23.09.2020 - 21:33 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Corona-Chaos nach Reiserückkehr: Neustädter Familie zu Unrecht in Quarantäne?

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Eine Familie aus der Kreisstadt ist überzeugt, Opfer eines falschen Ergebnisses beim Corona-Test geworden zu sein. Eine erste Klage blieb erfolglos. Wurde die vierköpfige Familie zu Unrecht zwei Wochen kaserniert?

Stefan Hausdorf schaut mit seinen Töchtern sehnsüchtig nach draußen. Erst am Mittwochvormittag durften sie raus. Beide Mädchen wollten nur eines: sofort in die Schule.
von Gabi EichlProfil

Den Tag, an dem sich die Hausdorfs entschlossen, sich im gemeinsamen Corona-Testzentrum des Landkreises und der Stadt Weiden ein weiteres Mal testen zu lassen, haben sie inzwischen mehrfach verwünscht. Aber der Reihe nach.

Freitag, 4. September

Stefan und Susanne Hausdorf kommen mit ihren beiden Töchtern aus dem Urlaub in Bulgarien zurück und lassen sich freiwillig am Flughafen in Leipzig testen. Schon tags darauf liegen die Testergebnisse für alle vier vor: negativ. Um ganz sicher zu sein, auch weil Susanne Hausdorf als freiberufliche Hebamme mit eigener Praxis mit mehreren Dutzend Schwangeren zu tun hat, beschließt die Familie, sich in dem neu eingerichteten Testzentrum auf dem Weidener Festplatz ein zweites Mal testen zu lassen.

Das Testzentrum von Stadt und Landkreis

Weiden in der Oberpfalz

Montag, 7. September

Einen Tag vor Schulbeginn geht's zum Festplatz. Der Unterschied zum Test am Flughafen Leipzig hätte größer nicht sein können, sagt Stefan Hausdorf. Dort habe eine Ärztin den Test vorgenommen in der häufig beschriebenen nicht angenehmen Form: tief im Rachen, hoch in der Nase. In Weiden dagegen habe man allen vier Familienmitgliedern „nur ein bisschen auf der Zunge herumgefahren“. Symptome, die auf Covid-19 gedeutet hätten, hatte bis dahin keiner der vier. Man habe einfach auf Nummer sicher gehen wollen, so Hausdorf, der von sich sagt, „ganz bestimmt kein Corona-Leugner“ zu sein.

Mittwoch, 9. September

Während die Familie auf die Testergebnisse wartet, ruft das Gesundheitsamt an: Susanne Hausdorf sei positiv getestet, die Familie müsse sofort in Quarantäne, ebenso eine Arbeitskollegin der Hebamme. Wie angeordnet, holen die Hausdorfs ihre Töchter aus den Schulen und begeben sich nach Hause. Und fragen sich gleichzeitig, warum sie noch keine Ergebnisse des von Ecolog beauftragten Labors bekommen haben.

Ich bin ganz bestimmt kein Corona-Leugner

Stefan Hausdorf

Stefan Hausdorf, Leiter des Rechnungsprüfungsamtes der Stadt Weiden, fängt an zu recherchieren und wird zunehmend stutzig. Das Gesundheitsamt erklärt ihm gegenüber, das positive Ergebnis sei diesem per „Fax mit handschriftlichem Vermerk“ mitgeteilt worden. Ein fast einstündiges Gespräch Hausdorfs mit dem Labor ergibt jedoch, dass das Labor grundsätzlich keine Fax-Nachrichten verschicke, dass die Hausdorf-Proben vielmehr noch in Bearbeitung seien. Die Labor-Mitarbeiterin am Telefon räumt aber den Worten Hausdorfs zufolge auch ein, dass derzeit ein „Chaos im Ablauf“ herrsche.

Tests für Reiserückkehrer

Deutschland & Welt

Donnerstag, 10. September

Die vierköpfige Familie bekommt spätabends Mails mit nur drei Befundberichten. In diesen Berichten werden aus den beiden Töchtern (7 und 11 Jahre alt) 25-jährige Zwillinge, das Testdatum ist wie auch schon in dem Fax an das Gesundheitsamt nicht korrekt genannt, und es finden sich verschiedene Rechtschreibfehler in den Mails („Abnamedatum“ oder „Datun befund“).

Stefan Hausdorf wendet sich wiederholt an das Gesundheitsamt, spricht mit Leiter Dr. Thomas Holtmeier, weist auf die Ungereimtheiten hin, bittet darum, seine Frau noch einmal zu testen. Er findet kein Gehör. Das Rechtsempfinden des studierten Diplom-Verwaltungswirts ist zunehmend gestört. Allein die Vorlage eines Faxes mit handschriftlichen Vermerken könne nicht die Grundlage eines derart schwerwiegenden Eingriffs in die persönliche Freiheit und Berufsausübung darstellen, ohne weiter aufgeklärt zu werden, sagt er gegenüber Oberpfalz-Medien. Gerade weil sie keine Corona-Leugner seien, sei ihnen wichtig, dass eine Quarantäne-Anordnung „rechtskonform und verfahrenstechnisch sauber“ sei, alles andere leiste nur den Pandemie-Leugnern Vorschub.

