter gefragt.

Ich denke, die Freude aller, wenn das Festspiel wieder stattfindet, wird sehr groß sein.

Regisseur Cornelius Gohlke

Regisseur Cornelius Gohlke

Es gebe vieles, was er am Neunburger Festspiel vermisst, bekennt Gohlke. "Die familiäre Atmosphäre, den Spaß am Proben, und wenn der Burghof mit der riesigen Bühne belebt wird durch die unbändige Spielfreude aller." Aber auch Großeltern, die mit ihren Kindern und Enkeln Theaterspielen sowie der Gesang der Hussiten gehörten beispielsweise für ihn dazu, ebenso wie die "Beleuchtungsnächte" mit den Technikern.

Mit Blick auf das nächste Festspieljahr setzt Cornelius Gohlke darauf, dass der "Hussenkrieg" ohne virusbedingte Einschränkungen gezeigt werden kann. "Ich denke, die Freude aller, wenn das Festspiel wieder stattfindet, wird sehr groß sein".

Bürgermeister Martin Birner

"Einen großen Verlust im städtischen Kulturprogramm", nennt Bürgermeister Martin Birner die "Hussenkrieg"-Absage. Der coronabedingte Ausfall reiße eine große Lücke in den Veranstaltungsreigen. Für sich persönlich vermisst das Stadtoberhaupt "ein besonderes Highlight in meinem Kalender". Es sei aber auch ein besonderes Gefühl der Gemeinschaft, die in einem Jahr ohne "Hussenkrieg" fehle. Denn üblicherweise würden die Mitwirkenden ab Mai bis August sehr viel Zeit miteinander verbringen und zu einer großen Festspielfamilie zusammenwachsen.

Dass es 2021 wieder ein Festspiel geben wird, steht für mich außer Frage.

Bürgermeister Martin Birner

Bürgermeister Martin Birner

Der Blick des Bürgermeister geht ins nächste Jahr: "Dass es 2021 wieder ein Festspiel geben wird, steht für mich und für die Stadtverwaltung außer Frage", unterstreicht Birner. Er verweist darauf, dass nach der Absage "in Rekordzeit und als eines der ersten Festspiele" bereits die neuen Termine für 2021 bekannt gegeben wurden. Dies will Birner als "ganz klares Signal" verstanden wissen: "Nächstes Jahr starten wir wieder mit den Burgfestspielen durch." Und dann hofft Birner "auf ganz viele Gäste, die nach der Zwangspause gemeinsam mit uns den Festspielsommer in Neunburg feiern wollen".

Michael Hellmuth, Darsteller des Pfalzgraf Johann

"Wir finden es sehr schade, dass die Pandemie dazu geführt hat, dass es heuer kein Festspiel gibt", bringt Michael Hellmuth, Darsteller des Pfalzgrafen Johann, zum Ausdruck. Auch Ehefrau Manuela sowie die Kinder Anna und Antonia, die ebenfalls beim "Hussenkrieg" mitspielen, würden die Proben, das "Arbeiten" an der Theatererfahrung und das Drumherum bei den Vorstellungen vermissen. "Nicht zuletzt fehlt uns auch das Publikum."

Wir vermissen die Proben, das damit verbundene „Arbeiten“ an der Theatererfahrung und das Drumherum bei den Vorstellungen.


Michael Hellmut, Darsteller des "Pfalzgraf Johann"

Ebenso bedauerlich sei, dass das Treffen und Zusammenspiel mit den Freunden bei den Proben und Aufführungen heuer entfalle. "Und die Kinder vermissen die Burggasterey, in der sich vor jedem Auftritt gestärkt wird." Mit Blick auf das Festspieljahr 2021 hofft Michael Hellmuth, "dass die Proben und Vorstellungen ganz normal – ähnlich wie vor Corona stattfinden – können und die Vorstellungen ausverkauft sein werden". Er baut darauf, dass alle Mitspieler dann wieder mit an Bord sind. Bis dahin gilt in der Familie Hellmuth das Motto: "Daheim bleiben, Abstand halten und nach vorne blicken."

Martina Prechtl, Leiterin der Hofmusik

"Mir fehlt heuer ein Stück Sommer, das mich seit 19 Jahren, seit der ersten Klasse, begleitet", bringt Martina Prechtl, die neue Leiterin der Hofmusik, zum Ausdruck. Sie vermisse "die tollen Leute in der Festspiel-Gemeinschaft, die vielen lustigen Momente mit meinen Hofmusik-Kids, das viele Lachen, und das ein oder andere lustige Foto während der Proben". Sie trauere aber auch ein bisschen der Schminke nach, "die am Morgen nach den Aufführungen, trotz gründlichen Abschminkens, am Kopfkissen klebt".

Mir fehlt sogar die Schminke, die am Morgen nach den Aufführungen, noch am Kopfkissen klebt.

Martina Prechtl, Leiterin der Hofmusik

Martina Prechtl, Leiterin der Hofmusik

In der durch Corona erzwungenen festspielfreien Zeit finde sich zwar immer etwas, das zu erledigen ist. Doch immer wieder schieße ihr auch der Gedanke durch den Kopf: "Eigentlich hätten wir ja gerade eine Probe oder eine Aufführung." Für Martina Prechtl ein Indiz dafür, wie wichtig einem das Festspiel selbst und auch die Mitspieler geworden sind.

Wenn sie an das nächste Jahr denkt, hofft sie, dass sich die Situation bezüglich Covid-19 beruhigt hat – "und wir dann wieder spielen dürfen". Sie wünscht sich, dass sich die Gemeinschaft innerhalb des Ensembles nicht verändert, "und das alle mit demselben Herzblut wie zuvor dabei sind, und wir wieder viele Zuschauer begeistern können".

Der nächste Festspielsommer in Neunburg:

Vorverkauf für 2021 läuft bereits

"Hussenkrieg"-Termine 2021

Samstag, 3. Juli, Premiere (Ersatz für 4. Juli 2020); Samstag, 10. Juli (Ersatz für 10. Juli 2020); Freitag, 16. Juli (Ersatz für 11. Juli 2020); Samstag, 17. Juli (Ersatz für 17. Juli 2020); Samstag, 24. Juli (Ersatz für 18. Juli 2020); Freitag, 6. August (Ersatz für 31. Juli 2020); Samstag, 7. August (Ersatz für 1. August 2020).

Eintrittskarten

Laut Mitteilung aus dem Rathaus, behalten für das Jahr 2020 erworbene Karten ihre Gültigkeit für den Ersatztermin im nächsten Jahr. Sofern das neue Datum nicht passt, können die Tickets bis vier Wochen vor der Veranstaltung gebührenfrei zurückgegeben oder gegen einen neuen Termin getauscht werden.

Rückfragen

In der Tourist-Information, Telefon 09672/9208421, im Rathaus, Telefon 09672/9208400, oder per E-Mail unter rathaus.stadt[at]neunburg[dot]de.

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