21.10.2019 - 14:44 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Schöne neue Welt? Digitalisierung in der Gesundheit

"Digitalisierung" ist in aller Munde und doch mehr als ein Schlagwort. Wie sich insbesondere das Gesundheitssystem wandeln werde, stellt Steffen Hamm, Professor für Gesundheitswirtschaft an der OTH Amberg-Weiden, in einem Vortrag dar.

Auch Bürgermeister Martin Birner freute sich darüber, dass Professor Steffen Hamm referierte.
von Externer BeitragProfil

Es gehe um mehr als um eine einfache Elektrifizierung von analogen Daten, so Hamm. Ganze Prozesse und Strukturen müssten über alle Lebensbereiche hinweg hinterfragt und neu gedacht werden. Die Digitalisierung böte große Chancen für bessere Versorgungs- und Organisationsstrukturen. "Gesundheitsversorgung begreifen wir heute noch vor allem als Krankheitsmanagement", so Steffen Hamm. "Wir müssen aber Gesundheitsmanagement betreiben - und als permanenten Prozess verstehen."

Beim Vortrag, der in der Vortragsreihe "25 Jahre - 25 Orte" anlässlich des 25-jährigen Gründungsjubiläums der OTH Amberg-Weiden auf Einladung der Stadt stattfand, zählte der Professor die aktuellen Herausforderungen auf: Demografischer Wandel, steigendes Gesundheitsbewusstsein, Zunahme von chronischen Erkrankungen und Fachkräftemangel erforderten ein Umdenken im Gesundheitswesen.

Er betonte, dass die Digitalisierung keineswegs ein Wegrationalisieren von Arbeitsplätzen im Gesundheitssektor bedeute. Wenn smarte Prozesse und neue Geräte beispielsweise Dokumentationsprozesse vereinfache, hätte das Personal wieder mehr Zeit für die persönliche Betreuung der Patienten.

In der Medizin würden derzeit Verfahren und Geräte erprobt, die bald viel umkrempeln dürften. Roboter, die bei Operationen unterstützen. Echtzeitscans, die per Augmented Reality genauere Behandlungen zuließen. APPs und Programme, die dank Künstlicher Intelligenz die Diagnose verbesserten. Individuell dosierte Medikamente, die aus dem 3-D-Drucker kommen. Steffen Hamm zeigte auf, dass neue Anbieter wie Google oder Amazon bereits auf den Gesundheitsmarkt drängten. Solche Hightech-Schmieden entwickelten Sensoren für Badezimmerspiegel, die per Scan Blutdruck messen.

Auch wenn einige Anwendungsbeispiele noch wie Zukunftsmusik klingen, müsse man bereits jetzt die notwendigen Entscheidungen treffen. Neunburgs Erster Bürgermeister Martin Birner unterstrich die Bedeutung des Vor- und Weiterdenkens. "Wir brauchen neue Ansätze, wenn wir auch in der Zukunft in ländlichen Regionen gut leben wollen", sagte er und versprach, wo es der Kommune möglich sei, konkrete Schritte zu unternehmen. Eine Offenheit, die Hamm lobte: "Es braucht Mut, etwas anders zu machen." Doch wer die Veränderung scheue, werde von der Entwicklung überrollt. Der weltweit größte Anbieter von Unterkünften, airbnb, besitze keine einzige Immobilie. "Das muss uns eine Lehre sein, die Zukunft zu gestalten - und deswegen müssen wir an den Hochschulen forschen und die junge Generation bestmöglich ausbilden."

Info:

Zum Wintersemester 2019/2020 wurde an der OTH Amberg-Weiden der duale Studiengang "Physician Assistance (PA) - Arztassistenz" eingeführt. Mit diesem Studiengang wird erstklassiges Fachpersonal in der medizinischen Versorgung ausgebildet. Nach erfolgreichem Abschluss des sieben-semestrigen Studiums erwerben die Studierenden den akademischen Grad Bachelor of Sciene (B.Sc.). Den Absolventen steht eine Vielzahl an medizinischen Tätigkeitsbereichen offen. Ein Schwerpunkt bildet vor allem die Übernahme von ärztlich delegierten Aufgaben.

Ebenfalls in diesem Wintersemester an der OTH Amberg-Weiden gestartet, ist der Bachelor-Studiengang "Digital Healthcare Management". Hierbei handelt es sich um eine Kombination aus Wirtschaftsökonomie und Gesundheitswirtschaft, die sich mit den großen Themenkomplexen Digitalisierung und Gesundheit auseinandersetzen. Die Regelstudienzeit beträgt 7 Semester. Mit erfolgreichem Abschluss erwerben die Studierenden den akademischen Grad Bachelor of Arts (B.A.)

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