06.12.2020 - 10:42 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Neunburger Taxiunternehmer mit Inklusion hinter dem Lenkrad erfolgreich

Die Woche der Menschen mit Behinderung, eine Aktion der Bundesagentur für Arbeit, ist zu Ende. Wie Inklusion vor Ort im Agenturbezirk Schwandorf gelingen kann, zeigt sich beim Taxiunternehmen Fritz Hoffmann in Neunburg.

Eine Initiative der Agentur für Arbeit führte zum Erfolg: Johann Elsner freut sich, dass er bei Taxi Hoffmann einen neuen Job gefunden hat.
von Externer BeitragProfil

So sind die Fahrer des Neunburger Taxiunternehmens Fritz Hoffmann täglich unterwegs, um Menschen sicher ans Ziel zu bringen. Genauso vielfältig wie die Lebensläufe der Fahrgäste auf der Rückbank sind die Biografien der Menschen hinter dem Steuer. Mit Martin Dietl (54 Jahre) und Johann Elsner (60 Jahre) sind für das Unternehmen seit diesem Jahr auch zwei Fahrer mit Handicap im Einsatz.

Schweres Rückenleiden

"Im Frühjahr haben wir nach neuen Mitarbeitern gesucht. Als ich erfahren habe, dass zwei Bewerber ein schweres Rückenleiden plagt, war dies für mich nicht von Bedeutung. Eine Krankheit oder Behinderung kann jeden treffen. Das sagt nichts über das Engagement und den Charakter eines Menschen aus. Und die entscheiden, ob jemand zu uns passt oder nicht", sagt der Taxiunternehmer Fritz Hoffmann. Er gab Dietl und Elsner die Chance, sich zu beweisen - und hat es nicht bereut. "Beide sind mit Begeisterung bei der Arbeit, einfühlsam gegenüber unseren oft schwerkranken Fahrgästen und absolut zuverlässig. Man merkt deutlich, dass sie mit Herzblut bei der Sache sind und ihnen der Job viel bedeutet", so Hoffmann weiter.

Das Rückenleiden der beiden Mitarbeiter ist kein Tabuthema im Unternehmen. "Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen. Als Familienunternehmen ist es für uns selbstverständlich, dass wir füreinander da sind und andere dort unterstützen wo es nötig ist", sagt der Firmenchef. Müssen schwere Lasten gehoben werden, greife jemand den beiden Fahrern unter die Arme. "Im Gegenzug springen die beiden dort ein, wo sie etwas besser als ein anderer Mitarbeiter können", sagt der Firmenchef.

"Aufgrund meines Rückenleidens konnte ich meinen alten Beruf in der Kfz-Industrie nicht mehr ausüben. Das war nicht einfach für mich. Ich habe immer gerne gearbeitet und wollte auch weiterhin etwas Sinnvolles tun", erzählt Martin Dietl. Ähnlich erging es seinem Kollegen Johann Elsner: "Auf dem Papier gehöre ich vielleicht zum alten Eisen. Aber die Zeit bis zum Ruhestand abzusitzen, kam für mich nicht infrage." Der 60-Jährige freut sich über den neuen Job: "Ich lerne viele Menschen kennen und habe Abwechslung im Alltag." Zustande kam der Kontakt zwischen den Bewerbern und Taxi Hoffmann durch Vermittlung der Arbeitsagentur Schwandorf. Finanziell gefördert wurden beide Einstellungen mit einem Eingliederungszuschuss. "Ein Unternehmen sucht Mitarbeiter, zwei Bewerber möchten unbedingt den Job. Alter und Behinderung spielen keine Rolle und nach kurzer Zeit sind die Arbeitsverträge unterschrieben", sagt Bernhard Lang, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Schwandorf. Und er betont: "Taxi Hoffmann zeigt eindrucksvoll, wie unkompliziert gelebte Inklusion sein kann."

Details zum Arbeitsmarkt im November 2020 der Arbeitsagentur im Bezirk Schwandorf

Schwandorf

Offene Strategie hilft

Der stellvertretende Agenturleiter ermuntert Arbeitgeber, bei der Stellenbesetzung das Augenmerk nicht auf mögliche Schwächen von Bewerbern zu richten, sondern darauf, was wirklich für die Tätigkeit relevant ist. "Unsere Erfahrung zeigt, dass Unternehmen mit einer offenen Strategie bei der Stellenbesetzung im Schnitt deutlich erfolgreicher bei der Suche nach neuen Mitarbeitern sind", berichtet Lang.

Nicht nur könnten sie Stellen schneller besetzen, sondern meist auch mit höher qualifizierten Arbeitnehmern. Dies liege auch daran, dass sich unter den arbeitslosen Personen mit Behinderung sehr viele Fachkräfte befinden. "Sie warten oft auf eine Chance, ihr Können zu zeigen und sind daher für jeden Arbeitgeber ein großer Gewinn." Wie Lang in der Pressemitteilung bekräftigt, informieren die Experten des gemeinsamen Arbeitgeber-Services der Arbeitsagentur und des Jobcenters interessierte Arbeitgeber gerne über die Details. Unter den 7 460 erwerbslosen Personen im Agenturbezirk Schwandorf befanden sich im November circa 880 arbeitslos gemeldete Personen mit Schwerbehinderung. Wie Geschäftsführer Bernhard Lang mitteilt, streben knapp 350 von ihnen eine Stelle als Fachkraft an.

Als Taxifahrer kann Martin Dietl neu durchstarten.

 

 

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