02.06.2020 - 12:44 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Mit Feuer und Flamme Gottes Botschaft verbreiten

Pfingsten ist der Geburtstag der christlichen Kirche. Der Heilige Geist und sein Wirken stehen im Mittelpunkt des Festes. Die Einführung von Andreas Walter ins Lektorenamt hätte deshalb zu keinem besseren Zeitpunkt stattfinden können.

Pfarrer Hartmut Klausfelder spricht dem neuen Lektor Andreas Walter den Segen für sein Amt zu.
von C. & W. RupprechtProfil

Im Mittelpunkt der Pfingstgottesdienste steht die biblische Geschichte von der Entsendung der Jünger. Diese sind an dem ursprünglich jüdischen Erntedankfest in einem Haus versammelt. Sie haben Angst - bis der Heilige Geist mitten unter den verängstigten Jüngern erscheint und ihnen dadurch wieder neue Kraft und Mut gibt.

Anschließend erteilt er ihnen den Auftrag, Gottes Wort in der ganzen Welt zu verbreiten. Die Jünger verlassen das Haus und erzählen allen Menschen in der Stadt von Jesus und Gottvater. Ein Wunder geschieht: Jeder versteht sie, egal welche Sprache er spricht. Denn die Jünger wurden vom Heiligen Geist berührt, der in Gemälden oft als Flamme dargestellt wird - so auch in einem der Deckengemälde in der Dreieinigkeitskirche.

Einen passenderen Rahmen hätte es für Andreas Walter im Gottesdienst nicht geben können: Denn er will auch von Gottes Wort berichten. An Pfingsten wurde ihm offiziell der Lektorendienst übertragen. Der 24-Jährige reiht sich damit als Jüngster in die Gruppe der Lektoren der Kirchengemeinde ein und übernimmt damit den Dienst der Verkündigung. Außer ihm sind Carla Knoben, Monika Klausfelder und Elke Köstler-Wolf in dieser Funktion tätig. Cheryl Frank erfüllt den Dienst an Gott als Prädikantin.

„Lektoren sind ein großer Schatz für die evangelische Kirche“, betonte Pfarrer Hartmut Klausfelder in seiner Ansprache. Denn wie auch in der katholischen Kirche gebe es immer weniger Pfarrer. In Urlaubszeiten werde es deshalb gerade in den Gebieten einer Diaspora, wie es rund um den Rauhen Kulm der Fall sei, schwierig, eine Vertretung zu finden, zumal es in jeder Kirchengemeinde noch weitere Filialkirchen gebe. Hier helfen die Lektoren und Prädikanten aus.

„Dies sind keine Gottesdienste zweiter Wahl“, machte der Pfarrer deutlich. Denn alle Elemente eines Gottesdienstes blieben erhalten. Der Lektor dürfe im Gegensatz zum Prädikanten jedoch kein Abendmahl einsetzen und schreibe auch seine Predigt nicht selbst. Sie werde ihm vom Gottesdienstinstitut in Nürnberg zur Verfügung gestellt, erklärte Klausfelder. Der Lektor ergänze sie nur mit aktuellen Beispielen aus der Kirchengemeinde.

Der Pfarrer verriet in seiner Ansprache, dass er und Walters Religionslehrer Pfarrer Dirk Grafe in dem neuen Lektoren einen Anwärter auf das Theologiestudium sahen. Denn der junge Mann habe sich seit Jahren in der Kirchengemeinde in den verschiedensten Aufgaben eingebracht und sich schon immer für Gottes Wort interessiert. Walter habe sich dann jedoch für den Lehrerberuf entschieden.

Das Angebot, die Ausbildung zum Lektor zu absolvieren, fiel dagegen auf fruchtbaren Boden. So wurde der 24-Jährige am Gottesdienstinstitut in Nürnberg angemeldet und absolvierte, auf sieben Monate verteilt, neben seinem Studium die intensive Ausbildung zum Lektor, die im Januar mit einer mündlichen Prüfung in Anwesenheit des Regionalbischofes von Nürnberg, Ark Nietsche, abgeschlossen wurde.

