28.11.2019 - 10:20 Uhr
NeusorgOberpfalz

Gut für Garten und Hühner

Perma-Kulturaktivist und Unternehmensberater Erwin Strama lebt autark im Einklang mit der Natur. Immer auf der Suche nach ökologischen Verbesserungen stellt er "Terra Preta" her. Seine wichtigsten Partner dabei: die Regenwürmer.

von Ulla Britta BaumerProfil

Erwin Strama geht barfuß durch seinen Garten. Ihm gehört auf der Anhöhe ein recht großes Stück Erde. Der Perma-Kulturaktivist lebt davon, rund ums Jahr. Das heißt jetzt nicht, dass er damit sein Geld verdient.

Erwin Strama ist Unternehmensberater. Die Selbstständigkeit lässt ihm Freiraum für seine große Leidenschaft: Strama lebt autark im Einklang mit der Natur und den regionalen Ressourcen. Sein großer Garten mit Treibhaus, Gemüsebeeten, Obstbäumen und Hühnerstall kommt ihm dabei entgegen. Hier wächst und gedeiht alles, was die Stramas zum Essen brauchen.

Indianer-Erde

Immer auf der Suche nach Verbesserungen im Sinne der Ökologie stellt Strama eigene "Terra Preta", (schwarze Indianer-Erde) her. Das habe nichts mit natürlicher schwarzer Erde zu tun, erklärt der Permakultur-Aktivist. Das sei auch nicht seine Erfindung, erklärt er lachend auf die Frage, ob er ein Patent darauf habe. Viel mehr geht "Terra Preta" zurück auf einen Fund im 16. Jahrhundert in Südamerika.

Im Amazonasgebiet habe man eine große Menschenansiedlung entdeckt, die sehr reich war, erzählt er. Forschungen hätten ergeben, dass die Bevölkerung dank einer sehr fruchtbaren Erde gut gelebt hat. In Tontöpfen sei man dann auf "Terra Preta" gestoßen. Schwarze Indianer-Erde: Was sehr mystisch klingt, kann man daheim selbst herstellen. Erwin Strama hat sich dafür wenige Gerätschaften angeschafft.

Als seine wichtigsten Partner bei der Erd-Produktionen nennt er die Regenwürmer. "Ohne die geht nichts", sagt er lachend. Warum, davon später. Der 60-jährige Neusorger nimmt den Kompost mit nach draußen. Was er an nicht verwertbaren Gemüseresten gesammelt hat, kommt in einen von zwei Eimern, die ineinander gesteckt sind. "Die Eimer sollten gut abschließen", so Strama.

Sauerkrautsaft

Mit einem dicken Ast zerstampft Strama den Kompost und streut pulverisierte Grillkohle darüber. Ganz normale Grillbriketts? "Ja", bestätigt der Neusorger die ungläubige Frage. Er rät zu Grillkohle aus ökologischem Handel. Strama schüttet die Grillkohle über den Kompost. Effektiver sei das Gesamtergebnis, so Strama, "wenn man als Grundsubstanz Sauerkrautsaft darüber gießt." Glücklich der, der auch den Saft selbst herstellt: Natürlich gibt es bei Strama ein Sauerkrautfass.

Bei gleichmäßiger Temperatur würden sich nun Mikroorganismen ausbreiten, erklärt der passionierte Umweltschützer den Sinn der Sache. Den Vorgang kann man wiederholen, bis der Eimer voll ist. "Dann drei Wochen stehen lassen." Habe sich ein weißer Schimmel gebildet, sei "Terra Preta" fertig und man könne die Erde mit einer Schaufel spatentief ins Gemüsebeet oder im Treibhaus eingraben.

Nun kommen die Regenwürmer ins Spiel. Die Holzkohle sei kein Düngemittel oder Pflanzennährstoff, räumt Strama Missverständnisse aus. Vielmehr sei sie ein Stabilisator, der Nährstoffe binde und Mikroorganismen ein breites Feld biete. "Wie ein Schwamm." Damit könnten Kleinstlebewesen die Abfälle, das Obstbaum-Schnittgut oder sogar Fäkalien in Humus umwandeln.

Kleiner Kohlemeiler

Strama stellt seine "Wundererde" seit fünf Jahren zur Eigennutzung her. Um noch unabhängiger zu werden, hat er sich einen kleinen "Kohlemeiler" zugelegt. Wer das möchte - auch einen solchen gibt es im schier unerschöpflichen Angebot des Welthandels.

Ob sich tatsächlich - wie behauptet wird - die alte Erde mit Hilfe von "Terra Preta" regenerieren könne, dazu hat Strama keine Studien. "Dafür ist der Zeitrahmen, in dem ich das betreibe, zu kurz", sagt er. Wer von der schwarzen Erde noch profitiert, sind die Hühner. Strama streicht die Holzkohle auf das Kotbrett im Hühnerhaus. Das helfe gegen Krankheiten und die Tiere würden Teilchen aufpicken, was gut für ihre Gesundheit sei, sagt der Mann, der Erde selbst herstellt und barfuß ganz ohne Supermarkt durchs Leben kommt.

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