06.03.2019 - 16:21 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Barbiegirl und Fashionista: Neustädterin hat über 1500 Barbies

Ein rosaroter Mädchentraum: Die Neustädterin Melanie Korsche hat ein Faible für Kleider und Mode. Offensichtlich wird das in ihrem Brautmodengeschäft. Was sich Zuhause im Keller verbirgt, ist zwar eine Nummer kleiner, aber spektakulär.

von ​Tina Sandmann Kontakt Profil

Über 1500 Augenpaare beobachten Melanie Korsche. Die makellosen Gesichter schauen sie freundlich an, lächeln ihr zu. Die 36-Jährige schreitet die Reihen ihrer Beobachter ab. Sie streicht Haare zurück, zupft dort einen Fussel vom prächtigen Ballkleid, zieht hier einen verlorenen Schuh an und bringt da die verrutschte Handtasche in Position.

Die Neustädterin sammelt Barbie-Puppen. Und nicht nur das: Sie sammelt Barbie-Autos, Barbie-Häuser, Barbie-Wohnwagen, Barbie-Motorräder, Barbie-Pferde, Barbie-Kleider und Barbie-Schuhe. Was es gibt – sie hat es. Oder sie will es und sucht danach. Im Keller leben die Puppen auf 25 Quadratmetern, stehen aufgereiht in Regalen. Das Ganze hat System.

„Ich ordne nach Jahrgängen und Serien. In einer Vitrine sind beispielsweise nur Barbies aus den 80er Jahren, in der anderen die ganze Fashionista-Serie“, erklärt Korsche und zeigt die neueste Mattel-Kollektion. Die Barbies stehen in schwarz-weißen Kartons und sind klein, groß und kurvig gebaut, mit dunkler Haut und roten Haaren, mit Sneakers oder Minirock. „Es gibt die Fashionistas in petit, curvy oder tall.“

Bis die Puppen so strahlend schön ihren Platz im Regal finden, dauert es oft lange. „Ich bekomme die Barbies teils in verheerendem Zustand. Die Haare sind kaputt, die Kleider fehlen, der Körper ist dreckig.“ Dann beginnt für die Neustädterin die Arbeit. Sie richtet ihre Schätzchen aufwendig her. Jagt im Internet und auf Flohmärkten nach den richtigen Kleidern, sucht Schuhe und Accessoires. „Ich bin sehr detailverliebt. Alles muss stimmen.“ Zwei Mal im Jahr stürzt sie sich dafür in Gräfelfing bei München mit Tausenden anderen Fans und Sammlern ins Gedränge bei der Barbie-Börse. „Dort habe ich auch die erste Barbie, die ich als Kind bekommen habe, wiedergefunden.“ Melanie Korsche holt eine Puppe aus der Vitrine: Sie weiß genau, wohin sie greifen muss. Die blonde „Dream Glow“ trägt ein rosafarbenes Ballkleid mit Sternen. „Die Sterne leuchten sogar im Dunkeln“, sagt Korsche.

Info:

Eine Puppe verändert sich

Die Barbie wird am Samstag, 9. März, 60 Jahre alt. Auf den ersten Blick sieht man das Barbara Millicent Roberts nicht an. Doch sie hat sich im Lauf der Jahre stark verändert. Als Mattel 1959 die erste Barbie auf der Spielwarenmesse in New York vorstellte, gab es die Puppe nur in blond oder brünett und mit auffallendem Make-Up. Das Gesicht wandelte sich stets. 1977 kam die „Superstar-Barbie“ auf den Markt: 20 Jahre lang hatte Barbie dieses Gesicht – und war bis 1991 grundsätzlich blond. In den 1990ern emanzipierte sie sich und war Feuerwehrfrau, Managerin und Astronautin. Heute gibt es sie mit vielen Haut- und Haarfarben und Körpergrößen.

Als Mädchen war sie begeisterte Barbie-Spielerin. Aber sie sei irgendwann „rausgewachsen“. Im Teenageralter verkaufte sie die Puppen samt Zubehör: „Alles war im Originalzustand. Ich wusste immer, zu welcher Barbie welcher Schuh gehört.“ Die Leidenschaft für Mode und Perfektion machte Korsche zu ihrem Beruf: Seit 2010 ist sie die Chefin der „Brautgalerie“.

