06.04.2021 - 14:52 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Immer noch Sperrungen am Rauhen Kulm

Zu Ostern nutzten viele Familien das schöne Wetter, um eine Wanderung zum wieder geöffneten Kulmgipfel zu unternehmen. Einige Wege durften sie nicht benützen. Das sorgte für Unmut.

von Autor OWProfil

Der Parkplatz am neuen Infozentrum nahm den Ansturm der Besucher gerade noch auf. Anhand der Autokennzeichen konnte man erkennen, dass nicht nur Besucher aus den umliegenden Landkreisen das Wahrzeichen von Neustadt am Kulm besteigen wollten, sondern auch viele Wanderer aus der weiteren Umgebung wie Nürnberg, Amberg und sogar aus München.

Ein Ausflügler aus Kulmbach erklärte, dass er den Rauhen Kulm als Geheimtipp von einem Bekannten erhalten hatte. Jetzt wollte er mit seiner Familie das schönste Naturdenkmal Deutschlands aus dem Jahre 2013 erkunden. Obwohl am Parkplatz richtig Enge herrschte, waren die weitläufigen Wanderwege nicht überfüllt und meistens achteten die Spaziergänger auch auf den richtigen Coronaabstand. Nur am engen Aufstieg bei der Basaltblockhalde gab es Stauungen bei Gegenverkehr. Durch ein Ausweichen auf die Basaltquader konnten entgegenkommende Wanderer in einem ausreichenden Abstand vorbeigelassen werden.

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Neustadt am Kulm

Oberhalb der Blockhalde, am ehemaligen oberen Tor der Burg zum Rauhen Kulm, gab es eine Überraschung. An dieser Stelle treffen sich vier Wege. Die meisten Besucher nutzen den Aufstieg über die Blockhalde von Westen, als Geheimtipp gilt der ehemalige Zugang zur Burg von der östlichen Seite. Dieser ist auch Teil des überregionalen Main-Mies-Wanderwegs. An der Mündung dieser beiden Aufstiege konnte der Besucher früher zwischen zwei Steigen zum Aussichtsturm wählen. Momentan ist nur der westliche Aufstieg begehbar. Der östliche Weg wurde durch quer über den Weg liegende gefällte Bäume unpassierbar gemacht. Doch einige Wanderer ließen sich davon nicht abhalten und kletterten über die Hindernisse.

Zweiter Aufstieg gesperrt

An diesem Kreuzungspunkt war auch erkennbar, warum es beim Aufstieg durch die Basalthalde zu der Behinderung kam. Der zweite Aufstieg, dem tausendjährigen Zugang zur ehemaligen Burg, war durch ein Schild gesperrt worden. Früher konnte man den Gipfel des Rauhen Kulms mittels eines Rundweges mit wenig Gegenverkehr erkunden. Durch die Sperrungen des östlichen Gipfelweges und des ehemaligen Zugangs zur Burg gibt es nur noch einen Weg nach oben und der Besucher muss auf dem gleichen Weg auch wieder absteigen.

Bei vielen Kulmkennern stößt diese Beschränkung auf Unverständnis. Besucher aus den benachbarten Gemeinden äußerten sich beim Osterausflug dementsprechend. Gerade in dieser Coronazeit, wo Urlaub in der Ferne nicht möglich ist, wird das Erholungsgebiet in der Nähe eingeschränkt.

Kritik an den Verantwortlichen übte auch der Neustädter Rudi Lang. „Hier wird widersprüchlich agiert“, argumentierte der pensionierte Lehrer. „Einerseits wird Tourismuswerbung für die Kulmregion mit dem Kloster Speinshart betrieben, andererseits werden die angelockten Touristen dann durch eine Sperrung wichtiger Wanderwege frustriert. Der Rauhe Kulm ist unser Wahrzeichen. Schon als Kinder freuten wir uns, wenn wir diesen Vulkankegel besteigen durften. Die touristische Attraktion der Region für mehr als ein halbes Jahr zu sperren, war ein Unding", so Lang. "Seit mehr als 200 Jahren hat der Rauhe Kulm eine touristische Bedeutung für die nördliche Oberpfalz. Bereits im Jahr 1807 errichtete Nicolaus Apel den ersten hölzernen Aussichtsturm auf dem erloschenen Vulkan. Seitdem erlebte unser Berg eine sehr wechselhafte touristische Geschichte. Nun spielt anscheinend der Naturschutz die wichtigste Rolle."

Scharfe Kritik

Und weiter kritisiert Lang: "Dafür sollen jetzt angeblich auch seit Jahrhunderten bestehende, altbewährte Wanderwege geschlossen werden. Übrigens war der Berg zu Zeiten der Höhenburg gar nicht bewaldet. Die Attraktion ist auch heute noch die einzigartige Basaltformation mit der Blockhalde und nicht die später angepflanzten Buchen, die auf dem unwirtlichen Gipfel um ihr Überleben kämpfen. Mit vielen ehrenamtlichen Stunden wurden in der Vergangenheit die Wanderwege von uns Neustädtern gepflegt und unterhalten. Infomaterial wurde gedruckt und Infotafeln aufgestellt. Jetzt wollen Auswärtige ohne Mitsprachgelegenheit der Ortsansässigen das Wandergebiet verändern. Das ist für einen Neustädter frustrierend“.

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