28.11.2018 - 13:29 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Ein Mix aus Abschied und Hoffnung

Was für katholische Christen Allerheiligen bedeutet, ist für evangelische Gläubige der Totensonntag. Dieser Tag trägt aber auch noch einen anderen Namen.

Der „Beerdigungschor“ unter der Leitung von Monika Brand umrahmte den Gottesdienst musikalisch.
von C. & W. RupprechtProfil

Manche kennen den letzten Sonntag vor dem Advent auch als "Ewigkeitssonntag". Den feierte die evangelische Kirchengemeinde am vergangenem Sonntag. Bei dem Totengedenken für die Verstorbenen des zu Ende gehenden Kirchenjahres würdigte Pfarrer Hartmut Klausfelder den Abschied und die Trauer, zeigte aber auch den Weg der Hoffnung mit Blick auf Jesus auf.

Wachsam sein

Bislang war die kirchliche Weisung so, dass Toten- und Ewigkeitssonntag getrennt gewürdigt werden sollten. Der Ewigkeitssonntag war als Aufruf zur Wachsamkeit zu verstehen - denn den Zeitpunkt von Jesu Wiederkehr auf Erden weiß niemand. Der Totensonntag wurde früher als "Gedenkstunde" am Nachmittag des gleichen Tages gewürdigt und diente dem Andenken der Verstorbenen. Nach der neuen Weisung sind beide Themen gleichberechtigt und jede Kirchengemeinde kann selbst entscheiden, welche Gewichtung der Gottesdienst bekommt.

In der Kulmstadt wurde der Gottesdienst am Totensonntag feierlich gestaltet. Der "Beerdigungschor" unter Leitung von Monika Brand umrahmte die Andacht sowie Predigt und unterstrich mit der Liedauswahl die Worte des Pfarrers: "Nehmt Abschied Brüder, ungewiss ist unsere Wiederkehr." Der Geistliche erklärte, dass der letzte Sonntag des Kirchenjahres bedeute, vom zurückliegenden Jahr Abschied zu nehmen. "Für viele ist er aber auch mit einem Abschied von lieben Menschen verbunden", betonte Klausfelder. Das Bewusstsein, keinen der Verstorbenen zurückholen zu können, löse Ohnmacht, Trauer und oft Verzweiflung aus. Er fügte aber auch die hoffnungsvollen Worte an, dass es eine Zukunft bei Gott gebe.

Symbol Tod

Pfarrer Klausfelder erläuterte dies mit Hilfe der Jahreslosung 2018. "Gott spricht: ,Ich will den Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst'." Dazu hatte jeder Gottesdienstbesucher ein Bild mit grünem Kreuz erhalten, aus dem Wassertropfen fließen, umgeben von einer hellen Sonne. Das Kreuz symbolisiert den Tod, das aber durch Jesus auch ein Symbol der Hoffnung auf Leben geworden ist. Das Wasser löscht den Durst auf Leben. Es wird die Quelle des Lebens, die Quelle lebendigen Wassers. Denn alle Christen glauben, dass durch Jesu Kreuzestod der Tod besiegt wurde.

Der Geistliche machte in der Predigt deutlich, dass es verschiedene Arten von Durst gebe. Nicht nur der körperliche Durst sei gemeint, sondern auch die Seele hat Durst nach Leben. Wenn man um einen lieben Angehörigen trauert, sei man oft innerlich leer und dürr. Alles sei trocken, man fühlt sich nicht lebendig. Durch Trauer, Verlust und Krisen des Lebens hätten alle Christen jedoch Hilfe. Jesus ist unser Begleiter, unsere Quelle - oder unser Zufluchtsort, wie der Chor mitteilte. Tränen bestehen ebenfalls aus Wasser und sind wichtig. "Wenn Tränen fließen, kommt etwas in Bewegung. Das Leben kann zurückkehren. Auch Jesus weinte im Garten Gethsemane, kurz vor seiner Verhaftung. Es ist gut, Tränen zuzulassen", betonte der Geistliche.

