06.05.2021 - 11:25 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Marktplatz von Neustadt am Kulm gibt bei Bauarbeiten historische Geheimnisse preis

Die Sanierung des Marktplatzes in Neustadt am Kulm ist in vollem Gange. Bei den Erdarbeiten fördern die Bagger dabei immer wieder etwas Interessantes zutage. Nun wird es erneut historisch.

Bei Baggerarbeiten für die Versorgungsleitungen im Gehsteig wurde in der nordöstlichen Ecke des Markplatzes ein unteririscher Gang entdeckt. Bürgermeister Wolfgang Haberberger will diesen von dem Archäologen, der die Baumaßnahmen stets begleitet, untersuchen lassen.
von Autor OWProfil

Schon im vergangenen Jahr überwachte eine archäologische Grabungsfirma bei der Sanierung des Marktplatzes die Arbeiten für den neuen Regenwasserkanal in Neustadt am Kulm. Dabei wurden die Wissenschaftler auch fündig. Im Bereich der Holleslohe und am Unteren Tor konnten sie unterirdische Reste der alten Stadtmauer entdecken und dokumentierten. Später mussten die Baggerarbeiten entlang der Grünanlage westlich des Rathauses unterbrochen werden. Ein altes Sandsteinfundament, das dort zutage kam, untersuchten die Experten zunächst und kartierten es schließlich.

In diesem Bereich stand das ehemalige Rathaus von 1654. Es wurde am 19. April 1945 bei einem Luftangriff der Amerikaner zerstört. Ob das Fundament wirklich von dem Rathaus aus dem Jahre 1654 stammt, ist noch unklar. Alte Bilder zeigen, dass am Westgiebel die Zahl 1611 und am Ostgiebel die Zahl 1654 eingemeißelt war. Der Neustädter Heimatforscher Georg Miedel verfolgt die Theorie, dass es vor diesem Rathaus von 1654 schon ein früheres Gebäude gab. Es müsste um 1600 erbaut worden sein. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Neustadt im Jahre 1633 fast völlig in Schutt und Asche gelegt. Miedel vermutet, dass dieses erste Rathaus dabei ebenso zerstört wurde. Nur der Westgiebel mit der Inschrift 1611 überstand den Feuersturm. Bis zum Jahre 1654 bauten die Neustädter ihr Rathaus wieder auf und markierten diese Jahreszahl auf dem Ostgiebel.

Keller und unterirdische Gänge geben Rätsel auf

Zwei Firmen durchwühlen momentan mit ihren Baggern nun wieder den Markplatz. Während die Firma Richard Schulz aus Pfreimd im Auftrag des Staatlichen Bauamtes Amberg-Sulzbach die Ortsdurchfahrt der Kreisstraße NEW 14 erneuert, hat die Thüringische Firma Bauer im Auftrag der Stadt mit der Marktplatzsanierung begonnen. Schon bei der ersten Phase, der Verlegung verschiedener Versorgungsleitungen in den Gehsteigen, zeigten sich nun wieder Überbleibsel aus der wechselhaften Geschichte der Kulmstadt. An der nordöstlichen Ecke des Markplatzes stießen die Arbeiter auf einen bis jetzt noch nicht bekannten unteririschen Gang.

"Als Kinder durchforschten wir schon die Unterwelt unserer Heimatstadt. Einige dieser Keller waren lange Gänge, die eventuell als Fluchtweg angelegt waren. Ich kann mich an einen erinnern, der sogar unter der Stadtmauer hindurch ins Freie führte.“

Heimatforscher Georg Miedel

Unterirdische Gänge und Keller sind im Ortszentrum keine Seltenheit, wusste Miedel zu berichten. Einige stammen von ehemaligen Häusern, die bei mehreren Feuerbrünsten in der 650-jährigen Geschichte des Ortes zerstört wurden. „Als Kinder durchforschten wir schon die Unterwelt unserer Heimatstadt. Einige dieser Keller waren lange Gänge, die eventuell als Fluchtweg angelegt waren. Ich kann mich an einen erinnern, der sogar unter der Stadtmauer hindurch ins Freie führte“, verriet der Heimatforscher. Es gibt auch eine Sage, wonach die beiden Burgen auf den Kulmen durch einen unterirdischen Gang verbunden waren.

Unter der westlichen Grünanlage befinden sich auch zwei Keller. Südlich davon verlässt die Kreisstraße den Marktplatz und dort ist auch der Zugang zu den Kellern. „Hier wollten wir eigentlich die Kurve der Ausfahrt großzügig erweitern, denn sie stellt für große Fahrzeuge ein Hindernis dar“, erklärte Bürgermeister Wolfgang Haberberger. „Doch die Anlage ist denkmalgeschützt, und deshalb mussten wir den Kompromiss mit einer kleinen Kurvenverbreitung eingehen.“ Beim Gasthaus Schindler gibt es ebenfalls einen Keller, der sogar in den Marktplatz hineinragt. Dieser wird im Rahmen der Marktplatzsanierung mit einer Betonplatte zusätzlich gesichert. Es soll verhindert werden, dass das Kellergewölbe durch Schwerverkehr beschädigt wird.

Alte Wasserleitung gefunden

Bei den Ausschachtungen der Kreisstraße kamen auch Reste der alten hölzernen Wasserleitung von Neustadt am Kulm zutage. In früherer Zeit wurden Baumstämme längs durchbohrt und dann mittels Metallhülsen verbunden. In diesen Röhren floss frisches Brunnenwasser vom Rauhen Kulm durch den Brunnröhrenweg zum Marktplatz. Wahrscheinlich wurden damit auch die früher vorhandenen vier Marktplatzbrunnen gespeist. 1930 erhielt Neustadt eine neue Wasserleitung mit einem Tiefbrunnen. Dieser wurde gegenüber der Neumühle gebohrt. Er versorgte die Stadt ein halbes Jahrhundert lang mit Trinkwasser.

Arbeiten an der Kreisstraße in Neustadt am Kulm gehen zügig voran

Neustadt am Kulm
Früher wurde frisches Brunnenwasser in hölzernen Rohren vom Rauhen Kulm zum Markplatz geleitet. Bei den Baggerarbeiten für die Kreisstraße fanden die Bauarbeiter Reste dieser alten Wasserleitung.
Unter der westlichen Grünanlage befinden sich zwei Keller. Diese sind denkmalgeschützt. Deshalb kann in diesem Bereich die Kurve der Kreisstraße nicht verbreitert werden.
Der Heimatforscher Georg Miedel (rechts) kennt viele der Neustädter Keller und unterirdischen Gänge. Bei einer Begehung des Kellers unter der Grünanlage im westlichen Teil des Marktplatzes verriet er Bürgermeister Wolfgang Haberberger (links), dass es angeblich sogar einen Gang zwischen den beiden Burgen auf den Kulmen gegeben haben soll. Bis jetzt wurde dieser noch nicht entdeckt.

 

 

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