Stromtrasse: Bündnis-Sprecherin ruft Neunkirchener zum Protest auf

„Empört euch“, fordert Dörte Hamann die Neunkirchener zum Widerstand auf. Es sei keinesfalls zu spät, um die Stromtrassen zu verhindern, die das Dorf in die Zange nehmen könnten. „Gegen den Willen der Bevölkerung wird keine Trasse gebaut.“

Das Pfarrgemeindehaus ist überfüllt, die Zuhörer stehen sogar vor den Türen im Freien, um zu hören, was die Vertreter verschiedener Initiativen gegen die Stromtrassen (im Bild rechts Josef Langgärtner) zu sagen haben.
von Gabi EichlProfil

Die Sprecherin des Aktionsbündnisses gegen die Süd-Ost-Trasse aus Leinburg bei Nürnberg weiß, wovon sie spricht. Ihr Bündnis hat bereits eine Wechselstromtrasse zwischen dem Nürnberger Land und Coburg verhindert. Zusammen mit dem Sprecher der Neustädter und Weidener Bürgerinitiative gegen die Monstertrasse, dem Parksteiner Elektroingenieur Josef Langgärtner, ruft Hamann im überfüllten Pfarrgemeindehaus zum Protest auf und benutzt bewusst den Buchtitel des französischen Widerstandskämpfers Stéphane Hessel „Empört Euch“.

Dorf in der Stromzange

Die Neunkirchener scheinen noch etwas ratlos zu sein. Die Elternbeiräte des Kindergartens und der Montessori-Schule haben die Veranstaltung organisiert, weil ihnen kurz vor Einwendungsschluss zum Ersatzneubau des Ostbayernrings am 5. Juli aufgefallen ist, dass das Dorf von diesem neuen Ostbayernring und dem Süd-Ost-Link regelrecht in die Zange genommen werden könnte, wie der Montessori-Elternbeiratsvorsitzende Moritz Nickl sagt.

Josef Langgärtner wirft dem Betreiber Tennet ein gezieltes Verwirrspiel vor durch die Vermischung verschiedener Trassenprojekte. Der Ostbayernring diene langfristig nur dazu, Atom- und Kohlestrom aus Tschechien nach Bayern zu transportieren, während der Süd-Ost-Link seinen Ausgangspunkt in Braunkohlerevieren habe, wo es aktuell noch keinerlei Windkraftanlagen gebe. Überhaupt reiche die Windkraftproduktion in den nördlichen Bundesländern aktuell gerade einmal, um etwas mehr als die Hälfte des Strombedarfs dort zu decken. „Was wollen die uns überhaupt schicken?“ Langgärtner wirbt wie schon viele Male anderswo im Landkreis und in der Stadt Weiden für eine dezentrale Energieversorgung anstelle einzelner großer Trassen.

Trassen als Renditeobjekte

Den Worten Hamanns zufolge lehnen Energiewende-Befürworter, „die den Durchblick haben“, durchweg große Trassen ab. Es sei ein Kampf der Energiekonzerne gegen die Bürgerenergie, der Trassenbau somit die Gretchenfrage der Energiewende. Zudem fielen die aktuell diskutierten Trassen vollkommen aus der Zeit, da sie zu Zeiten geplant worden seien, als noch niemand von einer Energiewende sprach. Letztlich sei den Trassenbetreibern jedoch vollkommen gleichgültig, ob die Trassen jemals gebaut würden, solange die Projekte großartige Renditeobjekte seien. Selbst Tennet investiere inzwischen in Stromspeicherlösungen für den Fall, dass einmal mit den Trassen nichts mehr zu verdienen sei.

"Tennet-Vertreter lachen"

Zu der von CSU-Politikern ins Spiel gebrachten Autobahn-Variante, also der Verlegung der Trasse unmittelbar an die Autobahn, sagt Hamann, sowohl Bundesnetzagentur wie auch Tennet lehnten diese Variante ganz klar als technisch unmöglich ab. Unbegreiflich sei, warum CSU-Politiker damit immer noch hausieren gingen, während Tennet-Vertreter darüber lachten.

Zu den Auswirkungen solcher Trassen auf die Gesundheit gebe es derzeit noch keine Studien, da es Trassen in dieser Größenordnung in dicht besiedelten Gebieten nirgendwo gebe. „Das ist ein Experiment über unseren Köpfen.“

Auf die Frage aus dem Publikum, was man tun könne, um seinem Protest Ausdruck zu geben, empfiehlt Hamann, auf die Straße zu gehen, die Abgeordneten vor Ort anzusprechen. „Fundamentaler Widerstand wirkt.“

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