03.03.2021 - 18:27 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

"Amalie I." zurück auf Schloss Lobkowitz

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Die Neustädter Störchin ist pünktlich und sie ist allein: Sie schwebt am Samstagabend ein. "Ihr ,Ferdinand' ging ihr verloren", mutmaßt Storchenbetreuer Gerold Haas am Montag. Am Mittwoch hat er selbst ein besonderes Problem zu lösen.

Die beiden Neustädter Störche sind in ihrer Heimat angekommen: Einer hütet das Nest (im Hintergrund), der andere ruht einbeinig auf einen blinden Kamin auf dem Landratsamt.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

"Mit ihren Männern hat sie sowieso kein Glück", blickt Haas zurück. "Sie ist da Sorgen gewöhnt." Im vergangenen Jahr brauchte sie schließlich drei Anläufe, bis ein "Ferdinand" bei ihr blieb, mit ihr für Nachwuchs sorgte und drei Küken durchfütterte. Auch diesmal kam sie ohne Begleitung in der Kreisstadt an. Das ist ungewöhnlich. Schließlich sind es generell die Storchen-Männchen, die drei Tage bis zu einer Woche vorausfliegen, den angestammten Horst renovieren und für eine neue Brutsaison vorbereiten.

Wachsamer Beobachter

"Die Störchinnen sind sich für diese Arbeit offenbar zu schade. Die setzen sich rein und lassen es sich gut gehen, wenn sie nicht zur Futtersuche wegfliegen müssen", weiß Haas, der als Storchenbetreuer seit sechs Jahren mit wachsamen Augen und Feldstecher das Treiben im Storchennest auf dem Landratsamt in Neustadt verfolgt.

Amalie ist ihm dabei besonders vertraut. "Sie ist standorttreu, und auch schon etwas älter. Das zeigt ihr etwas dunklerer Flaum in der unteren Halspartie." Und da sie einen weißen Ring trägt, ist auch klar, dass sie weder aus der Neustädter noch aus der Weidener Storchenfamilie stammt. "Die beiden Nester sind so hoch, da wird der Nachwuchs nicht beringt." Dies sei zudem nur innerhalb einer kurzen Frist von etwa zwei Wochen nach dem Schlüpfen möglich. "Dann sind die Kleinen so quirlig, dass es schwierig wird", erklärt der Storchenbetreuer.

Ferdinand III. verschollen

Ferdinand, inzwischen die Nummer 3 im Neustädter Horst, gilt am Montagvormittag noch als verschollen. "Entweder kommt er noch oder er hat den Flug nicht überlebt, oder er gibt den Fremdgänger und hat sich anderweitig verliebt", analysiert der Storchenvater. Es gebe jedoch keinen Anlass zur Sorge. "Es ist noch mächtig Zeit, dass unsere Amalie Anschluss findet." Und außerdem sei das Angebot an geschlechtsreifen Jungstörchen so groß wie schon lange nicht mehr, meint Haas. Im Jahr 2020 wurden in Bayern 1500 Jungvögel gezählt, 300 überwinterten im Freistaat und ersparten sich die Reise in den Süden. Das Angebot für Amalia wächst also. "Sie hat noch zwei, drei Wochen Zeit für die Partnersuche. Das wird schon noch was mit unserem Nachwuchs."

Der Eslarner Storch ist da

Eslarn

Und dann ist es für den Storchenbetreuer doch eine Art Erlösung, als er am Montagabend dann doch einen zweiten Storch im Neustädter Nest sichtet. Offenbar hat Ferdinand III. doch noch den Weg zu seiner Amalie gefunden. Ein zweites glückliches Ehejahr scheint nun doch möglich zu sein, resümiert Haas am Dienstag.

Mehr Gedanken macht sich Haas jetzt über die Nahrungsversorgung seiner Schützlinge. Das Angebot an Mäusen und Kleingetier sei durch die Überschwemmungen deutlich reduziert worden. In den Niederungen entlang der Gewässer wird's derzeit nichts zu fangen geben. Die Vögel müssten in einem größeren Umkreis bis hoch nach Windischeschenbach suchen. Dabei komme den Störchen zu gute, dass sich bereits Kröten und Frösche auf ihre Wanderungen machten. Wenn er den Eindruck bekomme, dass die Neustädter Storch hungerten, lege er kleinere Fische aus. "Das Fleckerl an der Floss kennt die Amalie." Hoch ins Nest könne er allerdings die "Brotzeit" nicht bringen. "Das wär' mir dann doch zu gefährlich."

Blick in die Wohnstube der Neustädter Störche. Die schwarze Plakette am Bein weist den Storch im Nest als "Ferdinand III": aus.
Info:

Amalia I. heißt Augusta

Storchenbetreuer Gerold Haas hat am Mittwoch mit einem besonderen Problem zu lösen: Er ist ganz vernarrt in seine Amalia I. Seit er im Dienst ist, also seit inzwischen mehr als fünf Jahren, betreut er die Storchendame als Amalia I. im Neustädter Nest. Während ihre Partner mehrmals wechselten und ihr derzeitiger Gemahl nunmehr als Ferdinand III. geführt wird, blieb Amalia für Haas immer die Amalia.

Doch offiziell hat sie den Namen gewechselt: Nach einer Facebook-Umfrage im Jahr 2019, so Landkreissprecherin Claudia Prößl, heißt sie nämlich Augusta, analog zu Fürstin Augusta, die einst an der Seite von Fürst Ferdinand von Lobkowitz stand.

„Zu dieser Aktion zur Namensfindung war ich nicht geladen. Ich war nicht beteiligt und wurde als Storchenbetreuer nicht gefragt“, stellt Haas klar.

Ob nun Amalia oder Augusta, der Neustädter Störchin dürfte die Bezeichnung relativ egal sein. Haas jedenfalls steht auf Amalia und zwar „die Erste“. Aber: „Damit die drunten im Landratsamt nicht wieder einen Herzinfarkt bekommen, werde ich meine Amalia künftig als Augusta bezeichnen, meint der Storchenvater am Mittwoch nach dem Anruf aus dem Landratsamt. Begeisterung über die Namensänderung ist aber nicht zu hören.

Storch landet in Weiden

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Robuste Störche

  • Raus aus dem Winterquartier. Die Störche kehren aus dem Süden zurück. Ihr dichtes Gefieder schützt sie gegen Kälte.
  • Fastenkünstler. Störche können laut Landesbund für Vogelschutz gut ein bis zwei Wochen mit wenig oder sogar ohne Nahrung auskommen.
  • Bayern ist Storchenland. 1500 Jungvögel gediehen im vergangen Jahr. Stochenhorste gibt es laut LBV in: Grafenwöhr, Pressath, Mantel, Etzenricht, Luhe-Wildenau, Schnaittenbach, Weiden, Neustadt/WN, Windischeschenbach, Floß, Irchenrieth, Pleystein, Waidhaus und Eslarn.

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