„Ich habe früher meinen Barbies Klamotten genäht. Vor allem Brautkleider. Daraus ist mein Berufswunsch entsprungen.“ Heute fehle ihr die Zeit zum Nähen. Neben ihrem Laden kümmert sich die zweifache Mutter noch um ihre Kinder und hat ein Pferd, das geritten und gepflegt werden will. Apropos: „Das Pferd ist für Barbie wichtig. In den 90ern waren die Pferde überzogen bunt. Mein Liebling ist das dunkle, das ist realistisch.“ Barbie und die Realität: Das ist sowieso ein Thema für die Neustädterin. „Barbie trägt immer die aktuelle Mode.“ Sie öffnet eine Glasvitrine und holt einen Karton heraus, auf dem „Moschino“ prangt. Die Puppe hat eine blonde Lockenpracht, trägt eine „Moschino“-Lederjacke. „Ich trage auch gerne Moschino-Sachen. Als Fashion-Junkie muss ich die Kollektionen unbedingt haben.“ Auch bilde die Puppe stets die Gesellschaft ab. „Barbie ist tätowiert. Sie macht jeden Trend mit.“ Die vielen Facetten haben es der 36-Jährigen angetan: „Sie ist nicht nur blond und hat ein hübsches Gesicht. Sie ist nicht nur das Strahlemäuschen, sondern auch Fashionista und Powerfrau.“ Korsche kritisiert die neuen Modelle auch. „Früher war Barbie eine Ankleidepuppe, die man umziehen konnte. Ich habe als Kind richtig gespielt damit. Heute sind die Barbies im Handel nur Plastik, teilweise sogar mit Plastikkleidung.“

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Barbie in der Kritik

„Die früheren Barbies sehen aus, als würden sie in der Taille brechen. So dünn sind die“, sagt Melanie Korsche. Die ersten Puppen waren extrem schmal in der Körpermitte. Die Proportionen waren nicht realistisch: 99 – 46 – 84 Zentimeter. Der Spielwarenhersteller stand lange in der Kritik, für Mädchen kein Vorbild geschaffen zu haben. Und reagierte. „Mittlerweile gibt es Barbies in allen Körpergrößen und Formen. Die Model-Barbie gibt es noch, aber wenigstens stimmen die Proportionen“, sagt Korsche.

Seit sechs Jahren sammelt Melanie Korsche die Mattel-Puppen. „Ich war mit meiner Tochter schwanger, als mich die Sehnsucht nach meinen alten Barbies überkam. Ich wollte sie ihr irgendwann geben und sagen können: ‚So war die Kindheit deiner Mama‘.“ Mittlerweile hat sie über 1500 Barbies. Auch Tochter Amelie ist den Puppen verfallen. Sie hat bereits 200. So exklusive wie bei ihrer Mama sind allerdings nicht dabei. Die teuren Barbies bekommt Korsche von ihrem Mann. Der steht dem Hobby positiv gegenüber: „Ich muss mir nicht den Kopf über Geschenke zerbrechen. Ich kaufe einfach eine Barbie, schon ist die Frau glücklich“, sagt Alexander Korsche.

Ihr Barbie-Universum will Melanie Korsche übrigens nicht weiter für sich behalten. Sie plant eine Ausstellung in ihrer „Brautgalerie“.

Info:

Pflegetipps von der Expertin

Haare mit Babyshampoo waschen, danach mit Spülung einreiben und bis zu einem halben Tag einweichen lassen. Die Dauer richtet sich danach, wie strapaziert die Haare sind.

Die gewaschenen Haare mit Durchkämmspray von den Spitzen bis zum Ansatz Strähne für Strähne vorsichtig kämmen.

Je nach Originalfrisur der Barbie Locken legen oder frisieren.

Den Körper waschen und mit einer Zahnbürste putzen.

Wenn an den Beinen und am Körper hartnäckige Flecken sind, vorsichtig mit Nagellackentferner bearbeiten – Achtung: Auf keinen Fall Barbies Gesicht damit berühren.

Kleider per Hand waschen, auf kleiner Stufe bügeln.

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