14.09.2020 - 17:09 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Von Regensburg an die Nordsee: Kumpels mit Sieger-Selfie

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Über 900 Kilometer haben Matthias Hoidn und sein Freund aus Neunburg, Fabian Weig, mit dem Rad zurückgelegt, um an die Nordsee zu kommen. Sie erzählen, warum sie am Ende Ärger mit der Polizei hatten und davon, bald den Jakobsweg zu radeln.

Sie haben es geschafft und triumphieren: Fabian Weig (links) und sein Freund Matthias Hoidn sind mit dem Rad von Regensburg an die Nordsee gefahren.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Wenn zwei Männer über 900 Kilometer auf einem schmalen Fahrradsattel gesessen haben, dann ist es kein Wunder, dass manche Körperregionen schmerzen. Aber Matthias Hoidn und Fabian Weig haben es geschafft, die beiden sind entgegenen aller Prognosen ihrer Zweifler mit dem Rad von Regensburg an die Nordsee gefahren. Die Freude überwiegt den Schmerz bei weitem. "Wir haben gejubelt und uns umarmt, als wir angekommen sind", sagt Weig. Ursprünglich wollten die beiden nach Brunsbüttel. "Alle haben gesagt, dass es da sau-langweilig ist. Also haben wir uns umentschieden", sagt Weig. Am Freitag sind sie für ihre vorerst letzte Etappe in Hamburg aufgebrochen.

Das verflixte letzte Stück

Hoidn zufolge waren die letzten zehn Kilometer vor dem Ziel mit Abstand die schlimmsten. "Wir hatten das Ziel vor Augen. Aber das zog sich ewig. Der Gegenwind war extrem stark", sagt er. Was dort als windig gelte, gehe in der Oberpfalz schon als handfester Sturm durch. Auch Weig sagt: "Am Ende waren wir dann doch mal kurz vorm Verzweifeln. Wir haben nicht mehr geredet und hatten einfach keinen Bock mehr." Endlich am Strand angekommen setzten sie sich in einen Strandkorb, keiner sagte ein Wort, beide blickten in die Ferne. Weig: "Wir mussten das erst mal auf uns wirken lassen." Danach taten sie, was sie die ganze Zeit geplant hatten: Sie machten ihr Siegerfoto mit den Rädern und der Bayernfahne, die sie unterwegs auf Amazon bestellt hatten.

Knöllchen nach 900 Kilometern

Auf dem Weg über 900 Kilometer ist den Freunden nichts passiert, was die Polizei ins Spiel gebracht hätte. Ausgerechnet am Ziel hat sich das geändert. "Wir bekommen Post nach Hause", sagt Hoidn mit einem leicht ungläubigen Ton in der Stimme. In Sankt Peter-Ording wollten sie sich am Abend kurz vor 21 Uhr noch schnell etwas zu Essen besorgen und machten auf einmal alles falsch, was man falsch machen konnte. "Wir hatten kein Licht und sind verkehrt rum in eine Einbahnstraße gefahren. Ich hatte noch mein Handy in der Hand", sagt Weig.

Allerdings seien die Beamten recht kulant gewesen. Die beiden Freunde müssen nicht für alles blechen. Konsequenzen hatte ihr Handeln trotzdem: "Als wir am Restaurant angekommen sind, war es drei nach neun. Das war drei Minuten zu spät, um noch irgendwo was zu bekommen, wie uns der Kellner erklärte", sagt Weig.

Wir hatten das Ziel vor Augen. Aber das zog sich ewig. Der Gegenwind war extrem stark.

Matthias Hoidn über die letzten Kilometer

Matthias Hoidn über die letzten Kilometer

Vom Rad aufs Brett

Bis Samstag haben die beiden noch Zeit, Nordsee-Luft zu atmen. Dann müssen sie in Flensburg sein, wo sie der Zug nach Hause bringt. Hoidn: "Jetzt ist erst mal Urlaub angesagt. Vielleicht machen wir einen Surfkurs oder so was." Die Freude sind bei einer jungen Familie untergekommen. "Das ist so, als würden wir zusammen in einer WG leben", sagt Weig. Ob Sankt Peter-Ording nun aber ihr letztes Ziel bleibt, das entscheiden sie spontan. "Vielleicht machen wir ja noch einen Abstecher nach Dänemark, bevor es nach Flensburg geht", sagt Hoidn.

Das musst du erst mal aushalten. Da machst du ganz schön was mit. Das geht auch nur mit Matthias.

Fabian Weig über die Zeit mit seinem Kumpel

Fabian Weig über die Zeit mit seinem Kumpel

Dankbar um Freundschaft

Weig hätte sich die körperlichen Strapazen schlimmer vorgestellt. "Man darf die Psyche aber nicht vergessen. Das ist eine Herausforderung", sagt er. Er und Hoidn seien drei Wochen ununterbrochen aufeinander gesessen und hätten jeden wachen Moment miteinander verbracht. "Das musst du erst mal aushalten. Da machst du ganz schön was mit. Das geht auch nur mit Matthias", sagt er.

Freunde fahren mit dem Rad von Regensburg an die Nordsee

Neunburg vorm Wald

Nächstes Ziel in Aussicht

Bei ihrer Ankunft hätten Hoidn und Weig wohl eher nicht geglaubt, solch eine Reise noch einmal in Angriff zu nehmen. Ihre Wahrnehmung hat sich aber bereits wieder etwas verändert. "Man neigt ja dazu, solche Reisen im Nachhinein zu heroisieren", sagt Hoidn. Schmerzen und Qualen seien schnell vergessen. Spätestens in einem halben Jahr sei nur noch die Erinnerung an eine "echt geile Reise" übrig. Weig: "Ich will nicht ausschließen, dass wir den Jakobsweg eines Tages auch noch mit dem Rad fahren."

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