"Die Eigentümer sollen wissen, was sie machen können", formulierte Bürgermeister Martin Birner am Donnerstag im Stadtrat die Absicht der Untersuchungen. Es sind prägende Gebäude im Ortskern, die das Berchinger Architekturbüro Kühnlein unter die Lupe genommen hat: Das Haselbauer- und das Hirschenwirt-Anwesen (Hauptstraße 55 und 57), kombiniert mit dem Gebäude "Im Bleihof 1" sowie das frühere Rotkreuzhaus samt Spitalkirche (Hauptstraße 1 und 3) sowie das Hösl-Anwesen (Jobplatz 2 und 4).
Interessenten und Investoren sollen die Studien Planungs- und Kostensicherheit geben und über städtebauliche und denkmalfachliche Anforderungen informieren. Die genannten Gebäude wurden auf ihre Eignung für sozialen Wohnungsbau, Einzelhandel, Dienstleistung und Gastronomie abgeklopft. Rund 102 000 Euro lässt sich die Stadt die Untersuchungen kosten, davon werden zwei Drittel aus Mitteln der kommunalen Wohnraumförderung und durch Denkmalpflege-Gelder gedeckt.
Altstadt aufwerten
Die Architekten Michael Kühnlein senior und junior erläuterten den Fraktionen das Ergebnis. Die "umfangreiche Untersuchung" berücksichtigt unter anderem denkmalschutzrechtliche Belange, zeigt Schäden an den Objekten und zählt frühere Nutzungen auf. Die Entwürfe für mögliche Nutzungen seien "im Gleichklang zu den Fördermöglichkeiten" erarbeitet worden, so Kühnlein senior. Primäre Ziele seien die Behebung von Leerständen, eine Aufwertung der Altstadt und die Vermeidung von Flächenfraß gewesen.
Als "kleines Stadtquartier" bezeichnete der Planer das Areal Hirschenwirt/Haselbauer/Bleihof 1. Auf rund 1300 Quadratmeter Gesamtfläche sieht die Studie unter anderem 1000 Quadratmeter Platz für Wohnungen im Hirschenwirt-Erdgeschoss sowie im früheren Ökonomie-Trakt in Richtung Wassergasse vor. Letzere könnten über einen Laubengang aus dem Hofinneren erschlossen werden. Für die Barrierefreiheit ist ein Aufzug vorgesehen. Michael Kühnlein verschwieg nicht, dass das Gebäude in Teilbereichen "stark geschädigt und durchfeuchtet ist". Für die künftigen Außenfassaden sieht der Planer "eine solide Altstadt-Gestaltung" vor. Für den "richtigen Pfiff" ließe sich mit den Wohnbereichen sorgen. Das Objekt habe das Potenzial zu einem "Alleinstellungsmerkmal für Wohnen im Denkmal".
Zwei Möglichkeiten rückten beim Rotkreuzhaus in den Fokus: Wohnungen und Dienstleistung/Büro im Erdgeschoss sowie Wohnungen im ersten und zweiten Stock. Die vorgesehenen neun Wohnbereiche variieren zwischen Größen von 34 bis 92 Quadratmetern, für die Dienstleistungsnutzung im Erdgeschoss wird mit 280 Quadratmetern kalkuliert. Die gesamte Nutzfläche betrage rund 1000 Quadratmeter einschließlich der Spitalkirche.
Mit Freisitz
Eine sorgsame Vorgehensweise empfahl Michael Kühnlein beim Hösl-Anwesen am Jobplatz, dass "durch Eingriffe sehr schnell an Charme verlieren" könne. Auf einer Gesamtfläche von 270 Quadratmetern schlägt die Studie unter anderem eine gastronomische Nutzung und/oder eine Büronutzung vor. Für das Obergeschoss sei ein weiteres Büro denkbar oder eine Wohnung, die kombiniert mit der Bürofläche im Erdgeschoss genutzt wird. "Kein Restaurant, sondern ein Café", präzisierte der Planer den Gastro-Vorschlag, eine bisher zugebaute Fläche könnte dafür zum Freisitz umgestaltet werden.
Als "notwendig und richtig, um Interessenten für die Altstadt zu gewinnen", sah der städtische Sanierungsbeauftragte Theo Männer die Machbarkeitsstudien an und sprach den Erstellern ein Kompliment aus. Fast schon "verwirrt" habe ihn, wie sorgfältig bei den Untersuchungen mit den denkmalpflegerischen Details umgegangen wurde - "das würde ich mir für die geplante Rathaussanierung auch wünschen".
Hauptstraße 55,57/Im Bleihof 1: Büroeinheit mit 105 Quadratmetern im Erdgeschoss Hirschenwirt-Anwesen, 13 Wohnungen zwischen 50 und 130 Quadratmetern; Loft-Wohnungen auf zwei Etagen im Ökonomie-Teil zur Wassergasse hin; Erschließung über Zugänge von der Hauptstraße über Treppenhaus und neuen Aufzug; Laubengang im Innenhof; erwartete Gesamtkosten: rund 6,5 Millionen Euro.
Hauptstraße 1,3: Im Rotkreuz-Haus (erster Stock) Wohnung mit 86 Quadratmetern und vier kleinere Wohnungen mit 34 bis 64 Quadratmetern sowie (zweiter Stock) Wohnung mit 92 Quadratmetern und drei kleineren Wohnungen mit 41 bis 64 Quadratmetern; Innenhof mit fünf Stellplätzen; erwartete Gesamtkosten: 2,8 Millionen Euro, Sanierung Spitalkirche (derzeit nicht notwendig) 340 000 Euro.
Jobplatz 2,4: Café (130 Quadratmeter) und/oder Büro (90 oder 96 Quadratmeter) im Erdgeschoss; im Obergeschoss weiteres Büro (107 Quadratmetern) oder Wohnung mit 95 Quadratmetern (kombiniert mit Büro im Erdgeschoss); der zugemauerte Innenhof soll geöffnet und genutzt werden; erwartete Gesamtkosten: rund eine Million Euro. (mp)














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