16.09.2019 - 14:43 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Mit Pfalzgraf als Bio-Siegel

Das weite Feld der biologischen Vielfalt möchte die Stadt Neunburg verstärkt bestellen. Im Arbeitskreis "Biodiversität" geht's aber nicht nur um die behutsame Pflege öffentlicher Flächen. Auch regionale Produkte rücken in den Fokus.

Wo Platz für Maisanbau (rechts im HIntergrund) ist, schließen sich blühende Flächen nicht aus. Der Arbeitskreis "Biodiversität" möchte sich dafür stark machen, dass im Neunburger Stadtgebiet das Bewusstsein für das Ökosystem und das Miteinander der Tier- und Pflanzenarten wächst.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Arbeitskreis-Leiter Alexander Trinkmann hat eine Vision. „Wir wollen eine Marke für regionale Produkte entwickeln“, sagte der CSU-Stadtrat bei der zweiten Sitzung des Arbeitskreises „Biodiversität“ am Freitag im Neunburger Rathaus. Unter dem Logo „Pfalzgraf“ könne die Stadt für sich und ihre regionalen Erzeugnisse werben.

Der Arbeitskreis „Biodiversitiät“ hat sich im Juni erstmals getroffen und einen Leitfaden erstellt. Am Freitag bündelten die Teilnehmer Vorschläge zur Erhöhung der Biodiversität auf städtischen Flächen. Bürgermeister Martin Birner rät zunächst zu einer Bestandsaufnahme und möchte den Bürgern zeigen, „was schon alles geschehen ist“. AK-Vorsitzender Alexander Trinkmann nahm den Ball auf und stellte fest: „Einige der Maßnahmen sind wirklich genial“. Jetzt gehe es darum, eine Struktur und ein Konzept für eine umweltgerechte Pflege der städtischen Flächen zu entwickeln. Dazu ließ er die Teilnehmer des Arbeitskreises zu Wort kommen.

Theo Fleischmann, Bio-Bauer aus Stetten, ist der Schutz vor Erosion einen Anliegen. Deshalb sollten die Wege und Ackerränder gezielt als Schutzzonen erhalten werden. Der frühere Stadtrat Roman Sorgenfrei rät aus ökologischen Gründen zur extensiven Nutzung der städtischen Brachflächen. Förster Alois Nißl ist als Revierleiter für den Stadtwald zuständig und sieht in der Biodiversität und dem Erhalt der Artenvielfalt eine Daueraufgabe.

Stadtrat und Landwirt Walter Drexler legt Blühstreifen an und bemüht sich um Boden- und Gewässerschutz im Sinne der Arbeitskreisziele. Diese Botschaft vernahm der Kreisvorsitzende im Bund Naturschutz, Klaus Pöhler, mit Freude, denn er ist der Meinung: „Wir müssen die Landwirtschaft auf ein vernünftiges Maß zurückführen“. Wer auf Mineraldünger verzichte, sollte Ausgleichszahlungen erhalten.

Die Mitglieder des Arbeitskreises "Biodiversität" trafen sich zu ihrer zweiten Sitzung im Rathaus und sammelten Vorschläge zur umweltgerechten Pflege der städtische Flächen.

Der Vorsitzende des Ameisenschutzvereins Hirschberg, Hubert Fleischmann, rät zu einer Schulung der Bauhofmitarbeiter, wann und wie sie öffentliche Flächen mähen und pflegen sollten, um den Lebensraum für Insekten zu erhalten. „Wir müssen noch mehr in die Schulen gehen und die Kinder frühzeitig sensibilisieren“, so der Rat des Ameisen-Experten. „Richtig mähen“ ist auch dem Imkermeister Wolfgang Gleißner ein Anliegen. Ansonsten würden „Brut- und Nahrungsstätten für die Insekten systematisch vernichtet. Auch mit Mulchen werde vieles kaputt gemacht, warf Landwirt Ernst Ippisch ein. Dem pflichtete Markus Kurz vom Naturpark Oberpfälzer Wald ein, der ein Umdenken bei den Pflegemaßnahmen fordert und eine Schulung der Mitarbeiter empfiehlt.

Armin Wild, Lehrer an der Berufsschule in Neunburg, ist seit 20 Jahren mit Pflegemaßnahmen beschäftigt und will seine Erfahrungen in den Arbeitskreis einbringen. Dennis Gruber aus Seebarn, Betreiber einer „naturverbundenen Landschaftspflege“, sieht erheblichen Nachholbedarf bei der Vermarktung regionaler Produkte und stellt fest: „Da sind uns andere Regionen weit voraus“. Diesen Gedanken wollen die Mitglieder des Arbeitskreises in der nächsten Sitzung weiter verfolgen.

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