01.10.2021 - 12:16 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Rekonstruktion des Ringwalls am Rauhen Kulm abgeschlossen

Die Lücke ist geschlossen, der Ringwall wieder komplett: Die Rekonstruktion des Bodendenkmals am Rauhen Kulm ist erfolgt. Das Verfahren gegen den Verursacher der Schäden daran läuft dagegen weiterhin.

Der Ringwall am Rauhen Kulm ist wieder aufgebaut. Die Untere Denkmalschutzbehörde am Landratsamt Neustadt/WN hatte nach der Beschädigung des Bodendenkmals dem Verursacher "die Wiederherstellung des vorherigen Zustands" zur Auflage gemacht.
von Anita Reichenberger Kontakt Profil

"Ich denke, es schaut ganz gut aus", erklärt Dr. Hans Losert. "Wir haben die Stelle, die beschädigt war, vermessen, dokumentiert und wieder rekonstruiert – nach allen Regeln der Archäologie."

Im Juli vergangenen Jahres war das Landesamt für Denkmalschutz von Abbaggerungen am unteren Ringwall am Rauhen Kulm in Kenntnis gesetzt worden. Entdeckt hatte die ungewöhnliche Lücke in dem archäologischen Denkmal ein Spaziergänger. Aus dem Wall waren vulkanische Basaltbrocken in großer Zahl entnommen worden.

Seitdem beschäftigt sich die Untere Denkmalschutzbehörde am Landratsamt Neustadt/WN mit dem Vorfall. Sie hat "die Wiederherstellung des vorherigen Zustands" angeordnet. Diese obliegt zwar dem Verursacher, der auch die Kosten dafür tragen muss, allerdings hat die Rekonstruktion unter Aufsicht eines Experten zu erfolgen.

Losert ist dafür prädestiniert: Der Privatdozent von der Universität Bamberg nimmt seit Jahren im August mit Studenten Ausgrabungen am Rauhen Kulm vor – so auch diesen Sommer. In der letzten Augustwoche widmete er sich diesmal zusammen mit freiberuflichen Technikern, "die sich mit Vermessung und Dokumentation auskennen", der Schadensbehebung am Ringwall.

Vier Tage Arbeit

Rund vier Tage dauerten die Arbeiten daran. "Wir waren zu Dritt, teilweise auch nur zu Zweit damit beschäftigt", informiert der Archäologe. Für die Auffüllung benötigt worden seien "einige Kubikmeter" Steine. Diese stammten "aus einem Bereich, für den die Erlaubnis" zur Entnahme vorgelegen habe: gelegen im Norden des Rauhen Kulmes – "dort läuft er schon in die Ebene über" – und "nicht denkmalgeschützt". Zum Ringwall transportiert worden seien die vulkanischen Basaltbrocken mit einem Radlader.

Repariert werden musste dort ein knapp vier mal vier Meter großer Abschnitt. Insgesamt habe es sich um etwa 15 Quadratmeter gehandelt, teilt Losert mit. Der Ringwall sei an dieser Stelle – "das ist ganz genau die Westseite" – "gar nicht sehr hoch": "von innen gemessen einen halben Meter, von außen eineinhalb Meter", erläutert er. "An anderer Stelle ist er wesentlich höher ausgeprägt und damit auch besser erkennbar."

Der Grund ist dem Archäologen bekannt: "In dem Bereich fanden um das Jahr 1910 die Kulmfestspiele statt." Dafür sei "etliches verändert" worden. Was konkret, "wissen wir leider nicht genau". Nur so viel kann Losert dazu sagen: "Der Originalzustand ist dort offenbar nicht mehr erhalten oder zumindest beeinträchtigt."

Ersatzsteine "aufgeschichtet"

Bei der Rekonstruktion seien die Ersatzsteine "aufgeschichtet" und so die Lücke gefüllt worden. "Es waren keine Baustrukturen zu erkennen", so dass davon auszugehen sei, dass "der Wall nur geschüttet war". Für eine genaue Untersuchung, wie der Ringwall im unteren Bereich beschaffen sei, hätte man diesen "weiter zerstören müssen". Und das "wäre kontraproduktiv gewesen".

Deshalb sei der "oberflächliche Zustand, wie in der Nachbarschaft", wiederhergestellt worden. "In ein, zwei Jahren, wenn wieder Vegetation darüber gewachsen ist, ist die Stelle nicht mehr zu sehen", ist sich der Archäologe sicher. Aktuell sei das anders: "Es sieht sehr sauber aus", merkt er an. "Weil wir sauber machen mussten" für die Rekonstruktion: "Wir haben Blätter weggeräumt und Brennnesseln rausgerissen."

Dass Denkmäler beschädigt werden, komme "immer wieder" vor, berichtet Losert. "Das ist überhaupt nichts Besonderes." Wenn der Verursacher bekannt sei, werde es ihm zur Auflage gemacht, die Stelle archäologisch untersuchen zu lassen – "wofür "lange Kampagnen stattfinden müssen" – oder dass diese "rekonstruiert werden muss".

Beim Ringwall am Rauhen Kulm hat das Landratsamt Neustadt/WN Letzteres getan. "Eine Grabung in dem Bereich würde mehr zerstören, als sinnvoll ist", macht der Archäologe dazu deutlich. Um den Wall nicht zu beeinträchtigen, ist auch er selbst mit seinen Studenten bei den jährlichen Ausgrabungen "nur dort" am Werk, "wo der Wall durch die Basaltgewinnung gestört worden ist".

Dass die Reparatur des beschädigten Ringwalls bereits abgeschlossen ist, ist der Unteren Denkmalschutzbehörde aufgrund einer Mitteilung des Verursachers bekannt. "Die entsprechende Dokumentation soll uns Ende September/Anfang Oktober vorgelegt werden", schreibt Pressesprecherin Claudia Prößl auf Anfrage von Oberpfalz-Medien zum aktuellen Stand. Sobald diese eingegangen sei, "werden wir prüfen, ob die Arbeiten den denkmalschutzrechtlichen Anforderungen entsprechen".

Was das Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen den Verursacher betreffe, so laufe derzeit noch das Anhörungsverfahren, lässt Prößl wissen. "Die Äußerungen des Betroffenen werden nun mit Einbindung der Fachstellen geprüft. In die anschließende Abwägung und die Entscheidung wird auch mit einbezogen, wie die Schäden beseitigt wurden."

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Hintergrund:

Ringwall am Rauhen Kulm

  • Stammt laut Hans Losert aus dem frühen Mittelalter, also dem 8. bis 9. Jahrhundert.
  • Seit dem frühen 20. Jahrhundert als Teil Jahrtausende alter Siedlungen als Bodendenkmal eingestuft
  • Bis ins späte 19. Jahrhundert Basaltabbau am Rauhen Kulm. Einstellung, so Losert, "unmittelbar bevor unter Denkmalschutz gestellt wurde"

 

 

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