30.08.2018 - 16:18 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Blick hinter historische Fassaden: Denkwürdiges Neustadt

Sie erinnern an denkwürdige Personen oder Ereignisse: Am "Tag des offenen Denkmals" öffnen in der Region historische Stätten ihre Pforten. In Neustadt bleiben die Türen in diesem Jahr zu.

Das Alte Schloss in Neustadt zeichnet sich schon 1913 (Bild) durch den markanten Bogen am Eingang und den spitz zulaufenden Dachstuhl aus.
von Julia Hammer Kontakt Profil

(juh) Museumsreferent Bernhard Knauer und Ursula Wiechert vom Stadtarchiv verraten dennoch, hinter welche Tür sie gerne einmal blicken würden. "Einige Häuser in der Freyung sind unglaublich interessant", betont der Museumsreferent. Erbaut von Kaiser Karl IV. seien dort damals Juden angesiedelt worden. Ihre Spuren seien noch heute zu finden. "In einigen Kellern sind noch jüdische Ritualbäder, sogenannte Mikwe." Diese Häuser stehen unter Denkmalschutz, sind für die Öffentlichkeit aber nicht geöffnet. "Allerdings konnte ich in eines einen Blick werfen. Das war beeindruckend."

Verborgene Schätze

Nur aus Erzählungen kennt er die verborgenen architektonischen Schätze in einigen Privatanwesen am Stadtplatz. "Dort soll es mehrstöckige Kellergewölbe geben. Das würde mich sehr interessieren." Ein Denkmal definiert sich für Knauer nicht durch ein bestimmtes Alter. "Es kann genauso gut etwas sein, dass jetzt erst aufgestellt wird. Vergangenes Jahr haben wir eine Stele für Fürstin Augusta Sophie installiert. Diese ist auch nicht alt, aber bedeutend. Man muss Gebäude oder andere Monumente auf sich wirken lassen, das zählt", betont der Museumsreferent.

Für Knauer zählt das Alte Schloss nicht nur zu den bedeutendsten Bauwerken in Neustadt, sondern in der ganzen Nördlichen Oberpfalz. "Es hat einen unglaublichen Dachstuhl. Für mich ist es um einiges eindrucksvoller als beispielsweise Schloss Neuschwanstein. Das Alte Schloss ist historisch und architektonisch eindrucksvoller." Doch auch der Kirchturm und die Schlosskapelle im Neuen Schloss seien "eindrucksvolle Bauwerke" mit historischen Wert.

Das Alte Schloss hat sich architektonisch kaum verändert.

Von Glas bis Gotik

"Denkmal kann alles sein, was, wie der Name schon sagt, einlädt zum Nachdenken. Insofern macht das, was zum Denkmal wird, sich nicht ausschließlich an Größe und Alter fest", findet auch Ursula Wiechert. Durch ihre Arbeit im Stadtarchiv Neustadt würde sie mit Denkmälern "unterschiedlichster Art, Herkunft und Alter" in Kontakt kommen.

"Von Klein- und Flurdenkmälern bis hin zum stattlichen Lobkowitz-Schloss, von der Barockfassade bis hin zum Glasfenster einer Glasfabrik. Alles, was uns eine Geschichte erzählt, kann zu einem Denkmal werden." Gerne würde Wiechert einen Blick in ein, zwei Häuser am Stadtplatz werfen. "Mit ihren gotischen Gewölben reichen diese bis zur Stadtgründung - sicherlich vor mehr als 800 Jahren - zurück. Das würde mich sehr reizen." Allerdings gebe es einige historische Bauwerke, die sie von innen bewundern konnte - und von denen Wiechert noch heute tief beeindruckt ist.

"In Neustadt ist das auf jeden Fall das Alte Schloss, dass unter den Guttensteiner und Heidecker zwischen 1500 und etwa 1560 erbaut wurde." Mit seinem mehrgeschossigen Giebelbau, "der zu den bedeutendsten spätgotischen Baukomplexen zumindest der mittleren und nördlichen Oberpfalz gehört", sei das Schloss eines der beeindruckendsten Gebäude in Neustadt. Doch historische Schätze und Relikte aus vergangenen Zeiten finden sich wohl hinter so manch Neustädter Türe. Nur werden sie nicht immer geöffnet.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp