18.12.2020 - 14:23 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Oberpfälzer Hilfsprojekt plant Waisenhaus für Kenia

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Corona lässt die Not in armen Ländern noch größer werden. Diese Erfahrung hat das Oberpfälzer Hilfsprojekt "Strahlende Kinderaugen für Kenia" gemacht. Magdalena Schneider aus Neunburg erzählt aber auch, wie der Krise kreativ begegnet wird.

Im Jahr 2018 hatte Magdalena Schneider (links) ein sechswöchiges Praktikum in Kenia absolviert. Dort knüpfte sie auch Kontakte zu den Kindern aus dem Waisenheim "Minto Childrens Home" in Mombasa.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Mittlerweile ist es zwei Jahre her, dass die Neunburgerin Magdalena Schneider ein mehrwöchiges Praktikum an der "Precious Hope School" in Mtwapa absolvierte. Diese war im Jahr 2017 durch die Initiative "Strahlende Kinderaugen" aus Hemau (Landkreis Regensburg) eröffnet worden. Für 2021 hatte die 23-Jährige Studentin und angehende Referendarin eigentlich wieder einen längeren Aufenthalt in Kenia geplant – "doch wegen der Pandemie wird wohl nichts daraus werden", denkt sie.

Wie aus einer Pressemitteilung der Hilfsaktion hervorgeht, sei das afrikanische Land stark von Corona betroffen. Durch die Einschränkungen "werden die Not und Armut der Menschen noch verstärkt", heißt es. Magdalena Schneider berichtet von steigender Arbeitslosigkeit, es fehle an Geld für die ärztliche Versorgung. Und Kriminalität und Prostitution seien drastisch gestiegen.

Seit Beginn der Pandemie ist die Schule in Kenia geschlossen.

Neunburg vorm Wald

Die 290 Kinder an der "Precious Hope School" kommen aus der ärmsten Bevölkerungsschicht und leiden besonders unter der Situation. Denn die Schulen in Kenia sind zur Zeit geschlossen, den Buben und Mädchen fehlt damit ein Ort, der ihnen Hoffnung und Perspektive gibt. "Lediglich die vierten und achten Jahrgangsstufen, quasi die ,Abschlussklassen‘, werden zur Zeit in der Schule unterrichtet", schildert Magdalena Schneider, der Rest befinde sich im Homeschooling. Die Aufgaben erhalten die Buben und Mädchen per Smartphone, teilweise fahren die Lehrer sie den Schülern aber auch vorbei.

Die kenianischen Kinder schätzen die Möglichkeit auf Bildung sehr, berichtet die Studentin – "oft mehr als Gleichaltrige hier in Deutschland". Auch die Lehrer seien sehr bemüht und engagiert, weiß die 23-Jährige aus den Berichten des dortigen Schulleiters Jairus Orangi. Mittlerweile sehnen aber alle den Januar herbei: Dann plant der kenianische Staat die Wiedereröffnung der Schulen.

"Man merkt, dass die Kinder in Kenia die Bildung sehr schätzen, oft mehr als Gleichaltrige hier in Deutschland."

Magdalena Schneider

Magdalena Schneider

Ebenfalls von der Initiative aus der Oberpfalz unterstützt wird das Waisenheim "Minto Childrens Home" in Mombasa. Dort leben 26 Mädchen, die in der Pandemie kreativ geworden sind: "Sie nähen und häkeln in ihrer Freizeit, um zunächst einmal Kleidung für sich zu haben", wie die Neunburgerin schildert. Ein Teil werde aber auch verkauft, um etwas Geld für das Waisenheim aufzubringen. An der "Precious Hope School" hat sich mittlerweile der Schulgarten als Projekt mit Nachhaltigkeit erwiesen. Das dort angebaute Obst und Gemüse, unter anderem Bananen, Tomaten und Grünkohl, trägt zur ausgewogenen Ernährung der Kinder bei. Dem Team, das den Garten 2018 angelegt hatte, gehörte auch Magdalena Schneider an.

