07.10.2018 - 17:57 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Oberpfälzer mahnt Bischöfe und Papst Franziskus

Vier Wochen beraten Papst Franziskus und die Bischöfe über das Thema Jugend. Als Zuhörer an der Synode nimmt auch Thomas Andonie aus Weiden teil. Er vertritt 660 000 katholische Jugendliche. Und: Andonie hat eine deutliche Mahnung.

Der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend BDKJ, der Weidener Thomas Andonie (links), und Bundespräses des BDKJ, Pfarrer Dirk Bingener (Mitte), übergeben in Rom tausende Postkarten von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen der Aktion "Post an den Papst" an Papst Franziskus bei einer Generalaudienz im Vorfeld der Jugendsynode.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Wenn Thomas Andonie spricht, hat sein Wort Gewicht. Der 27-jährige Weidener ist Vorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend und vertritt mehr als 660 000 junge Menschen, die sich hierzulande in katholischen Jugendverbänden engagieren. Das dürften auch die Bischöfe wissen, die bei der Weltsynode in Rom das Thema Jugend und Glaube beraten. Jugendliche sind die Kirche von Morgen - falls sie nicht von der Amtskirche vertrieben werden. Genau davor warnt der Weidener die Bischöfe, Ordensleute und Papst Franziskus.

"Jetzt zählen keine Worte mehr, es zählen nur noch Taten", sagte Andonie am Freitag in Rom mit Blick auf die nicht enden wollenden Berichte über Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Geistliche. In Deutschland hat die Bischofskonferenz erst vor zwei Wochen eine Studie vorgestellt, wonach knapp fünf Prozent aller Priester in den Diözesen von 1945 bis 2014 beschuldigt wurden, sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ausgeübt zu haben. Auch "in den USA, in Mexiko, in Australien, in Chile, überall ist es passiert und wir müssen davon ausgehen, dass es weiter passiert. Das ist eine Katastrophe", beklagte Andonie.

"Wenn die Kirche das Unrecht nicht entschlossen bekämpft und beendet, wird sie ihre Glaubwürdigkeit und das Vertrauen - besonders der jungen Menschen - nicht wiedererlangen", schrieb der BDKJ-Vorsitzende den Bischöfen ins Stammbuch: "Dann ist alles umsonst, was wir hier besprechen." Andonie forderte in seiner Rede vor der Synode die "klerikalistische Strukturen" aufzudecken. "Es geht nicht um Einzelfälle, das Problem liegt im System."

Frauen endlich beteiligen

Wenn die Kirche für junge Menschen attraktiv und authentisch sein wolle, dürfe sie "nicht weiterhin fünfzig Prozent der Bevölkerung von der Leitung der Kirche ausschließen", mahnte der Jugendvertreter. Mit der Frage der Leitung sei auch die Frage der Weihe verbunden. Mit Blick auf die Sexualmoral der Kirche machte Andonie deutlich, junge Menschen verstünden diese sehr gut. Sie würden aber als "getaufte und gefirmte Christen schlichtweg eine andere Auffassung" vertreten. Der BDKJ-Vorsitzende verweist darauf, dass Jugendlichen "Werte wie Treue und Verantwortung füreinander übrigens besonders wichtig" seien. Er mahnt, die Kirche müsse diese Lebenswirklichkeiten anerkennen, um neu ins Gespräch zu kommen.

Andonie ist seit Mai 2017 Vorsitzender des BDKJ. Mit den Bundesvorsitzenden Lisi Maier und Katharina Norpoth sowie Bundespräses Pfarrer Dirk Bingener bildet er das Leitungsteam des Dachverbands von 17 katholischen Verbänden. Von 2011 bis 2016 war Andonie BDKJ-Diözesanvorsitzender. In Rom vertritt das 27-jährige Mitglied der Kolpingjugend als Auditor (Zuhörer) die katholische Jugend. Der Weidener ist einer der 34 jungen Teilnehmer der Synode im Alter von 18 bis 29 Jahren. Die Bischofssynode begann am 3. Oktober und dauert bis zum 28. Oktober. Die Synode findet in Italienisch, Spanisch, Englisch, Portugiesisch, Französisch und Deutsch statt und wird simultan übersetzt. Als Auditor hat Andonie zwar kein Stimmrecht, aber er ist als Redner zugelassen und kann in den Kleingruppen, den "Circuli minori", mitdiskutieren. Diese sind in Sprachgruppen aufgeteilt, berichtet er. Der BDKJ-Vorsitzende nimmt an den Beratungen der Deutschen Gruppe teil.

Post an Papst Franziskus

Neben Andonie sind aus Deutschland bei der Synode unter anderem Julia Braband, vom Jugendkomitee der deutschen Abteilung des Lutherischen Weltbunds als ökumenischer Gast, sowie Kardinal Reinhard Marx (München), Bischof Stefan Oster (Passau) und der in Nördlingen geborene Prior der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, Frère Alois, dabei. Adonie wird vom kirchenpolitischen Referenten seines Verbandes begleitet und ab Mitte des Monats soll BDKJ-Bundespräses, Pfarrer Dirk Bingener den Weidener unterstützen. Beide hatten erst vor zwei Wochen mit Papst Franziskus gesprochen, als sie ihm die Postkarten der BDKJ-Aktion "Post an den Papst" mit den Anliegen junger Menschen aus Deutschland übergaben. Andonie setzt deshalb darauf, dass "Papst Franziskus mit der Weltkirche wirklich an der Lebensrealität junger Menschen interessiert ist und hier die Anliegen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen hören will".

Papst Franziskus (links) hat in der vergangenen Tagen jeden Teilnehmer der Jugendsynode im Vatikan mit Handschlag begrüßt, auch Thomas Andonie, den Bundesvorsitzenden des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) aus Weiden.

Die Rede des BDKJ-Vorsitzenden Thomas Andonie bei der Jugendsynode in Rom

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