05.10.2020 - 12:05 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Denkmal beschädigt: Steine aus Ringwall am Rauhen Kulm verschwunden

Es sind Steine verschwunden. Was zunächst unspektakulär klingt, ist eine ernste Sache. Denn es handelt sich dabei um Steine aus dem alten Ringwall am Rauhen Kulm, der unter Denkmalschutz steht. Die Denkmalschutzbehörde untersucht den Fall.

Die Reste des beschädigten Ringwalles am Fuße des Rauhen Kulms in der Nähe der Sitzgruppe am westlichen Aufstieg zum Turm.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Der Rauhe Kulm ist nicht nur ein beliebtes Wanderziel und Flora-Fauna-Habitat-Gebiet, sondern auch ein archäologisches Denkmal. Regelmäßig führt beispielsweise Professor Hans Losert von der Universität Bayreuth Ausgrabungen durch. Ein prägendes Merkmal am Kulm ist der teilweise erhaltene Ringwall. Doch nun scheint sich jemand an diesem Denkmal vergriffen zu haben.

Das Landesamt für Denkmalpflege ist im Juli darüber informiert worden, dass es Abbaggerungen gegeben habe. Einem kundigen Spaziergänger ist die ungewöhnliche Lücke im Ringwall aufgefallen. Seiner Einschätzung nach handelt es sich dabei um eine Menge, die nur maschinell bewegt werden kann. Auch Reifenspuren habe er vorgefunden.

"Nach einem Ortstermin konnte diese Information von unseren Mitarbeitern bestätigt werden. Der Vorfall wurde von unserem Haus an die zuständige Untere Denkmalschutzbehörde mit der Bitte um weitere Untersuchung der Angelegenheit gemeldet", schreibt das Landesamt in einer Stellungnahme. Bei den Steinen handelt es sich um vulkanische Basaltbrocken.

Angeblich sollen die Steine zum Kulmhaus transportiert worden sein, das von der Stadt gebaut wird und bald eröffnet werden soll. Bürgermeister Wolfgang Haberberger widerspricht diesen Gerüchten aber deutlich: "Ein Teil der Steine ist aus der Marktplatzsanierung und andere haben wir aus Scheckenhof geholt."

Über den Sachverhalt mit den verschwundenen Steinen aus dem Ringwall wisse er Bescheid. Er sei vom Landratsamt deswegen kontaktiert worden und auch mit dem Kreisheimatpfleger habe er bereits gesprochen. Er schließt aber nicht aus, dass jemand die Steine aus dem denkmalgeschützten Ringwall abtransportiert haben könnte.

Rauher Kulm weiterhin gesperrt: Arbeiten beginnen wohl im Oktober

Neustadt am Kulm

Das Landratsamt Neustadt/WN ist als Untere Denkmalschutzbehörde davon unterrichtet worden. "Uns ist die Angelegenheit mit den verschwundenen Steinen am Rauhen Kulm bekannt. Wir klären den Sachverhalt durch Anhörung verschiedener Stellen auf. Danach kann über das weitere Vorgehen entschieden werden", teilt die Pressestelle auf Nachfrage mit. Es handele sich dabei möglicherweise um eine Beschädigung von Denkmälern nach dem Denkmalschutzgesetz. "Um eine Aussage zum konkreten Verstoß treffen zu können, muss erst die Sachverhaltsermittlung abgeschlossen sein. Je nachdem wir die Angelegenheit an die Bußgeldstelle des Landratsamtes oder an die Staatsanwaltschaft weitergegeben", erklärt das Landratsamt.

Ob neben der Beschädigung eines Denkmals möglicherweise noch weitere Straftaten, wie zum Beispiel Diebstahl, vorliegen, werde von den zuständigen Stellen im weiteren Verfahren geprüft. Das Gebiet, auf dem der Ringwall steht, gehört den Bayerischen Staatsforsten.

Hintergrund:

Bodendenkmäler am Rauhen Kulm

Der Rauhe Kulm – der auch ein eingetragenes Geotop ist – beherbergt zwei eingetragene Bodendenkmäler:

- Höhensiedlungen der Frühbronzezeit, der Urnenfelderzeit und der Frühlatènezeit, vor- und frühgeschichtlicher Ringwall, mittelalterlicher Burgstall

- Vorgeschichtlicher Bestattungsplatz mit mindestens zwei Grabhügeln

Die Jahrtausende alte Befestigung der Siedlungen, die auch im Frühmittelalter weiter genutzt wurde, besteht aus einem mehrfach erhöhten Ringwall, der sehr gut erhalten und durch Wanderwege erschlossen ist.

Es handelt sich bei dem Wall nicht lediglich um eine Steinschüttung aus dem anstehenden Basalt, sondern er enthält in seinem Inneren Baustrukturen besagter Befestigungsanlage. Der Wall besteht aus dem Versturz einer im 9. Jahrhundert nach Christus erbauten Trockenmauer. Diese frühmittelalterliche Ringmauer hat einen keltischen Vorgänger, der in etwa den gleichen Verlauf einnimmt. Bei den Ausgrabungen wurde auch eine bis zu einem Meter hoch erhaltene Pfostenschlitzmauer der Frühlatènezeit festgestellt.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.