11.09.2019 - 11:10 Uhr
NeusorgOberpfalz

Gut für Garten und Geflügel

Erwin Strama aus Neusorg ist Permakultur-Aktivist. Damit seine Ernte reich ist, stellt er seit fünf Jahren sogar die fruchtbare Erde selbst her. "Terra Preta" lässt das Gemüse nur so sprießen.

von Ulla Britta BaumerProfil

Erwin Strama geht barfuß durch seinen Garten. Ihm gehört auf der Anhöhe ein recht großes Stück Erde. Der Perma-Kulturaktivist lebt davon, rund ums Jahr. Das heißt jetzt nicht, dass er damit sein Geld verdient. Erwin Strama ist Unternehmensberater. Die Selbstständigkeit lässt ihm Freiraum für seine große Leidenschaft: Strama lebt autark im Einklang mit der Natur und den regionalen Ressourcen.

Sein großer Garten mit Treibhaus, Gemüsebeeten, Obstbäumen und Hühnerstall kommt ihm dabei entgegen. Hier wächst und gedeiht alles, was die Stramas zum Essen brauchen. Immer auf der Suche nach Verbesserungen im Sinne der Ökologie stellt Strama nun eigene "Terra Preta" (schwarze Indianererde) her. Das habe nichts mit natürlicher schwarzer Erde zu tun, erklärt der Permakultur-Aktivist. Das sei auch nicht seine Erfindung, lacht er auf die Frage, ob er ein Patent darauf habe.

Wenige Gerätschaften

Viel mehr geht "Terra Preta" zurück auf einen Fund im 16. Jahrhundert in Südamerika. Im Amazonasgebiet habe man eine große Menschenansiedlung entdeckt, die sehr reich war, erzählt er. Forschungen hätten ergeben, dass die Bevölkerung dank einer sehr fruchtbaren Erde gut gelebt hat. In Tontöpfen sei man dann auf "Terra Preta" gestoßen. Schwarze Indianererde: Was sehr mystisch klingt, kann man daheim selbst herstellen. Erwin Strama hat sich dafür wenige Gerätschaften angeschafft.

Als seine wichtigsten Partner bei der Erd-Produktion nennt er die Regenwürmer. "Ohne die geht nichts", sagt er lachend. Warum, davon später. Der 60-jährige Neusorger nimmt den Kompost mit nach draußen. Was er an nicht verwertbaren Gemüseresten gesammelt hat, kommt in einen von zwei Eimern, die ineinander gesteckt sind. "Die Eimer sollten gut abschließen", erklärt Strama. Mit einem dicken Ast zerstampft er den Kompost und streut pulverisierte Grillkohle darüber. Ganz normale Grillbriketts? "Ja", bestätigt der Neusorger die ungläubige Frage. "Aber bitte nicht im Supermarkt kaufen." Diese sei viel zu belastet, sagt er weiter und rät zu Grillkohle aus dem ökologischen Handel.

Strama schüttet die Grillkohle über den Kompost. Effektiver sei das Gesamtergebnis, so Strama, "wenn man als Grundsubstanz Sauerkrautsaft darüber gießt". Glücklich der, der auch den Saft selbst herstellt: Natürlich gibt es bei Strama ein Sauerkrautfass. Bei gleichmäßiger Temperatur würden sich nun Mikroorganismen ausbreiten, erklärt der passionierte Umweltschützer den Sinn der Sache. Den Vorgang kann man wiederholen, bis der Eimer voll ist. "Dann drei Wochen stehen lassen." Habe sich ein weißer Schimmel gebildet, sei "Terra Preta" fertig und man könne die Erde mit einer Schaufel spatentief ins Gemüsebeet oder im Treibhaus eingraben.

Stabilisator Holzkohle

Nun kommen die Regenwürmer ins Spiel. Die Holzkohle sei kein Düngemittel oder Pflanzennährstoff, räumt Strama Missverständnisse aus. Vielmehr sei sie ein Stabilisator, der Nährstoffe binde und Mikroorganismen ein breites Feld biete. "Wie ein Schwamm", weiß der Neusorger. Damit könnten Kleinstlebewesen die Abfälle, das Obstbaum-Schnittgut oder sogar Fäkalien in Humus umwandeln.

Strama stellt seine "Wundererde" seit fünf Jahren zur Eigennutzung her. Um noch unabhängiger zu werden, hat er sich einen kleinen "Kohlenmeiler" zugelegt. Auch einen solchen Ofen gibt es im schier unerschöpflichen Angebot des Welthandels. Strama hat ihn umgebaut zur Kohleherstellung. Ob sich tatsächlich wie behauptet wird, die alte Erde mit Hilfe von "Terra Preta" regenerieren könne, darüber hat Strama keine Studien. "Dafür ist der Zeitrahmen, in dem ich das betreibe, zu kurz."

Wer von der schwarzen Erde noch profitiert, sind die Hühner. Strama streicht die eigene Holzkohle auf das Kotbrett im Hühnerhaus. Das helfe gegen Krankheiten und die Tiere würden Teilchen aufpicken, was gut für ihre Gesundheit sei, sagt der Mann, der Erde selbst herstellt und barfuß ganz ohne Supermarkt durchs Leben kommt.

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