16.01.2020 - 08:40 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Stadtjubiläum Neustadt am Kulm: Höhen und Tiefen einer Stadt

Zu den Höhepunkten der Auftaktveranstaltung des 650-jährigen Stadtjubiläums der Kulmstadt gehörte ein Vortrag des Bürgermeisters. Er berichtete dabei über die wechselvolle Geschichte der Stadt – und da gab es viel zu erzählen.

Zwei große Brände verwüsten im 19. Jahrhundert große Teile der Altstadt. Am 19. April 1945 vermuteten amerikanische Jagdbomber deutsche Verteidiger in der Kulmstadt. Mit zwei Jagdflugzeugen wird daraufhin der mittelalterliche Stadtkern bombardiert. Dabei werden neben 168 Gebäuden auch das spätgotische Stadttor (Bildmitte) und das alte Rathaus aus dem Jahre 1654 zerstört.
von Autor OWProfil

Bürgermeister Wolfgang Haberberger stellte die „Neustadtchronik“ zeitgleich mit der „Chronik der Deutschen“ dar. Somit konnten die Zuschauer den Zeitraum, in dem das Ereignis stattfand, besser erfassen. Als Geburtsstunde der Stadt gilt das Datum 13. Januar 1370. In einem Gnadenbrief gestattete Kaiser Karl IV. dem damaligen Besitzer der Burgen auf dem Schlechten und Rauhen Kulm, auf dem schmalen Sattel zwischen den erloschenen Vulkanen eine Stadt anzulegen. Sie sollte mit Mauern, Türmen, Toren und Erkern befestigt werden und die Bürger hatten das Recht, einen Wochenmarkt abzuhalten.

1413 errichteten Karmelitermönche an gleicher Stelle ein Kloster mit Kirche, deren gotische Außenfassade im Chorraum noch heute an die Gründungszeit erinnert. Mit der Reformation wurde Neustadt nach dem Grundsatz "eius regio, cuius religio" 1527 mit den Burggrafen protestantisch. Im gleichen Jahr nahm der erste evangelische Pfarrer seine Arbeit auf. 1531 brannte die Kirche mit der halben Stadt ab.

Im Jahr 1554 wurden die Burgen auf den Kulmen von den Nürnbergern zerstört. Den Sandstein transportierten die Neustädter ab und verwendeten diesen zum Bau ihrer Häuser. 1603 kam Neustadt am Kulm zum Fürstentum Bayreuth. Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) und die Pest führten zur nahezu vollständigen Vernichtung der Stadt. 1634 zählte man in der kleinen Stadt 250 Pesttote.

1791 wird die Kulmstadt mit dem Fürstentum Bayreuth preußisch un die Blütezeit des Orts begann. Der Adel aus Bayreuth entdeckte bald den Rauhen Kulm als Tourismusziel. Markgräfin Wilhelmine errichtete sogar ein eigenes Badehaus in Neustadt. Durch preußisch-bayerische Grenzbereinigungen wurde Neustadt am Kulm 1803 zu Bayern eingegliedert. Dabei verlor die Stadt viele Privilegien, wie das Kasten- und das Richteramt sowie die Forstbehörde. Schon damals hatte die Stadt so viele Einwohner wie heute. Als bayerische Stadt konnte sich Neustadt nicht mehr weiterentwickeln. Mit dem Gemeindeedikt von 1818 entstand als Teil dieser Verwaltungsreformen die heutige Gemeinde.

1833 vernichtete ein fürchterlicher Brand 15 Wohn-, 34 Nebengebäude und 11 Scheunen auf der Sommerseite des Marktplatzes. 13 Jahre später brannte es lichterloh auf der Winterseite. 70 Wohn- und 89 Nebengebäude zerstörten die Flammen.

Am 19. April 1945 wurde die Stadt durch Luftangriffe amerikanischer Jagdflugzeuge wiederum schwer getroffen. Der mittelalterliche Stadtkern mit 168 Gebäuden samt dem spätgotischen Stadttor und dem Rathaus von 1654 wurden zerstört.

Im Jahre 1955 hatte Neustadt 915 Einwohner. Das Landesvermessungsamt München übergab in diesem Jahr den Aussichtsturm auf dem Rauhen Kulm kostenlos an die Stadt. Der Sporrerweiher wurde wegen des aufkommenden Fremdenverkehrs mit Berlinern zum Bad ausgebaut. 1969 wurde der Kindergarten in Filchendorf eingeweiht. Mit der Gebietsreform von 1972 wurden die ehemaligen Gemeinden Filchendorf und Mockersdorf in Neustadt eingemeindet. Die Kulmstadt hatte daraufhin 1348 Einwohner.

Am 30. Juni 1984 zerstörte ein Feuer den Aussichtsturm auf dem Rauhen Kulm. 1987 wurde der neue, jetzige Turm eingeweiht. 1995 feierten die Neustädter die Einweihung des Kindergartens am Grünlohweg. Im Jahre 2000 wurde das neue Feuerwehrhaus in Filchendorf fertiggestellt. Drei Jahre später feierten die Neustädter das Hebfest für ihr neues Feuerwehrhaus. Im Jahre 2006 legte nach 31 Jahren Amtszeit Bürgermeister Karl Pühl aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nieder. Kurzzeitig übernahm Rudi Lang die Führung der Stadt. Seit 2008 ist Wolfgang Haberberger das Stadtoberhaupt der kleinsten Stadt der Oberpfalz.

Käthe Pühl und Rudi Lang zeigten später in einer eigenen Präsentation anhand von alten Bildern, wie sich die kleine Stadt zwischen den beiden Vulkanen in den Jahrhunderten verändert hat.

Wenige Jahre nach der Mangelzeit des Dreißigjährigen Krieges bauen die Neustädter 1654 ihr erstes Rathaus. Über 300 Jahre ist es der Mittelpunkt der kleinen Stadt am Rauhen Kulm. 1945 zerstören die Amerikaner das historische Gebäude bei einem Bombenangriff.

Mehr zur Auftaktveranstaltung gibt es hier

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.