17.04.2019 - 18:26 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Startschuss für "Kunst und mehr"

Der Stadtrat ist sprachlos. Die Pläne des Investors im Rot-Kreuz-Haus sind so ganz nach dem Geschmack des Gremiums. Das liegt vor allem an der Lösung für die angebaute Spitalkirche.

Für das ehemalige Rot-Kreuz-Haus (links) samt Spitalkirche hat sich ein Investor gefunden, dessen Pläne den Zielen der Stadt entgegenkommen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Gleich mehrmals fiel am Donnerstagabend bei der Stadtratssitzung das Wort "sprachlos". Denn bei dem, was der Investor mit dem gerade von der Stadt erworbenen Rot-Kreuz-Haus samt Spitalkirche vorhat, bleiben offensichtlich keine Wünsche offen. Die Biersack und Grenzer Vertriebs GbR aus Burglengenfeld hat den Gebäudekomplex aus dem Jahr 1835 erworben und will dort nach einer Sanierung Wohnungen und Büros unterbringen. Aber auch der Kultur wird Platz eingeräumt, und das nicht zu knapp: Die Spitalkirche wird für Konzerte oder Ausstellungen zur Verfügung stehen, und der Eigentümer hat sogar ein Kunst-Stipendium im Visier.

"Es geht los", verkündigte dann auch Investor Fabian Biersack in der Stadtratssitzung und berichtete von ersten Schritten, in die auch das Landesamt für Denkmalpflege eingebunden wurde. Fürs Erdgeschoss des Rot-Kreuz-Hauses liegt bereits ein Bauantrag vor. "Da haben wir ziemlich Gas gegeben", berichtete Biersack. Er kalkuliert dabei ein, dass die Spitalkirche etwas später an die Reihe kommt, denn "da könnte der Denkmalschutz ein größeres Fass aufmachen". Vorgesehen ist nämlich ein Mauerdurchbruch vom Rot-Kreuz-Haus in die längst profanierte Kirche. Den Konzert- oder Ausstellungsbesuchern stünden dann Toiletten und die Teeküche von "Biersack und Grenzer" zur Verfügung.

Doch zunächst wird ab Mai das Erdgeschoss mit den Büroräumen für ein Ingenieurbüro in Angriff genommen. "Ein Umzug ist für November geplant", informierte der Eigentümer und versprach Arbeitsplätze für 20 Mitarbeiter. Allein im großen "Zeichensaal" sollen 14 Beschäftigte Platz finden. "Wir haben gerade zwei weitere Bauingenieure für Tiefbau eingestellt", berichtete Biersack und warb bei dieser Gelegenheit gleich für weitere Jobs im Unternehmen.

Dann kommt im zweiten Bauabschnitt die Spitalkirche an die Reihe mit Durchbruch, Anbindung, zweitem Rettungsweg, Sanierung und Einbau einer Heizung. Durch eine Abgrenzungsmöglichkeit, kann die Spitalkirche bei Veranstaltungen die Infrastruktur des Ingenieurbüros nutzen. "Wir haben uns da schon mit dem Kunstverein Unverdorben abgestimmt, die ersten Schäden in der Kirche werden bereits saniert", so Biersack, der nichts gegen eine sofortige Nutzung für Stadt und Vereine hat. Das Obergeschoss wird zum Teil erst im dritten Bauabschnitt angepackt. Ein Architekturbüro und Wohnungen sind dort vorgesehen, die Fertigstellung steht für Dezember 2022 im Terminplan.

Unter dem Motto "Kunst und mehr" will der Investor auch selbst ein Scherflein zur Kultur in Neunburg beitragen und zum ersten Mal im Herbst 2019 ein Kunststipendium ausloben. Biersack denkt dabei an eine Summe in Höhe von 1000 Euro und die Möglichkeit, in der Spitalkirche auszustellen. "Man schaft so nicht nur eine finanzielle Unterstützung, sondern gibt den Künstlern auch ein Podium", so der neue Eigentümer.

"Ich bin sprachlos, etwas Besseres konnte uns gar nicht passieren", lautete das Fazit von Bürgermeister Martin Birner. Der Erwerb der Gebäude durch die Stadt habe sich gelohnt, beleuchtete er die Voraussetzungen für den Verkauf an die Gesellschaft. "Wir werden Sie nach Kräften unterstützen", so der Rathauschef an die Adresse der Investoren. "Einfach sprachlos" war auch Klaus Zeiser von der CSU-Fraktion. Vom neuen Fraktionssprecher Alexander Trinkmann gab es Lob für das "zukunftsorientierte Nutzungskonzept". "Klasse, super" hörte man aus den Reihen der SPD. Als Beauftragte der Spitalstiftung sprach CSU-Stadträtin Marianne Deml von einem Glücksfall, Sanierungsbeauftragter Theo Männer sah das Vorgehen der Stadt beim Aufkauf entsprechender Gebäude bestätigt. Für die Freien Wähler würdigte Martin Scharf die Einbindung der Spitalkirche, die durch die Toiletten nebenan erst nutzbar werde. Bevor der Stadtrat der Sanierung einstimmig seinen Segen gab, brachte er die Sache auf den Punkt: "Danke, dass Sie uns dieses Problem abnehmen."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.