10.06.2019 - 14:23 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Strahlkraft erreicht den Vatikan

Yoko Ono weiß ihre Werke zu schätzen – und vielleicht bald auch der Papst. Miriam Ferstl stellt ihre Kronleuchter ab Oktober in Rom aus, unter Schirmherrschaft der Deutschen Botschaft beim Heilgien Stuhl.

Dieser farbenprächtige Kronleuchter schmückt die Kirche des Heiligen Hieronymus in Pučišća (Kroatien). Miriam Ferstl hat die strenge Symmetrie von einem zentralen Punkt aus mit der Kamera eingefangen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Auf der Insel Brač in Kroatien hat Miriam Ferstl einen ihrer ersten Kronleuchter fotografiert. Gebannt von der Pracht der gläsernen Prunkstücke und einer ganz besonderen Perspektive ist die Künstlerin mit Neunburger Wurzeln der Spur dieser Leuchter durch ganz Europa gefolgt und hat ein Medium gefunden, auf dem Fotos besonders gut zur Geltung kommen: Glas. Nebenbei hat sie mit ihrem Faible für Transparentes auch andere begeistert – bis hin zu Kunst-Ikone Yoko Ono. Zu deren aktueller Ausstellung in Leipzig liefert die 32-Jährige ein gläsernes Objekt. Doch es ist der Nachhall der Leuchter-Serie, der ihr nun die Ausstellung in Rom beschert, im Deutschen Pilgerzentrum direkt gegenüber der Engelsburg.

Die Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl ist Schirmherr der Ausstellung. Monsignore Nikola Eterovic, Nuntius des Papstes in Deutschland, ist auf die Künstlerin aufmerksam geworden, denn auch in seinem Heimatort Pučišća auf der Insel Brač in Kroatien wurde Ferstl fündig. "Er hat von meinem Projekt über den damaligen Bischof des Bistums Hvar, Monsignore Slobodan Štambuk, erfahren und mich mit der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl in Rom verbunden", berichtet die Künstlerin. "Schnell stand fest, dass es eine Ausstellung geben wird, und nun ist es im Oktober soweit."Vernissage ist am 12. Oktober. Unter dem Titel "Uniti nella luce" (deutsch: Vereint im Licht) werden im Pilgerzentrum Glaskunstwerke und Fotografien der Leuchter aus den drei Weltreligionen zu sehen sein, die Miriam Ferstl in Moscheen, Synagogen und Kirchen der unterschiedlichsten Länder entdeckt hat.

Dass hier Arbeiten aus den Sakralräumen aller drei Religionen zu sehen sein werden, freut sie sehr. "Rom hat eine ganz besondre Strahlkraft und nimmt gerade für Gläubige eine zentrale Position in der Welt ein", meint die Künstlerin. "Somit passen die Arbeiten, die sich ja auch mit der Fokussierung und der Grundintention der Religionen beschäftigen, sehr gut in diese Stadt." Nebenbei zählt Rom auch zu ihren Lieblingsstädten, so die Künstlerin, die ihrer Sammlung der filigranen Kunstwerke auch einen Wunsch verbindet. "Es wäre schön, wenn es durch die Ausstellung zu einem Dialog zwischen den Kulturen und Religionen kommt", meint sie und fügt hinzu: "und es wäre natürlich auch schön, wenn ich Werke verkaufen kann".

Diesen Kronleuchter hat die Künstlerin in der russisch-orthodoxen Kirche St. Peter und Paul in Karlsbad (Tschechien) entdeckt.
Von der Fotografie gläserner Objekte hin zur Arbeit mit Glas. Miriam Ferstl ist in diesem Medium auch dem Mikrokosmos auf der Spur.

Es wäre schön, wenn es durch die Ausstellung zu einem Dialog zwischen den Kulturen und Religionen kommt.

Miriam Ferstl

Miriam Ferstl

Info:

Die Ausstellung im Pilgerzentrum läuft von 12. bis 24. Oktober. Zu sehen sind Werke von Miriam Ferstl aber auch von 9. Oktober bis 5. November bei der Artionale 2019 in München: Sie stellt in den Räumen der Evangelischen Hochschulgemeinde in Schwabing Fotografien und Rauminstallation aus unter dem Titel "100 Milliarden". Neben 19 weiteren Künstlerin ist Ferstl auch für den Internationalen Marianne-Brandt-Wettbewerb nominiert, der sich in diesem Jahr unter dem Motto "Ich bin ganz von Glas" den funktionalen und metaphorischen Möglichkeiten des Materials widmet. Die Glas-Skulptur, die noch bis 7. Juli als Beitrag zur Yoko-Ono-Retrospektive in Leipzig zu sehen ist, wandert ins Industriemuseum nach Chemnitz und ist dort von 28. September bis 1. Dezember zu sehen. Wer sich für die Glaskunst oder die Kronleuchter interessiert, kann die streng limitierten Werke über die Website www.miriamfestl.com/shop auch erwerben und das auch schon vor der Ausstellung in Rom. Übers Internet ist auch das Buch "Von der Mitte gehalten" erhältlich mit zahlreichen Bildern der zentral von unten fotografierten Kronleuchtern und Texten von Gernot Candolini.

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