Trostspender

Anschließend wurden die Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres geehrt. Beginnend im Advent 2017 bis zur aktuellen Woche wurden die Namen verlesen und für jeden Verstorbenen eine Kerze entzündet. "Ich bin das Licht der Welt", hatte Jesus gesagt. Diesen Trost strahlte auch das Kerzenlicht aus. Die Kerzen und eine Taschentuchbox mit der Abbildung der Jahreslosung durfte jede Trauerfamilie als Trost- und Kraftspender mit nach Hause nehmen.

Am Ende betonte Klausfelder, dass Gott all seine Hilfe, seinen Trost, seine Liebe und Gnade umsonst gebe. Er erwarte nichts dafür. Dem Seelsorger war es gelungen, einen Bogen zu spannen. Er würdigte die Trauer der Hinterbliebenen und gab Hoffnung in der Dunkelheit und Dürre. Er integrierte aber auch den Gedanken der Wachsamkeit des Ewigkeitsonntags.

Der „Beerdigungschor“ unter der Leitung von Monika Brand umrahmte den Gottesdienst musikalisch.
Pfarrer Hartmut Klausfelder predigt von der Kanzel zum Totensonntag.
Ely Eibisch zündet für jeden Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres eine Kerze an.
Ely Eibisch zündet für jeden Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres eine Kerze an.
Auf dem Taufstein brennen die Kerzen für die Verstorbenen. Im Vordergrund brennt die Osterkerze
Info:

Seit dem 30-jährigen Krieg ist der Großteil in Bayern katholisch, dennoch gehören viele Christen dem evangelischen Glauben an. Auch sie geben verstorbenen Angehörigen und Freunden jährlich die Ehre und halten das Andenken hoch. Dies geschieht aber nicht an Allerheiligen am 1. November, sondern am letzten Sonntag im Kirchenjahr, was in der Regel auch der letzte Sonntag im November ist. In dem Gottesdienst an diesem Tag , der den Blick auf Jesus und die Verheißung auf das Erlangen des Himmelreiches lenkt, erfahren die Angehörigen Trost. beten Im Bewusstsein um die eigene Endlichkeit des Lebens beten die Hinterbliebene mit der Kirchengemeinde zu Gott und bitten, die Seelen der Verstorbenen in sein Himmelreich aufzunehmen. Die Namen der Verstorbenen werden verlesen und als Zeichen der Hoffnung wird für jeden Verstorbenen eine Kerze entzündet. Denn Jesus brachte mit seinem Kreuzestod das Licht der Hoffnung, das Licht der Verheißung in die Welt. Er sprach: „Ich bin das Licht der Welt!“

Pfarrer Hartmut Klausfelder erklärt zudem: „Früher wurde am Morgen im Gottesdienst dem Ewigkeitssonntag die Priorität eingeräumt. Das ist nicht das Gleiche wie der Totensonntag.“ So zielen Lesung und Predigt des Ewigkeitsonntages am Ende des Kirchenjahres auf die Wachsamkeit ab. Keiner weiß, wann die Stunde ist, in der Jesus wieder auf die Erde kommt und sein Reich errichtet. Man soll sich seiner eigenen Endlichkeit bewusst sein und das Leben auf Jesus hin ausrichten, also sein und sich auf Jesus’ Kommen vorbereiten. In der neuen Reform der evangelisch-lutherischen Kirche stehen Toten- und Ewigkeitssonntag aber gleichwertig nebeneinander. Das Totengedenken findet in einer Stunde der Besinnung am Nachmittag statt und Jedem Grundgedanken wird ein eigener Wochenspruch zugeordnet.hat im Gottesdienst seinen Platz gefunden. Dies sei laut Klausfelder ein bewegender Gottesdienst für Angehörigen, da sie den Verlust noch einmal erleben. „An diesem Sonntag würde ich mich nie vertreten lassen. Ich weiß, dass ich als Seelsorger gebraucht werde.“ Wie katholische Christen besuchen auch die evangelischen das Grab der Verstorbenen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.