08.07.2020 - 11:53 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Jetzt drei Vorsitzende: CSU wagt Neustart an der Waldnaab

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Stell dir vor die größte Partei der Stadt hat eine neue Führung und keiner kriegt's mit. Corona, Lockdown und ein Rücktritt sind daran schuld. Doch nun zeigt sich die Neustädter CSU wieder – mit gleich drei Personen an der Spitze.

Am Biertisch auf Abstand, aber nach außen hin Schulter an Schulter. So wollen sich (von links) Sandro Schäffler, Simone Orlowski und Oliver Völkl als neues CSU-Führungstrio präsentieren.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Nur die Homepage des CSU-Ortsverbands Neustadt hat bisher außer den Oberpfalz-Medien offiziell verraten, dass die 120 Mitglieder starke Partei seit 1. Mai von drei kommissarischen Vorsitzenden geführt wird. In alphabetischer Reihenfolge sind das: Simone Orlowski, Sandro Schäffler und Oliver Völkl.

Gemäß Satzung soll nach der turnusgemäßen Jahreshauptversammlung im Frühjahr 2021 einer der drei als Chef übrig bleiben. Wer? "Schau mer mal", sagt Sandro Schäffler. Die anderen beiden nicken. Dass ihr Start so zaghaft und von der Öffentlichkeit fast unbemerkt blieb, hat Gründe.

Zum einen die Kommunalwahl, bei der die CSU im März den Bürgermeisterposten und einen Sitz im Stadtrat verlor. Im Nachgang trat Vorsitzender Thomas Spörl zurück. Es folgte das Hickhack um die Wahl der zweiten Bürgermeisterin Tanja Kippes, die das politische Geschehen in der Kreisstadt einige Wochen überlagert hat. Zum dritten war wegen Pandemie keine Veranstaltung möglich, bei der sich Spörls Nachfolgertrio einmal präsentieren hätte können.

Erste Sitzung seit Lockdown

Doch das soll sich nun ändern. Vergangene Woche traf sich der 27-köpfige CSU-Vorstand erstmals seit der Coronakrise zu einer Vorstandssitzung im Pfarrheim St. Georg. Dabei holten sich Orlowski, Schäffler und Völkl das Mandat, die Geschichte einmal öffentlich aufzurollen und sich vorzustellen. Das sind die Steckbriefe:

-Simone Orlowski ist 47 Jahre alt, verheiratet und Mutter zweier Kinder. Die gebürtige Neustädterin ist Dozentin an der OTH Weiden für Psychologie und Wirtschaftspsychologie. Zwar stammt sie aus einer CSU-Familie, bei der ihr Vater bereits seit 50 Jahren in der Partei ist, sie selbst ist jedoch erst seit vier Jahren Mitglied. Sie engagiert sich bei der DJK, im Katholischen Frauenbund und der Frauen-Union. Wenn es die Zeit zulässt, ist sie außerdem mit Tennisspielen, Lesen oder Tauchen beschäftigt.

-Sandro Schäffler ist 45, hat drei Kinder und eine Frau, die mal Juso-Vorsitzende in Neustadt war. Der Windischeschenbacher hat mit der Familie 2004 am Rumpler gebaut. Der frühere Zweite Bürgermeister Heiner Maier überzeugte ihn davon, dem CSU-Ortsverband beizutreten. Schäffler arbeitet als Bundespolizist in Waidhaus, wo er auch Personalratsvorsitzender ist. Bekannt ist er als früherer Vorsitzender des Faschingsvereins, den er jetzt als Fördervereinsvorsitzender unterstützt. Zudem ist er Fußballtrainer bei der DJK. Der FC-Bayern-Fan verbringt einige Freizeit auch beim Heimwerken am Haus.

-Oliver Völkl ist Lehrer am Augustinus-Gymnasium Weiden und den Schwandorfer Döpfer-Schulen. Er unterrichtet Deutsch, Geschichte, Sozialkunde, Informatik und Berufskunde. Der 53-Jährige stammt aus Störnstein, wo sein Vater einst Zweiter Bürgermeister war. Der verheiratete Vater von zwei Kindern ist bereits mit 16 in die Junge Union eingetreten. Er wohnt in der Unteren Vorstadt. Völkl bringt sich bei den Holzrechtlern der Corporation, bei der Grenadiergarde und in Sportvereinen ein. Handwerken, Radfahren und Holzmachen nennt er als Hobbys.

"Unser Ziel ist es, das Wahlprogramm abzuarbeiten, das bereits vor zwei Jahren bei einer Klausur in Schlammersdorf vorbereitet worden ist", erklärt Völkl. Themen also, die Ex-Bürgermeister Rupert Troppmann und die Fraktion im Stadtrat angestoßen haben. Zugleich sei die Wahlanalyse noch nicht abgeschlossen. Sie soll intern bleiben, ein bisschen was gibt das Trio beim Pressegespräch im Biergarten der Freizeitanlage aber doch preis. "Es ist ein bisschen Enttäuschung dabei", räumt Schäffler ein. Nicht zuletzt wohl, weil keiner der drei den Sprung in den Stadtrat geschafft hat. Das habe auch mit den Schwierigkeiten eines Generationswechsels zu tun, erläutern Orlowski und Schäffler. Wenn fünf gestandene Stadträte inklusive der beiden Bürgermeister ausscheiden, sei die Situation schwierig. Das habe vor sechs Jahren bereits die SPD zu spüren bekommen.

Hintergründe zur neuen CSU-Spitze

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Dippold als Jungwähler-Magnet

Dass die Sozialdemokraten die Bürgermeisterwahl ganz knapp gewonnen hätten, liege möglicherweise an zwei Faktoren, mutmaßen die drei Christsozialen. "Sebastian Dippold ist auch nicht auf der Brennsuppe dahergeschwommen", sagt Völkl. Er habe es geschafft, Jungwähler an die Urne zu treiben. "Vielleicht sind auch einige Ältere wegen Corona nicht zur Wahl gegangen", vermutet Orlowski, "aber hinterher ist man immer schlauer". Dahinter verbirgt sich auch ein Verweis auf die Liste, bei der die CSU extremer als SPD und Freie Wähler vor allem die amtierenden Stadträte gut platziert hätte.

Nachtrauernd klingt es trotzdem nicht, obwohl die CSU einen von neun Sitzen an die Freien Wähler verloren hat. "Wir blicken jetzt nach vorn", gibt Schäffler die Devise aus.

Der frühere CSU-Vorsitzende Thomas Spörl über seinen Rückzug

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Die Stichwahl um den Bürgermeisterposten

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