Mit dem Waisenhaus hängen die weiteren Pläne von "Strahlende Kinderaugen" zusammen. Die Initiative verfolgt das Projekt, ein eigenes Kinderheim in der Nähe der Schule zu bauen. Ziel ist, dass notleidende Buben und Mädchen eine Bleibe finden. Aber auch an eine Nachfolgelösung für das bestehende Heim wird gedacht. Dort seien die Räumlichkeiten sehr beengt, hinzu kommt, dass die Leiterin mittlerweile über 70 Jahre alt ist. Über ein mögliches Grundstück wurde bereits bei einem Online-Meeting gesprochen.

Für den Bau des Kinderheims wird mit Kosten von rund 180 000 Euro gerechnet. Um diese große Herausforderung zu stemmen, hofft die Organisation auf Unterstützung aus der Oberpfalz. Gefragt seien auch Monatsspender, die per Dauerauftrag helfen, laufende Kosten zu decken. "Auch kleine Beträge helfen und regelmäßige Spenden geben eine größere Planungssicherheit", informiert die Hilfsaktion.

Rückblick: Erfolgreich ist im vergangenen Mai der Aufruf zum Spendenlauf für "Strahlende Kinderaugen" gewesen. Um Matratzen, Decken und Moskitonetze für die Kinder in Kenia kaufen zu können, nahmen viele engagierte Läufer teil. Mit dabei waren unter anderem Mitglieder der Handballabteilung des 1. FC Neunburg. Mit Hilfe von Sponsoren kamen knapp 6000 Euro zusammen. Neben Schulen und Vereinen waren auch Hobbyläufer für den guten Zweck unterwegs.

Geld aus der Oberpfalz hat auch mit dazu beitragen, dass für die Schule ein geländegängiges Fahrzeug gekauft werden konnte. Es kommt unter anderem für die Ausfahrten der Lebensmittel während der Schulschließung zum Einsatz. "Vorher wurde das Essen per Eselwagen ausgeliefert", erinnert sich Magdalena Schneider.

Spendenkonto "Strahlende Kinderaugen für Kenia"

Bankverbindung: Raiffeisenbank Oberpfälzer Jura – Hemau; Iban: DE33 75069061 0000039977.

Wer eine Spendenquittung benötigt (werden jeweils im Januar für das vergangene Jahr ausgestellt) soll seine Adresse angeben.

Die Essenslieferungen per Eselwagen sind vorbei. Die "Precious Hope School" hat sich mittlerweile ein Auto gekauft. Das Geld dafür haben auch Spender aus der Oberpfalz zur Verfügung gestellt.
Einen erholsamen Schlaf ermöglichen die Matratzen und Decken, die über die Aktion "Laufen für Kenia" gekauft werden konnten.

Weitere Informationen über das Hilfsprojekt finden Sie hier

Hintergrund:

Im Einsatz gegen Kinder-Ehen

  • Vorfall an der Schule: Vor wenigen Wochen informierte Schulleiter Jairus Orangi die deutschen Partner, dass drei Schülerinnen der "Precious Hope School" zwangsverheiratet wurden. Eine 13-Jährige, eine 15-Jährige und eine 17-Jährige seien von den Eltern regelrecht verkauft worden. Männer zwischen 35 und 45 Jahren hätten mit Geld, aber auch mit Kühen und Ziegen bezahlt. Solche Ehen sind in Kenia eigentlich verboten.
  • Erfolgreiche Suche: Zwei der Mädchen wurde in der näheren Umgebung gefunden, ein weiteres war nach Tansania verschleppt worden - über 1000 Kilometer entfernt. Die traumatisierten Kinder wurden ins Krankenhaus gebracht. Die Mädchen werden regelmäßig besucht, um sie bei der Aufarbeitung zu unterstützen.
  • Situation in den Familien: Laut Hilfsaktion werden viele Mädchen schlecht versorgt, manche zur Prostitution gezwungen, um Geld zu verdienen. Die Eltern der geretteten Jugendlichen stehen mittlerweile unter strenger Beobachtung. Allerdings greife der Staat nicht ausreichend ein, um diese Missstände zu unterbinden.
  • Ein Wunsch wächst: Durch diese Vorkommnisse ist der Plan, ein eigenes Kinderheim in der Nähe der Schule zu bauen, noch konkreter geworden. Zuflucht finden sollen dort einmal Buben und Mädchen, die allein oder unter schlimmsten Umständen leben.

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