04.03.2021 - 17:50 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Topfit mit Technik: In Neunburg formiert sich ein smartes Gesundheitsnetzwerk

Wenn ein Virus grassiert, sind Kontakte unerwünscht. Aber ausgerechnet ein Netzwerk von Kontakten soll jetzt dazu beitragen, dass medizinisches Know-how im letzten Dorf gut ankommt. Anna-Sophie Birchner sitzt an der Schaltstelle.

Anna-Sophie Birchner verknüpft als ILE-Koordinatorin an ihrem Schreibtisch die Fäden für ein smartes Gesundheitsnetzwerk. Dass sie dabei aktuell im München sitzt und trotzdem in Neuburg präsent ist, ist eine Beispiel dafür, was die Zukunft bereit halten könnte.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Anna-Sophie Birchner ist seit Mitte November in der Stadt Neunburg angestellt, um das Smarte Gesundheitsnetzwerk Schwarzach-Regen im Auftrag der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) Schwarzach-Regen zu koordinieren. Für diesen Job bringt die 31-Jährige neben einem Masterstudium „Gesundheitsförderung und Prävention“ auch Erfahrungen aus der Koordination von Ehrenamtlichen im Asylbereich mit, für die sie im Familienzentrum Trudering in München zuständig war. Im Interview mit Oberpfalz-Medien berichtet sie von ihren ersten Erfahrungen auf dem Weg zu einer besseren Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum.

ONETZ: Wie würden Sie Ihre Aufgabe beschreiben?

Anna-Sophie Birchner: Meine Aufgabe ist die Koordination der Gründung eines Gesundheitsnetzwerkes. Das bedeutet, neue Menschen in dieses Netzwerk bringen, ein Konzept zu erstellen, sich um eine Umsetzungsphase zu bewerben und dann auf Gelder zu hoffen.

ONETZ: Wie war das Ergebnis der Kick-off-Veranstaltung zu den Plänen?

Anna-Sophie Birchner: Sehr positiv. Wir hatten sehr viele unterschiedliche Akteure dabei. Nicht alle haben Zeit für unser Angebot mit Workshops, aber viele wollen ihre Ideen mit uns teilen, um die Gesundheitsversorgung weiterzubringen.

ONETZ: Aus welchen Bereichen kommen die Ideen-Lieferanten?

Anna-Sophie Birchner: Wir hatten bei der ersten Veranstaltung eine Runde mit etwa 30 Teilnehmern im Call. Die meisten kamen aus den Bereichen Gesundheitswesen und Forschung, es gab aber auch einen Vertreter eines Wirtschaftsunternehmens. Wir sind offen für viele weitere und werden perspektivisch auch auf einige zugehen. Jeder, der eine Idee hat, kann sich melden.

ONETZ: Wie viel Zeit haben Sie für diese Aufgabe in Neunburg?

Anna-Sophie Birchner: Der Zeitplan ist ganz klar vorgegeben. Die Konzeptphase soll Ende Mai 2021 abgeschlossen sein, da ist Abgabetermin. Bis Ende Mai ist aktuell auch meine Stelle hier befristet. Es könnte dann aber im Herbst, wenn über die Bewerbung entschieden ist, mit der Umsetzung weitergehen. Das ganze Projekt ist auf sechs Jahre angelegt, mit einer Zwischenbewilligung nach drei Jahren. Dann soll sich das Netzwerk selbst tragen.

ONETZ: Was wäre da optimal?

Anna-Sophie Birchner: Wenn wir einfach ganz viele Ideen generieren und am Ende sagen können: Wir sind eine Region, wir haben tolle Ideen, da wollen wir hin.

ONETZ: Entpuppt sich aktuell die Corona-Pandemie als Hindernis beim Kontakteknüpfen?

Anna-Sophie Birchner : Ich glaube Corona ist ein Hindernis, aber auch eine Chance. Die Akteure aus der Medizin haben aktuell wenig Zeit, ihre Priorität liegt momentan beim Impfen. Aber gerade jetzt finden Projekte, die mit Gesundheit zu tun haben, mehr Beachtung. Die Telemedizin ist zum Sprungbrett geworden. Es gibt ganz viele digitale Neuerungen, und man ist da momentan sehr aufgeschlossen.

ONETZ: Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Anna-Sophie Birchner: Es ist wirklich spannend, was da für Ansätze in der Region schlummern. Bei mir rufen viele Leute an, deren Anliegen mit dem Satz beginnt. "Mich nervt es tierisch, dass...". Oft folgt darauf: "Ich hab da mal eine Idee...". Ein Beispiel: Wenn Patienten aus Kliniken oder pflegenden Einrichtungen entlassen werden, dann gibt es Tools (Werkzeuge) die für eine weitere Behandlung zeitsparend sein könnten.

ONETZ: Sind Sie überflüssig, wenn das Netzwerk geknüpft ist?

Anna-Sophie Birchner: Nein, so ein Netzwerk koordiniert sich nicht von allein. Wenn es klappt, könnte ich Neunburg dauerhaft erhalten bleiben.

Erste Ansätze für smarte Ideen

Neunburg vorm Wald
Hintergrund:

Bis zu 15 Millionen Euro pro Bündnis

Das Smarte Gesundheitsnetzwerk Schwarzach-Regen (SGN)wird initiiert durch die ILE Schwarzach-Regen und das Fraunhofer Institut Integrierte Schaltungen.

  • Initiatoren: Das Smarte Gesundheitsnetzwerk Schwarzach-Regen (SGN) wird initiiert durch die ILE Schwarzach-Regen und das Fraunhofer-Institut Integrierte Schaltungen.
  • Handlungsfelder: Medizinische Fachkräfte anziehen, medizinische Versorgung verbessern, gesund leben und wohnen.
  • Förderung: Als einziges bayerisches Bündnis zählt das Smarte Gesundheitsnetzwerk Schwarzach-Regen (SGN) zu insgesamt 44 zugelassenen Bündnissen für die Konzeptphase des Bundesförderprogramms „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).
  • Finanzierung: Das Ministerium sieht bis zu 15 Millionen Euro pro Bündnis vor.
  • Termine: 10. März Workshop "medizinische Versorgung verbessern", 16. März Workshop "Gesund leben und wohnen"; jeweils über Zoom; Anmeldung unter Telefon 09672 9208-445.
  • Infos: über Homepage unter www.ile-schwarzach-regen.de/de/sgn.

 

 

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