Bei der Übergabe der Ernennungsurkunde und des Geschenks der Kirchengemeinde – einer Ausgabe des Perikopenbuches, aus dem die Lesungen im Gottesdienst entnommen werden - dankte Klausfelder seinem „Schüler“ für seine Anstrengungen und die Übernahme des Lektorendienstes. Andreas Walter überraschte den Geistlichen mit seinem öffentlichen Dank an ihn. Denn Klausfelder habe den praktischen Teil der Ausbildung zum Lektor unter anderem mit vielen musikalischen Übungseinheiten begleitet, verriet der junge Mann.

In seiner Predigt verwies er auf das Deckengemälde über der Orgel, das die Pfingstgeschichte zeigt. Immer wieder verband er die Verkündigung und das Wort Gottes mit der aktuellen Situation und den mit der Coronakrise verbundenen Ängsten und Sorgen. Er brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass durch diese Krise ein neues Miteinander, eine neue Gemeinschaft der Menschen entstehen könne, und rief die Gläubigen auf, auch weiterhin „Feuer und Flamme“ zu sein und in Gottes Wort Rat und Hilfe zu suchen.

Die zahlreichen Gläubigen erbaten den Segen für Walter und sich selbst mit passenden Liedversen: „Komm heil‘ger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet und Segen schafft.“

Pfarrer Hartmut Klausfelder spricht dem neuen Lektor Andreas Walter den Segen für sein Amt zu.
Andreas Walter wird am Pfingstsonntag das Lektorenamt in der Evangelischen Dreieinigkeitskirche Neustadt am Kulm übertragen. Die Predigt und der Gottesdienst stehen unter dem Thema der Entsendung und des Heiligen Geistes, passend zur Pfingstgeschichte, die auch als Deckengemälde in der Kirche dargestellt ist.
Andreas Walter wird am Pfingstsonntag das Lektorenamt in der Evangelischen Dreieinigkeitskirche Neustadt am Kulm übertragen. Die Predigt und der Gottesdienst stehen unter dem Thema der Entsendung und des Heiligen Geistes, passend zur Pfingstgeschichte, die auch als Deckengemälde in der Kirche dargestellt ist.
Pfarrer Hartmut Klausfelder überreicht die Ernennungsurkunde und eine Ausgabe des Perikopenbuchs, dem Lektionar, aus dem die biblischen Lesungen in den Gottesdiensten gelesen werden.
Pfarrer Hartmut Klausfelder überreicht die Ernennungsurkunde und eine Ausgabe des Perikopenbuchs, dem Lektionar, aus dem die biblischen Lesungen in den Gottesdiensten gelesen werden.
Hintergrund:

Ablauf der Ausbildung zum Lektor

Beginn nach Zustimmung des Dekanats und Kirchenvorstands der betreffenden Kirchengemeinde. Anmeldung am Gottesdienstinstitut in Nürnberg zum Kurs mit 15 bis 20 Personen aller Altersgruppen aus ganz Bayern. Ausbildung in acht Modulen an acht Wochenenden verteilt auf ein Jahr oder Ausbildung in vier Modulen zu je vier Tagen verteilt auf sieben Monate. Praktische Übungseinheiten mit dem Betreuer in der eigenen Kirchengemeinde. Mündliche Prüfung, anschließend Übertragung des Lektorendienstes durch den Kirchenvorstand. Jährliche verpflichtende Fortbildung.

Hintergrund:

Ausbildungsinhalte für künftige Lektoren

Themen sind: Gemeindeaufbau und Kirchenjahr, Strukturen der Landeskirche, Rechte und Pflichten zum Amt des Lektors, Schriftverständnis, Liturgie und Predigt, biblisch-theologischer Grundkurs in Bezug auf das Alte und das Neue Testament, Grundlagen der Bekenntnisse in der evangelischen Kirche, Stimmbildung und Training des Sprechens vor einer Gruppe.

Obwohl die Tätigkeit als Lektor ein absolutes Ehrenamt ist und es dafür kein Honorar gibt, bestehen Wartelisten für die Ausbildung. Die Kosten dafür werden von der Landeskirche übernommen und zum Teil von der Kirchengemeinde getragen.

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