03.12.2020 - 10:12 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Einzelhandel im Landkreis Neustadt und in Weiden: "Wieder zusperren zu müssen, wäre eine Katastrophe"

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Die Corona-Pandemie hat den Einzelhandel stark getroffen. Geht den Geschäftsleuten in der Region jetzt auch noch das Weihnachtsgeschäft durch die Lappen? Eins darf dabei auf keinen Fall passieren.

Ulrike Schmidt, Vorsitzende des Gewerberings Floß, ist mit dem bisherigen Weihnachtsgeschäft in ihrem Geschenkeladen "Der Schnapperer" zufrieden.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

"Man merkt, dass es ruhiger ist, Zurückhaltung ist da", sagt Jürgen Fuß. Der Vorsitzende des Mittelständischen Wirtschaftskreises in Vohenstrauß macht aber auch auf einen Widerspruch aufmerksam: "Die Leute sollen einerseits daheim bleiben, andererseits einkaufen." Außerdem gebe es von Branche zu Branche Unterschiede. Einen Ausblick zu wagen, ist daher schwierig. "Es wird aber auf jeden Fall ein ruhigeres Weihnachten werden."

Lokal einkaufen

Fuß hofft jedoch, dass die Kunden "vielleicht lokaler einkaufen". Spezielle Aktionen hat der Wirtschaftskreis nicht geplant, "es fällt ja alles aus". Eines möchte sich der Vohenstraußer für das Weihnachtsgeschäft jedenfalls nicht ausmalen: einen erneuten Total-Lockdown. "Das wäre das schlechteste, was passieren kann."

"Es wird auf jeden Fall ein ruhigeres Weihnachten werden."

Jürgen Fuß, Vorsitzender des Mittelständischen Wirtschaftskreises in Vohenstrauß

So sieht das auch Tobias Sonna, Sprecher des Einzelhandelsverbands Weiden. "Ein erneuter kompletter Lockdown dürfte nicht kommen, das wäre katastrophal für die Händler, die auch ein bisschen vom Weihnachtsgeschäft abhängig sind." Er glaubt auch nicht an Lockerungen, "wenn's so bleibt, sind wir mit einem blauen Auge davongekommen". Das Weihnachtsgeschäft ist heuer früher angelaufen als sonst, aber relativ ruhig, meint Sonna. "Wir hoffen noch sehr auf die kommenden Wochen."

Kripperlweg bis 6. Januar

Zwei Dinge sind Sonna noch wichtig: "Einkaufen unter der Woche ist sicherer denn je." Manche Geschäfte bieten auch einen Lieferservice an. Außerdem haben Stadtmarketing Weiden, Stadtarchiv und "Wir sind Weiden" einen Kripperlweg initiiert, bei dem in Schaufenstern Krippen ausgestellt werden. Die Aktion läuft noch bis 6. Januar.

Hier geht es zu einem ausführlichen Interview mit Tobias Sonna

Weiden in der Oberpfalz

"Wenn's so bleibt, sind wir mit einem blauen Auge davongekommen."

Tobias Sonna, Sprecher des Einzelhandelsverbands Weiden

Für Wolfgang Schmidt, Vorstandsmitglied im Gewerbering Floß, läuft das Weihnachtsgeschäft "erstaunlicherweise gut". Es hat sich "etwas nach vorne geschoben". Ein möglicher Grund: "Viele Leute sind zu Hause und haben Zeit, ihre Wohnung zu schmücken." Das macht sich bemerkbar. Um für lokales Einkaufen zu werben, hat der Gewerbering Banner aufgestellt und Mund-Nase-Masken verteilt. Die Banner sollen auch noch etwas länger stehenbleiben, "um ein 'Danke' an die Kunden anzubringen".

