17.04.2019 - 14:29 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Nur knapp einem Inferno entkommen

Im Gerichtssaal herrscht beklemmende Stille. "Sie wollten uns umbringen", sagt ein türkischer Geschäftsmann aus Neunburg vorm Wald und schildert, wie er plötzlich mit einem Gartenschlauch Flammen an seinem Reihenhaus eindämmen musste.

Am zweiten Verhandlungstag kam die Strafkammer noch zu keinem Urteil.
von Autor HWOProfil

Der Satz ist auch am zweiten Prozesstag um die Brandstiftung in Neunburg vorm Wald mehrfach gefallen. Er stammt von einem 20-jährigen Syrer, der immer wieder händeringend betont: "Ich habe einen Fehler gemacht. Jeder Mensch macht Fehler." Der Vorsitzende Richter Harald Riedl gab als Konter, gleichsam auch an den zweiten Angeklagten, zurück: "Hoffentlich denken alle daran, wenn sie wieder aus dem Gefängnis entlassen sind."

Was führte dazu, dass der Syrer zusammen mit einem in Kelheim ansässigen türkischen Staatsangehörigen (49) am 22. Juni letzten Jahres kurz nach 3 Uhr morgens an einem Reihenhaustrakt in Neunburg vorm Wald vorfuhr und im Eingangsbereich einer Doppelhaushälfte ausgeschüttetes Benzin mit einem Feuerzeug angezündet wurde?

Frauen im Hintergrund

Die Große Jugendstrafkammer des Amberger Landgerichts bekam dazu Einblicke durch den als Zeugen vernommenen Geschädigten - ein 58 Jahre alter Geschäftsmann mit türkischen Wurzeln, der damals plötzlich wach wurde und mit einem Gartenschlauch sofort reagierte. Der Mann erzählte. Von entstandenen Bindungen seiner Familie zu den in Kelheim lebenden Landsleuten. Sie wurden durch eine Hochzeit von Sohn und Tochter vertieft. Doch irgendwann schlich sich Ärger ein. Unstrittig ist dabei: Es gab Anzeigen und auch gerichtliche Auseinandersetzungen. Erstaunlich war, dass der 58-Jährige mutmaßte: "Was geschehen ist, ging im Hintergrund von Frauen aus."

Dann kam dieser frühe Morgen des 22. Juni 2018. Der Geschäftsmann aus Neunburg hatte vorher Videokameras installiert, weil schon einmal sein Wagen verkratzt worden war. Kurz nach 3 Uhr legte ein Mann Feuer. Dabei handelte es sich um den jungen Syrer, der in Kelheim Familienanschluss gefunden hatte. Der im Gerichtssaal vorgeführte Film zeigte dann, wie der Eingangsbereich des Hauses loderte, ein im Gras davor zurückgelassener Benzinkanister ebenfalls brannte und der Hausbesitzer Löschversuche einleitete.

Verweigerter Händedruck

Die beiden Angeklagten hatten bereits am ersten Verhandlungstag zugegeben (wir berichteten), an dem Verbrechen aktiv beteiligt gewesen zu sein. Allerdings mit gegenseitigen Schuldzuweisungen. Von dem 58-Jährigen hörten sie nun, dass sich insgesamt fünf Menschen im Haus befanden, darunter ein Kleinkind.

Entschuldigungen hörte sich der Mann zwar an. Doch akzeptieren wollte er sie nicht. Am allerwenigsten einen Händedruck des Türken aus Kelheim. "Sie wollten uns umbringen", hatte er kurz davor gesagt. Der Prozess wird fortgesetzt. Urteile könnten am 26. April fallen.

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