Donnerstag, 17. September

Die Familie reicht Klage ein beim Verwaltungsgericht Regensburg. Das Gericht fordert das Gesundheitsamt noch am selben Tag auf, Stellung zu nehmen. Am Freitag gibt das Gericht dem Gesundheitsamt recht und schließt sich den Ausführungen Holtmeiers an. Zu dem „Fax mit handschriftlichem Vermerk“ führt der Medizinaldirektor in seiner Stellungnahme aus, dass man Meldungen in vergleichbarer Form von einer Vielzahl von Laboren erhalte. Nicht gewürdigt wird die Aussage des Labors Hausdorf gegenüber, dass man grundsätzlich nicht via Fax kommuniziere. Die Familie Hausdorf legt daraufhin Beschwerde gegen das Urteil ein. Sie bezieht sich unter anderem auf den auch von Holtmeier beim Labor angeforderten Ct-Wert, ein Mengenmaß für die jeweilige Viruslast. Dieser Wert habe bei seiner Frau bei 40,00 gelegen, so Stefan Hausdorf, was eine fast nicht nachweisbare Viruskonzentration bedeute.

Mittwoch, 23. September

Die Familie wie auch die Arbeitskollegin Susanne Hausdorfs sind aus der Quarantäne entlassen. Der Verwaltungsgerichtshof hat am gleichen Tag die Beschwerde gegen das Urteil wegen Formfehlern abgewiesen. Die Familie Hausdorf prüft nun weitere rechtliche, auch strafrechtliche Schritte.

Die Ecolog Deutschland GmbH, die das Testzentrum im Auftrag des Landkreises und der Stadt Weiden betreibt, hat zweimalige Anfragen von Oberpfalz-Medien nicht beantwortet. Das Landratsamt Neustadt/WN verweist über stellvertretenden Pressesprecher Marcel Weidner darauf, „dass das Landratsamt bzw. das Gesundheitsamt zu Einzelfällen keine Stellung nimmt“.

Das Testzentrum am Weidener Festplatz, in dem die Hausdorfs am 7. September Proben abgaben.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klaus Wichert

In welcher Welt wollen wir leben?
Der RT-PCR-Test für das Coronavirus scheint darauf ausgelegt zu sein, möglichst viele positive Tests zu erzeugen. Die Angst, ein "echtes" Positiv zu verpassen, ist so groß, dass diejenigen, die die spezifische Testmethodik auf der Grundlage von RT-PCR entwickeln, das Risiko falsch positiver Ergebnisse völlig ignorieren. Falsch-positive Ergebnisse sollen offenbar die behauptete Epidemie größer erscheinen lassen, um sowohl die massive Einschränkung der Grundrechte als auch die völlige Abschaltung der Wirtschaft mit den entsprechenden wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen für die Menschen zu rechtfertigen.
Dass in diesem Zusammenhang immer wieder von ‚Infizierten‘ gesprochen wird, ist schlicht und ergreifend falsch! Die ständige Wiederholung dieser Falschaussage macht sie nicht richtiger. Ein positiver PCR-Test kann weder aussagen, ob jemand infiziert, ansteckend oder krank ist, noch ob er jemals krank werden wird. Denn wenn dieser PCR-Test dies könnte, wäre es beispielsweise nicht möglich, dass innerhalb eines Krankenhauses mit den besten Antiinfektionsmaßnahmen der Welt die Patienten von einem Tag auf den anderen von „positiv“ zu „negativ“ und so weiter getestet werden (https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2762688).
Der Test kann lediglich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit bestätigen, dass sich in einem Abstrich ein sehr kurzer Sequenzabschnitt von zwei bestimmten Genen befindet, welcher selbst für sich nichts über das Vorliegen eines krankmachenden Erregers aussagen kann.
Jeder PCR-Test ist damit nutzlos in Bezug auf eine klinische Diagnose oder Behandlung und rechtfertigt in keiner Weise Einschränkungen der persönlichen Freiheit von Menschen. Wollen wir es tatsächlich hinnehmen, dass wir allein aufgrund eines vagen Verdachts in Quarantäne gesteckt werden? Von den chaotischen Verhältnissen bei der Abwicklung dieser Vorgänge einmal ganz abgesehen, zu denen das RKI, unsere höchste Instanz für „Seuchen“, ebenfalls nicht genau weiß, wer eigentlich was macht und wie arbeitet: "Wir gehen davon aus, dass die Laboratorien bei fraglichen Ergebnissen das weitere Vorgehen mit dem Gesundheitsamt klären." (tagesschau.de am 06.09.20 in ‚Wie ansteckend sind die Patienten?‘)

24.09.2020
Sarah Krach

So ein Chaos bei einem so wichtigen Thema. Das darf nicht sein.

24.09.2020