25.11.2019 - 13:16 Uhr
NeusorgOberpfalz

Lösungen für Straßenbauwerke gesucht

Zum Scoping Verfahren vor ziemlich genau zwei Monaten taten sich in Neusorg einige Fragen und Probleme auf bezüglich des elektrischen Ausbaus der Bahnstrecke, die den Ort durchschneidet.

von Oliver BecherProfil

Projektingenieur Alexander Schmidt verdeutlichte sowohl Probleme im Streckenabschnitt der Gemeinde als auch Lösungsansätze. Im Bahnstreckenbereich von Neusorg liegen derzeit fünf Berührungspunkte, für die man Lösungen finden muss beziehungsweise bereits gefunden wurden. Die Übersicht der Verkehrsanlagen im Gemeindegebiet umfassen zum einen die Straßenquerungsbrücke in Wernersreuth, die Eisenbahnbrücke über die Fichtelnaab, die Überquerung der Bahnstrecke im Ortseingangsbereich mit der Staatsstraße und den Bahnhof Neusorg.

Geschenk der Bahn

Die Straßenbrücke in Wernersreuth, die als Wirtschaftswegüberführung dient, liegt der Gemeinde Neusorg schon sehr lange am Herzen - war sie doch ein Geschenk der Bahn und bedarf einer dringenden Sanierung. Hier erklärte Schmidt, dass die aktuelle Breite von 3,30 Metern nicht mehr die Voraussetzungen erfülle. Darüber hinaus bedürfe es einer entsprechenden Erhöhung des Bauwerks für die Elektrifizierung.

Vorgesehen sei ein Neubau an gleicher Stelle mit entsprechendem Ausbau und der dadurch folgenden Aufhebung einer aktuellen Begrenzung von zwölf Tonnen. Allerdings seien die Straßenbaulastträger hier mit zwei unterschiedlichen Vorschriften- und Regelwerken konfrontiert, die aktuell nicht sicher entsprechende Ausbauvarianten von 4 oder 4,5 Meter Breite vorsehen.

Auch im Eisenbahnkreuzungsgesetz gebe es diesbezüglich unterschiedliche Auffassungen zur Kostenteilung. Schmidt verwies auf eine eventuelle Kostenteilung für Kommune und Bahn, ohne den aktuellen Fördersatz eines noch neu aufzulegenden Förderprogramms abzuwarten.

Hier hakte Dieter König (SPD) nach. Er sah die als einst großzügig geschenkte Brücke der Bahn nun doch als Klotz am Bein der Gemeinde. Wolle diese eine Sanierung, wäre das für die finanzielle Situation besser. Wolle jedoch die Bahn einen Neubau, müsse die Gemeinde auch hier entsprechend Mehrkosten tragen. "Wenn die Bahn einen Neubau will, soll sie ihn auch komplett zahlen", meinte König. Schmidt stellte einen Vorteilsausgleich der Bahn durch das neue Bauwerk dar.

Jedoch werde auch ein Abschlag für die Variante Sanierung erwägt, allerdings seien derzeit keine Förderungen für etwas anderes als einen Neubau sinnvoll. König gab zu verstehen, er wolle sich hier und jetzt nicht auf eine längeres Streitgespräch einlassen. Schmidt bat für Verständnis, dass dies aktuell noch nicht in Stein gemeißelte Lösungen seien, da man noch nicht wisse, ob eine Förderung komme, und wenn, in welchem Umfang.

Gemeinsamer Pfeiler

Als zweites Projekt stellte Schmidt die Überquerung der Fichtelnaab dar. "Hier wird das bestehende Bauwerk mit Oberleitungsanlagen ergänzt." Zudem würden in der Brückenmitte am Fundament aus Granitblöcken Halterungen für die Oberleitungsständer angebracht. Weitere bauliche Maßnahmen seien hier nicht vorgesehen.

Auch im Ortseingang von Neusorg habe man laut Schmidt eine Lösung für die Überquerung der Kreis- mit Einmündung in die Staatsstraße gefunden: Im diesem Bereich werde der Bahngleiskörper abgesenkt, um somit eine entsprechende Oberleitungsfreiheit herstellen zu können. Die Brücke an sich bleibe somit unberührt einzig die beiden Pfeiler am Straßenverlauf "An der Point" müssten laut Schmidt zu einem gemeinsamen Pfeiler verbunden werden.

Mit der Elektrifizierung käme auch eine Verstärkung des Güter- und Personenverkehrs. Aktuell sei bei der Effektivitätsprüfung geplant, Züge mit einer Länge von 740 Metern auf die Strecke Nürnberg-Schirnding zu senden. Das führe zu einem Eingriff in den Innerortsbereich am Bahnhof. Hier müsse das Überholgleis entsprechend verlängert werden. Dies könne gewährleistet werden, indem die Einfädelungsspur kurz hinter der Brücke über die Gleisanlagen beginne, sie komplett auf der Länge der Strecke entlang der Steinwaldstraße weiterführe und kurz vor der Bahnunterführung am Rewe-Markt wieder einfädle.

Auf der gesamten Länge sei eine Hangbefestigung mit Betonbauwerken und Stützen nötig. "Eingriffe in die östlich und westlich gelegenen Brückenbauwerke und Überführungen sind dadurch nicht nötig", versicherte Schmidt, ebenso im Bahnhofsbereich.

Als herausragendstes Projekt sehe man den Ausbau des Tunnels durch den Armannsberg. Hier stoße man wegen des zu geringen Tunnelquerschnitts rechts und links mit den Stromaufnehmern deutlich an die Tunnelwände, ebenso sei die Durchführung des Fahrstrom-Drahtes nicht möglich.

Untergrundbeschaffenheit, Aufbau und Innenwände befänden sich nach ersten Messungen und Proben in einem maroden und zum Teil nicht tragbaren Zustand. So seien die Verantwortlichen kurz zur Überlegung gekommen, einen Ersatztunnel durch das Gebiet bei Witzlasreuth zu bohren, was jedoch wegen entsprechender hydrologischer und naturschutzrechtlicher Gründe verworfen werden musste.

"Tunnel im Tunnel"-Prinzip

"Also bleibt nur die Möglichkeit einer Tunnelaufweitung mit dem Bauprinzip 'Tunnel im Tunnel'", erklärte Schmidt. Hier werde das Tunnelbauwerk durch "Bau unter rollendem Rad" bei laufendem Zugbetrieb vorgenommen. Durch den Einbau eines eingleisigen Hilfs-Tunnels könnten dann Züge fahren, während gleichzeitig gebaut wird. Eine etwaige Streckensperrung käme aufgrund der hohen Frequentierung der Strecke nicht infrage, erläuterte der Ingenieur. Durch die Bauvariante sei jedoch auch mit einer längeren Bauzeit zu rechnen.

Info:

Hintergrund

Marion Fink von der DB Netz AG zeigte, dass es jederzeit Einblick gebe unter bahnausbau-nordostbayern.de. Auch am Bahnhof in Marktredwitz sei man als Anlaufstelle donnerstags von 15 bis 18 Uhr vertreten. Darüber hinaus seien Informationsveranstaltungen im zweiten Quartal 2020 geplant. Hier sehe man eine solche Veranstaltung in der Nähe von Neusorg beheimatet.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.