12.07.2021 - 16:28 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Eichenprozessionsspinner auch im Landkreis Neustadt heimisch

Bis vor drei Jahren kam der Eichenprozessionsspinner in der Region nur sporadisch vor. "Doch inzwischen hat er sich auch bei uns ausgebreitet", sagt Andreas Arnold von der Forstbetriebsgemeinschaft Neustadt-Nord. Und das hat Folgen.

Erst bei genauerem Hinsehen werden die Larven des Eichenprozessionsspinners deutlich, die an der Unterseite eines Astes hängen. Der Baum steht an der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Denkenreuth und Scherreuth.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Der Eichenprozessionsspinner ist ein nachtaktiver Falter, der seine Eier auf dünnen Ästen im oberen Kronenbereich von Eichen ablegt. Die Raupen schlüpfen je nach Witterung zwischen Anfang April und Anfang Mai. Die giftigen Brennhaare, die bei Menschen und auch Tieren gesundheitliche Probleme auslösen können, bilden sich jedoch erst nach der dritten Häutung. Gefährlich wird es nur, wenn sich die Nester auf Bäumen befinden, in deren Nähe sich Menschen aufhalten. Andreas Arnold von der Forstbetriebsgemeinschaft Neustadt-Nord denkt da an Eichen, unter denen Parkbänken stehen, oder an Eichen, die entlang eines Parkplatzes wachsen, wie auf dem Felixberg in Neustadt oder vor dem Freibad in Windischeschenbach.

"Der Eiche selbst macht der Befall meist wenig aus", erklärt der Fachmann. Die Raupen wandern nachts in Prozessionen in die Baumkronen, um zu fressen. Tagsüber ziehen sie sich in ihre Nester zurück. Dass sich der Eichenprozessionsspinner vermehrt in seinem Revier aufhält, ist auch für Arnold neu. Das Neuhauser Forstrevier erstreckt sich von Hammerles bis Störnstein und von Bernstein bis an die Stadtgrenze von Weiden.

Einer Statistik der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) zufolge, ist die Region rund um Weiden und Neustadt eher jungfräulich, was den Eichenprozessionsspinner angeht. Doch seit der Erhebung, die aus dem Jahr 2018 stammt, hat sich auch in der nördlichen Oberpfalz einiges verändert.

Zuerst im Westen verbreitet

Laut Arnold habe sich der Eichenprozessionsspinner zunächst im westlichen Landkreis Neustadt/WN verbreitet. Doch da es in den vergangenen Jahren trocken und sehr warm gewesen sei, habe sich der Falter auch im östlichen Teil niedergelassen. Eichenprozessionsspinner sind keine Seltenheit mehr. Arnold geht davon aus, dass er sich flächendeckend findet, wenn man gezielt danach sucht.

Das Nest mit den Larven selbst zu entfernen, hält der Forstfachmann für keine gute Idee. "Wer den Eichenprozessionsspinner in seinem Garten entdeckt, sollte keinesfalls selbst Hand anlegen, sondern lieber eine Fachfirma beauftragen", erklärt Arnold. Deren Mitarbeiter rücken dann im Schutzanzug, mit Maske und Schutzbrille an, um vor den toxischen Härchen geschützt zu sein.

Nester an der Autobahn

Auch für die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Nordbayern (früher Autobahndirektion Nord), ist der Eichenprozessionsspinner alle Jahre wieder ein Thema. Bereits im Frühjahr beginnt ein Trupp zu überprüfen, ob sich Nester an den Bäumen der Raststätten und Parkplätze gebildet haben. Laut Auskunft eines Sprechers der Autobahn GmbH wird im Süden des Zuständigkeitsbereichs an der A 73 begonnen. Seit dieser Woche werden auch Nester der Eichenprozessionsspinner an der A 93 bekämpft.

Seit rund fünf Jahren ist der Eichenprozessionsspinner für die Stadtgärtnerei Weiden ein Thema. "Die Anzahl und Größe der Gespinstnester nimmt zu und erstreckt sich mittlerweile über das gesamte Stadtgebiet", erklärt die Stadt Weiden auf Anfrage. Aufgrund der nassen Witterung 2021 sei die Entwicklung jedoch noch nicht so weit fortgeschritten wie in den vergangen Jahren. Dennoch würden aktuell erste Meldungen auflaufen. Um die Nester zu entfernen, können verschiedene Methoden angewandt werden. Laut Forstfachmann Andreas Arnold kann dies etwa geschehen, in dem ein Spezialkleber aufgesprüht wird. Man könne sie auch abflammen oder aufsaugen. Chemie werde nur im äußersten Notfall eingesetzt, wenn beispielsweise ein ganzer Wald befallen sei. "Zum Glück sind es bei uns immer nur Einzelbäume", sagt der Forstmann.

Je exotischer die Tiere, umso besser für den Weidener Manfred Ströhle

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Mögliche Folgen nach Kontakt mit den Brennhaaren

  • Allergische Reaktion der Haut in Form von Nesselsucht im Nackenbereich und an den Armen sowie Schwellungen vor allem der Augenlider
  • Bindehautentzündung mit Rötung, Lichtscheuheit und starker Schwellung der Augenlider oder Hornhautentzündung
  • Entzündungen im Rachenbereich und in den oberen Luftwegen mit Bronchitis oder allergisches Asthma
  • In Einzelfällen Schwindel, Schüttelfrost oder Fieber

 

 

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