14.04.2019 - 10:40 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Wiener Grant, Marke Hader

Josef Hader gibt in der Schwarzachtalhalle seine Visitenkarte ab und reißt im voll besetzten Haus das begeisterte Publikum mit. Als Hausaufgabe gibt's jede Menge Denkanstöße.

Mit zwei Stunden frechem Humor, beißendem Schmäh und Schenkelklopfern begeisterte der Kabarettist Josef Hader das Neunburger Publikum mit „Hader spielt Hader“.
von Udo WeißProfil

Zwei Stunden frecher Humor und beißender Schmäh: Das ist "Hader spielt Hader" in der Schwarzachtalhalle. Und doch hat sich das Publikum am Ende des Abends gefragt: "Was hat er eigentlich gesagt?" Der Österreicher Josef Hader ist Kabarettist, Schauspieler, Regisseur und Autor. Er zählt zu den bekanntesten und populärsten Kabarettisten Österreichs und hat eine riesige Fangemeinde, was auch in Neunburg deutlich wurde.

Aus seinen letzten fünf Programmen hat Hader Teile herausgenommen und sie mit seinen kritischen Liedern wie das von der "Topfpflanze" oder "So ist das Leben" gewürzt. Das Musikalische, das der Künstler "so verbrochen hat", wie er sagt, begleitet er auf dem E-Piano. Haders Sätze scheinen ihm gerade erst eingefallen zu sein. Weit gefehlt. Dahinter verbergen sich messerscharfe, knallharte Themen. Er fängt mit einem Satz an, macht plötzlich eine Kehrtwende und endet ganz wo anders. Komisch, bitterböse und albern, aber eben vor allem hochintelligent und brillant verblüfft er sein Publikum.

Grenzen der Philosophie

Hader springt scheinbar willkürlich von einem Thema zum anderen, hat aber einen festen Leitfaden und zwingt seine Zuhörer, seinen teilweise abstrusen Gedankengängen zu folgen. Gedanken baut er überdimensioniert bis ins Absurde aus - und lässt dann diese Gedankengebäude zusammenfallen wie Kartenhäuser oder dreht alles schlicht ins Gegenteil.

Dabei verschont er niemanden und nichts, selbst das Publikum und er selbst bekommen ihr Fett ab. Ernstes Thema sei der "Humanismus", "gerade hier in Ostdeutschland". Die Lacher sind auf seiner Seite. Jeder habe seinen eigenen Humanismus, wenn er zum Beispiel biologisches Gemüse kaufe, um die Zukunft der Kinder zu sichern. "Die Gier bringt uns um", so sein Statement, das er mit der Aussage "I brauch ned vüll, nur a paar Trüffel und an Barolo", bekräftigt. "Beruflich über Leichen gehen, aber immer mit Bioresonanz", wirft er der Welt vor.

Die Grenzen der Philosophie zeigt er mit Sokrates und Plato auf. Die beiden hätten den Humanismus erfunden, damit die kommenden Jahrhunderte menschlicher werden. Auf der "Agora" hätten sie Kaffee geschlürft und die Tassen über die Schulter geworfen. Deshalb finde man heute in Griechenland so viele alte Scherben.

Fakten tanzen

Die Frage, "Was ist gesund am französischen Lebensstil", beantwortet er mit "Wein saufen und unfreundlich sein". Die Unfreundlichsten seien allerdings die Wiener, da müsste das Herzinfarktrisiko bei Null liegen. "Vorurteile", erzählt er, "sind gelebte Erfahrung." So etwa, dass alle Tiere dumm sind. Am dümmsten seien die Katzen, das fehlende Bindeglied zwischen Pflanzen- und Tierwelt: "Laufendes Gemüse mit Schwanz." Intelligent dagegen seien die Bienen: "Sie tanzen sich die Fakten vor." Hader spielt das ganz normale Leben, eher den Lebenswahnsinn: Was unreflektiertes Handeln anrichtet, dass Klischees zu siebzig Prozent der Wahrheit entsprechen und dass Kabarettisten an allem schuld sind.

"Die schlimmsten Katastrophen san passiert, wenn jemand woaß, dass er nix woaß", so seine Erkenntnis und damit lässt sich dann doch so etwas wie ein "roter Faden" in seinem Programm erkennen: Die große Weltsicht des Josef Hader, schrullig, grantelnd, mit brillantem notorischem Nörgeln gewürzt. Nach knapp zwei Stunden und einigen Zugaben, die er auf seinem Keyboard begleitet, verabschiedet er sich unter Applaus vom begeisterten Publikum.

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