03.09.2021 - 11:51 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Das Geheimnis des Rauhen Kulms

Der Archäologieprofessor Dr. Hans Losert kennt sich mit dem Rauhen Kulm aus wie kein anderer. Der Wissenschaftler leitet dort die Ausgrabungen und erläutert bei einem Rundgang die wechselvolle Geschichte des markanten Berggipfels.

Der untere Ringwall, die erste Verteidigungsbefestigung am Fuße der Geröllhalde, war auch heuer wieder ein Schwerpunkt der Ausgrabungen. Dr. Hans Losert (rechst) berichtet, dass in diesem Bereich zwischen den angehäuften Vulkansteinen besonders viele Fundstücke entdeckt wurden.
von Autor OWProfil

Seit vielen Jahren leitet Dr. Hans Losert die archäologischen Grabungen in der Kulmregion und kennt die Geschichte hinter dem Rauhen Kulm genau: Vor circa 20 Millionen Jahren stieg aus Rissen in der Erdkruste über 1000 Grad heißes Magma aus dem Erdinneren empor. Beim Erstarren der Schmelze bildete sich ein Vulkanschlot. Die umliegenden weicheren Sandsteinschichten wurden im Laufe von Millionen Jahren abgetragen. Dr. Losert schätzt, dass das Gelände durch Erosion um circa 200 Meter vertieft wurde. Nachdem die umgebenden Gesteinsschichten erodiert waren, zerbrachen die freigelegten Basaltsäulen zu dem heute noch vorhandenen Trümmerfeld rund um den Gipfel.

Die dadurch entstandene, von weiten sichtbare Landmarke hat schon früh die Menschen angezogen. Bereits zur Jungsteinzeit (Neolithikum) war die Kulmregion bewohnt. Zeugnisse wie ein Teil eines Steinbeils oder Feuersteinspitzen, aber auch Fragmente von Keramik belegen dies. Reichliche und vor allem qualitätsvolle Funde gibt es auch aus dem ersten vorchristlichen Jahrtausend, der Zeit der Kelten. Ein bei früheren Grabungen gefundenes Opferbeil aus Bronze zeugt davon, dass dieser Berg auch in den religiösen Vorstellungen der damaligen Menschen eine Rolle gespielt hat. Bis zur Zeit Karls des Großen um 800 nach Christi gibt es keine Fundstücke. Zur Karolingerzeit bevölkerten meist Slawen die „Flednitzregion“, wie das Gebiet um dem Rauhen Kulm damals genannt wurde. Die Slawen haben dem Basaltberg auch den Namen gegeben: Das slawische Wort „Chulmu“ bedeutet „Berg oder Hügel“.

Unterhalb des Basaltfeldes ist der Kegel von einer Befestigungsanlage, dem Ringwall, umgeben. Dieser ist nur noch in Resten erhalten. Auf ihm umrundeten die Exkursionsteilnehmer mit Dr. Losert den Vulkankegel in westlicher Richtung. Was auffiel, war die Tatsache, dass hier der Wall oben flach und gut begehbar ist. „Wir befinden uns hier auf einem Industriedenkmal“, beschrieb Losert den Weg. Im späten 19. Jahrhundert wurde im östlichen Teil des Rauhen Kulms Basalt für den Eisenbahn- und Straßenbau abgebaut. Um das Material abtransportieren zu können, wurden Teile des Ringwalls eingeebnet und eine Rollbahn mit Loren geschaffen. Am Steinbruch angekommen, konnten die Teilnehmer an der Gesteinswand noch einige der aufsteigenden Basaltsäulen erkennen.

Wenige Meter weiter westlich liegt das jetzige Grabungsfeld der Archäologen. Der Grabungsleiter bekannte, dass heuer wegen des anhaltenden Regens nur wenig gearbeitet werden konnte. „Diese Stelle, wo der Ringwall durch den Basaltabbau unterbrochen wurde, gehört zu den ertragreichsten Fundorten hier am Rauhen Kulm“, erklärte der Wissenschaftler. In früheren Grabungen wurde hier eine Vielzahl von Keramikfragmenten der Bronze-, Urnenfelder-, Hallstatt- und Latènezeit sowie vom 8. bis 10. des nachchristlichen Jahrhunderts gefunden. Aber auch Schmuckstücke, Pfeilspitzen und Bruchstücke von Schlacken und verziegeltem Lehm wurden entdeckt. Letztere zeugen von einer frühen Metallverarbeitung.

An dieser für die Wissenschaftler sehr interessanten und aufschlussreichen Stelle erklärte der Experte den Aufbau der Befestigung. Beim Anlegen eines Grabungsschnittes hatten die Archäologen erkannt, dass im Inneren des Walls eine zweifrontige Mauer steckt. An der Außenseite hatten die früheren Erbauer diese durch eine schräge Rampe aus Basaltblöcken gesichert. Auf der Mauer befand sich ein hölzerner Laufgang mit Brustwehr, auf dem sich die Verteidiger schnell bewegen konnten. Die Abfolge der Wälle und Mauern ist heute schwer zu ermitteln, da ab dem 8. Jahrhundert eine gewaltige Burganlage entstand, die auch Steine früherer Wälle mit einbezog. Während der Ungarneinfälle im 10. Jahrhundert wurde die Wallanlage verstärkt. Die später gebaute Höhenburg wurde 1554 durch Truppen der Reichsstadt Nürnberg geschleift und zerstört.

Dass der Weg zur Burg äußerst beschwerlich war, bekamen die Teilnehmer zu spüren als Losert sie auf dem östlichen Steig durch die Basaltblockhalde zur oberen Toranlage führte. Das Nötigste für die Burgbewohner konnten damals nur Maultiere über diesen beschwerlichen Weg transportieren. Oben angekommen, genossen die Teilnehmer aber die herrliche Aussicht über die Kulmregion.

Beschädigter Ringwall am Rauhen Kulm wird rekonstruiert

Neustadt am Kulm
Als ein Industriedenkmal bezeichnet Losert (vorne, Mitte) den ehemaligen Steinbruch und den zur Rollbahn zum Steineabtransport umgewandelten Ringwall am östlichen Teil des Kulmkegels.
Am Ende der Führung zeigt der Grabungsleiter der Vorsitzenden des Fördervereins Käthe Pühl (rechts) einige der wenigen Fundstücke der diesjährigen Grabungsaktion. Neben Keramik aus der späten Bronzezeit fanden die Studenten eine Pfeilspitze aus Silex.
Hintergrund:

Der Rauhe Kulm

  • Circa 682 Meter hoch ragt der Rauhe Kulm, das Wahrzeichen der kleinsten Stadt in der Oberpfalz, neben Neustadt am Kulm empor.
  • Bei dem Basaltberg handelt es sich um einen Vulkan, der nie ausgebrochen ist.
  • Ein Aussichtsturm auf dem Gipfel des Berges bietet jährlich 10.000 Wanderern einen tollen Ausblick auf die Landschaft.

 

 

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