"Verkündet die frohe Botschaft im Notfall mit Worten"

"Ein Neunkirchener, aus dem etwas geworden ist": So kündigt Peter Schönberger, Vorsitzender der KEB Neustadt/Weiden, Thomas Andonie an. Der 28-Jährige ist Vorsitzender des Bundes der katholischen Jugend und kommt dabei dem Papst ganz nah.

Thomas Andonie präsentiert bei einem Vortrag im katholischen Pfarrgemeindehaus St. Dionysius in Neunkirchen bei Weiden seine Erlebnisse bei der Jugendsynode in Rom 2018.
von Redaktion ONETZProfil

In seinem Vortrag "Kirche - glaubhaft oder uncool?" im katholischen Pfarrgemeindehaus St. Dionysius in Neunkirchen bei Weiden gibt Thomas Andonie am Dienstag einen Einblick in die Jugendsynode in Rom. Die erlebte er selbst hautnah mit - Smalltalk mit dem Papst inklusive. Eingeladen hatte die katholische Erwachsenenbildung Katholische Erwachsenenbildung Kreis Neustadt und Stadt Weiden.

"Was beschäftigt junge Menschen heute? Woran glauben sie? Und wie kann die Kirche sie bei einem gelingenden (Glaubens-)Leben unterstützen?": Mit diesen Fragen beschäftige sich die Synode im Oktober 2018 im Vatikan. Zum ersten Mal sei es auch ums Zuhören gegangen, erklärt Andonie "Das war wirklich ein Wendepunkt in der Kirche, dass man junge Menschen zu Wort kommen lässt und emotional diskutiert." Dem Papst seien vor allem die jungen Gläubigen besonders wichtig. "Er hat uns allen die Hand gegeben und persönlich begrüßt", erzählte der 28-Jährige. "Der Papst hat sich sogar an mich erinnert und gefragt, wie es in Deutschland läuft."

Als einer von insgesamt 49 Gasthörern war Andonie an "vorderster Front" mit dabei und machte von seinem Rederecht gebrauch. Dabei kassierte er aber nicht nur Beifall. "Ich habe mehrere schwierige Themen angesprochen", erklärt Andonie den gut 40 Zuhörern am Dienstag. In den vier Minuten Redezeit nahm er kein Blatt vor den Mund. "Zum einen ging es mir um das Thema der sexualisierten Gewalt in den Kirchen. Die hat das Vertrauen in die Kirche gestört und das intime Verhältnis zwischen Seelsorger und Gläubigen angegriffen." Das sei auch ein Problem in der Jugendarbeit. Andonie sei damit konfrontiert, dass Eltern ihre Kinder aus Angst vor Übergriffen nicht mehr an kirchlichen Gruppen teilhaben lassen.

Auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Kirche sprach der 28-Jährige an. "Ein wichtiger Punkt für mich ist auch gutes Personal in der Kirche, egal ob männlich oder weiblich. Es gibt immer wieder Prediger, bei denen man einschläft oder Seelsorger, denen es egal ist, wie es einem geht", erklärt Andonie. Die Probleme beginnen hier schon in der Ausbildung. Zuletzt forderte der Neunkirchener die klerikalistische Strukturen aufzuheben und die Machtverhältnisse zu überdenken. "Ich habe hier nicht nur meine Meinung vertreten, sondern die der 660 000 Jugendlichen aus 17 katholischen Jugendverbänden."

Themen, die in Deutschland eine wichtige Rolle spielen, seien aber in anderen Ländern durchaus unbedeutend. "Ein Jugendlicher aus Syrien interessiert sich nicht für die Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche. Er braucht erst einmal Frieden. Einer hat erzählt, er weiß nicht, ob seine Freunde noch leben, wenn er aus der Messe kommt", erinnert sich Andonie. Eine junge Frau aus Syrien wünsche sich ebenfalls nur Frieden. "Sie hat bereits drei Kriege erlebt. Das ist für uns unvorstellbar." Ein Mann aus Saudi-Arabien habe erzählt, dass für ihn jeder Messebesuch mit dem Risiko verbunden ist, verhaftete zu werden. "Hier sieht man, wie wichtig es ist, die Kirche als geschützten Raum zu betrachten", sagt Andonie.

Im Abschlusspapier der Synode seien die Jünger von Emmaus und der damit verbundene Dreischritt "Wahrnehmen, Interpretieren, Wählen" das Leitmotiv. "Gott wirkt auch im Gewissen. Die Kirche sieht den Menschen als locus theologicus. Sie will von den jungen Menschen etwas mitnehmen", erklärt der ehemalige Kepler-Schüler. Die Kirche wolle sich zum ersten Mal auf Augenhöhe mit den jungen Menschen unterhalten. Um die "drei Knackpunkte" Digitalität, Flucht und Missbrauch anzupacken, fordert Andonie aber mehr als nur Gespräche. "Verkündet die frohe Botschaft im Notfall mit Worten! Eine Synode löst noch lange keine Probleme." Andonie wünscht sich eine gemeinsame und dezentrale Umsetzung und endlich eine Diskussionskultur, auch mit den Jugendlichen.

"Uns fehlt es an Ansprechpartnern", bestätigt Simon Hoffmann, Oberministrant der Pfarrei St. Dionysius, in der Diskussion im Anschluss an den Vortrag. "Wir versuchen schon seit langem einen Jugendgottesdienst zu organisieren, aber es klappt nicht." Andonie bestätigt dieses Problem. "Manchmal muss man den Geistlichen in Erinnerung rufen, dass Jugendliche mehr Unterstützung brauchen, da sie ja neben der Kirche vielleicht noch einem Hobby nachgehen und die Schule meistern müssen." Wichtig sei es, über Dinge zu sprechen, die das Leben ausmachen, sagt Andonie. "Es muss ja nicht in jedem Satz Jesus vorkommen, damit er katholisch ist."

Thomas Andonie präsentiert bei einem Vortrag im katholischen Pfarrgemeindehaus St. Dionysius in Neunkirchen bei Weiden seine Erlebnisse bei der Jugendsynode in Rom 2018.

Oberpfälzer mahnt Bischöfe und Papst Franziskus

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.