Fluchttunnel unter Neunkirchener Friedhof

Die Kirche in Neunkirchen birgt auch für die Alteingessenen noch einige Überraschungen. Eine von ihnen ist ein 1000 Jahre alter Fluchttunnel, der unter der Kirche beginnt.

Der Tunnel erstreckt sich quer unter dem heutigem Friedhof.
von Redaktion ONETZProfil

Etwa 150 Gigabyte Scannerdaten und 134 Referenzpunkte sammelten David Hofmeister und Katharina Ernstberger für ihre Bachelorarbeit. Sie bilden ein 3D-Bild eines mittelalterlichen Fluchttunnels. Seit Mai tüfteln die beiden Studenten der Vermessung und Geoinformatik an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, an der Messung. "Leider gibt es keine Aufzeichnungen mehr zu diesem Tunnel", erklärt Michael Kraus vom Amt für ländliche Entwicklung in Tirschenreuth, der die Arbeit betreut. "Eine Theorie ist jedoch, dass der Tunnel gebaut wurde, als die Ungarn Süddeutschland bedroht haben."

Mit gerade einmal 70 Zentimetern Breite und einer Höhe zwischen 1,40 Metern und 1,70 Metern sei der Tunnel sehr beengt. Er verläuft aus dem Keller der Kirche in Schlangenlinien (damit der Feind kein Schussfeld hat), nach Osten unter dem Friedhof Richtung "Weingässchen". "Auch damals dachten die Menschen schon an Entwässerung. Eine etwa 30 Zentimeter tiefe Rinne läuft in der Mitte des Tunnels; damit man auf der Flucht vor den Ungarn auch keine nassen Füße bekommt", scherzt Kraus. "Leider handelt es sich inzwischen um einen 'Blindtunnel', das heißt, er hat keinen Ausgang mehr, da nach etwa 37 Metern der Tunnel Rohren weichen musste", sagt der Vermessungsingenieur. "Der Teil, der von Osten her zu der Blockade verläuft, steht unter Wasser"

Am Freitag haben die Studenten nun das Areal oberirdisch abgesteckt. "Eigentlich wollten wir das nur für ein Foto für die Arbeit machen. Der Pfarrer Andreas Ruhs bat uns aber, die Stäbe stehen zu lassen", lässt der Neunkirchener Kraus wissen. "Er möchte so den Bewohnern ein Stück der Geschichte des Ortes verbildlichen."

Zur Thema der Arbeit kamen der Weidener Student und die Münchenreuther Studentin über das Amt für ländliche Entwicklung. Kraus, der selbst im Kirchenvorstand der Gemeinde ist, bat es über seine Arbeit an. Er ist froh, dass sich zwei junge Menschen aus der Region für regionale Geschichte interessieren. Der letzte Schritt in der Arbeit der beiden Studenten wird es sein, die gesammelten Daten aus ihrem so genannten "tachymetrischen Festpunktfeld" zu einem 3D-Modell zusammenzufügen. Das fertige Modell wollen sie der Pfarrgemeinde, sowie dem Tourismusamt in Weiden zur Verfügung stellen.

Das oberirdische Abstecken des Tunnels dauert etwa zwei Stunden für (von links) Michael Kraus, David Hofmeister und Katharina Ernstberger.

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