11.07.2020 - 17:11 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Breitbandversorgung in Neustadt 20 Mal schneller als in Südkorea

Kämmerer Michael Neidl hat seinen Angelschein online beantragt. Die Zeiten, als die Bürger dazu ins Rathaus gehen mussten, sollen auch in Neustadt bald vorbei sein. Die dazu nötige Breitbandversorgung ist in der Stadt rekordverdächtig gut.

Kämmerer Michael Neidl hat seinen Angelschien online beantragt.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

572 Megabits pro Sekunde (Mbit/s) beträgt die durchschnittliche Bitrate in der Neustadt. Das ist ein phänomenaler Wert, verkündet Eduard Maier von der Breitbandberatung Bayern in der Stadthalle dem Stadtrat. Zum Vergleich: In Deutschland liegt dieser Wert im Mittel bei 15,3 Mbit/s und in Südkorea bei 28,6 Mbit/s. Das asiatische Hochtechnologieland wird gerne als Beispiel für hervorragende Internetversorgung zitiert. Das Siedlungsgebiet der Stadt ist relativ geschlossen, es gibt kaum abgelegenen Stadtteile, Dörfer oder Einzelanwesen, hat der Experte auch gleich eine Erklärung für diesen Wert, der selbst ihn überraschte.

Der Glasfaseranteil ist bei den Internetleitungen in der Stadt relativ gering. Weite Teile sind durch das Netz von Kabel Deutschland erschlossen. Doch auch die Telekom war mit ihrem Glasfaserausbau in den vergangenen Jahren tätig. Problem mit der Anschlussmöglichkeit ans schnelle Internet haben primär einige Adressen außerhalb des Ortskerns samt eines darum herumlaufenden Gürtels. Maier spricht von weniger als zwölf Adressen, bei denen nur Raten unter 30 Mbit/s möglich sind.

Gemeinsame Aufgabe

Um zu Hause die Geschwindigkeit nutzen zu können, die technisch möglich ist, müssen die Bürger auch selbst tätig werden, betont Maier. Dazu zählen die Wahl des richtigen Tarifs, und des entsprechenden Netzbetreibers. "Die Hardware im Haus muss passen." Alte Leitungen bedeuten Verluste. Ein veränderter Platz für den Router kann für Beschleunigung sorgen.

Um die Versorgung mittels Förderprogramm "Gigabitrichtlinie" der Staatsregierung noch weiter zu optimieren, beauftragte der Stadtrat die Breitbandberatung Bayern mit einer durch den Zuschuss kostenneutralen Markterkundung. An deren Ende steht eine Förderlandkarte. Eines war nach der Diskussion klar: Aufgrund der bestehenden hohen Abdeckung der Stadt durch Kabel Deutschland ist nur ein geringer förderfähiger Glasfaserausbau zu erwarten.

Zum Vergleich: Die Breitbandsituation in Pfreimd

Pfreimd

Online ins Rathaus

"Einen wichtigen Schritt für die Zukunft", nannte Bürgermeister Sebastian Dippold den Kauf eines Rathaus Service-Portals. Erster Schritt ist der Förderantrag beim Freistaat für die rund 13.000 Euro teure Anschaffung. Das Portal spart künftig in vielen Fällen den Weg ins Rathaus. Anträge können von zu Hause eingereicht oder zumindest vorbereitet werden, Verwaltungsgebühren unbar beglichen werden.

Warte- und Bearbeitungszeiten werden verkürzt, "Gerade in Zeiten von Corona hat sich gezeigt, dass nicht immer der Weg ins Rathaus möglich ist", sagte Dippold. "Ab 2021 ist das verpflichtend und wir haben jetzt gemerkt, wie wichtig das ist", begründete Thomas Hauer die Zustimmung der CSU. Sowohl Gerhard Steiner (Freie Wähler) als auch Rainer Hetz (SPD) war es wichtig, dass die "Profis vom Rathaus" darüberhinaus auch zukünftig persönlich für die Bürger da sind. Hetz: "Nach Homeoffice und Homeschooling kommt jetzt das Rathaus at Home."

Kämmerer Neidl bekommt ein Archivsystem für die Finanzprogramme der Stadt Neustadt.
Rathaus:

Rechnungen digital aufheben

Im Rathaus selbst ist die Stadt jetzt dabei, den digitalen Vorsprung anderer Kommunen aufzuholen. Der Stadtrat genehmigte den Kauf der Software eines Archivsystems für die bestehenden Finanzprogramme. Kosten samt Schulung rund 10.000 Euro. Durch eine Erweiterung um ein Rathaus-Informations-System können dann einmal alle Abteilungen eine zentrale digitale Ablage benutzen. Auch der Sitzungsdienst wird damit online möglich, worauf sich besonders Heribert Schubert freut. Er setzt sich seit langem für ein solches Werkzeug ein. (ui)

Wie schnell kommt das Internet bei Ihnen daheim an? Antworten gibt die Bitraten-Karte für Neustadt und viele weitere Oberpfälzer Gemeinden

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Kommentare

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S Witt

Woher kommen dann die oberirdischen Leitungen aus längst vergangenen Tagen? 30 Mbit wären bereits wünschenswert. Die Realität sind leider geringe 10 Mbit. Der 3G Empfang am Smartphone ist hier teilweise schneller als der Stationäre PC in Zeiten vom Aufbau des 5G Netzes.

13.07.2020