Erfinderisch sein

Einen neuen kompletten Lockdown will sich Schmidt nicht vorstellen, doch für den Fall gäbe es einen Plan B: "Wieder zusperren zu müssen, wäre eindeutig eine Katastrophe. Dann müssten wir wieder erfinderisch sein wie zu Ostern." Damals hatte Schmidts Ehefrau Ulrike, Vorsitzende des Gewerberings, im Eingangsbereich ihres Geschenkartikel-Ladens "Der Schnapperer" Teile des Sortiments angeboten. Die Kunden konnten bezahlen, indem sie das Geld in eine Kasse warfen.

Laune geht in den Keller

"Das Weihnachtsgeschäft hat weder begonnen, noch wird es beginnen. Fast keiner blickt auf entspannte Weihnachten, wir merken es ja an unseren Kunden. Die Laune geht bei vielen immer mehr in den Keller", bedauert Yvonne Härtl von "Rosis Mode" in Neustadt/WN. Seit dem Teil-Lockdown "ist es sehr ruhig im Geschäft" geworden, die Umsätze sind drastisch zurückgegangen. "Solange es so bleibt, wird sich auch nichts ändern, denn was unsere Branche betrifft, ist momentan kein Bedarf da. Wie auch, wenn alles zu ist und verboten wird?"

Selbst eine Rabattaktion findet "nicht den Anklang wie normal". Aber es könnte auch noch schlimmer kommen: ein kompletter Lockdown, Verlängerungen oder Verschärfungen der Corona-Regelungen. "Es wird nicht besser werden, zumindest im Textilbereich", vermutet Härtl. "Schön wäre es, wenn die Stadt Neustadt gemeinsam mit den Händlern etwas machen würde, zum Beispiel auf regionale Geschäfte hinweisen. Zu verstehen geben, dass wir da sind und alle Corona-Regeln beachten. Denn es geht nur gemeinsam. Zusammenhalt ist im Moment und auch für die Zukunft das Wichtigste in jedem Lebensbereich."

"Kauft regional, damit die Geschäfte vor Ort bestehen bleiben können."

Martin Pepiuk, Vorsitzender des Gewerberings Pressath

"Das ist heuer eine blöde Geschichte. Wir sind in manchen Bereichen abgefertigt worden", sagt Marita Gradl, Chefin des Gewerbevereins Eschenbach. "Viel Kleinhandel wird kaputtgehen", befürchtet sie. Für die Kosmetikerin und Fußpflegerin fällt das Weihnachtsgeschäft komplett aus, da sie nicht öffnen darf. Dabei würde sie "desinfizieren wie die Weltmeister" sowie bei Behandlungen Handschuhe tragen. "Wann ich wieder aufmachen darf, steht noch nicht fest." Handwerk und Handel hingegen dürfen weitermachen. Mit den Maßnahmen haben die Verantwortlichen "ein wirtschaftliches Eigentor geschossen", meint Gradl. Für das Vierstädtedreieck Pressath, Eschenbach, Grafenwöhr und Kirchenthumbach gibt es allerdings die Aktion „Halt ma zamm mit Kauf Daham“, wo Geschäfte auf der Internetplattform www.kauf-daham.de ihre Produkte oder Dienstleistungen anbieten.

Dem Vorsitzenden des Gewerberings Pressath, Martin Pepiuk, ist wichtig, "dass Geschäfte so lange wie möglich offen bleiben". Er hofft, "dass keine weiteren Einschränkungen kommen" und glaubt auch nicht daran. Sein Appell an die Kunden: "Kauft regional, damit die Geschäfte vor Ort bestehen bleiben können." In Grafenwöhr ist das Weihnachtsgeschäft wegen der Beschränkungen bisher langsamer als üblich angelaufen, berichtet Jutta Carrington-Conerly, Chefin des Wirtschaftsvereins. "Ein kompletter Lockdown wäre für den Einzelhandel natürlich sehr schlecht, die Gesundheit und Sicherheit der Bürger geht aber natürlich vor." Spezielle Aktionen in den Läden oder vom Verein sind nicht geplant.

"Der Schnapperer" in Floß hat ein großes Sortiment an Geschenkartikeln.
"Der Schnapperer" in Floß hat ein großes Sortiment an Geschenkartikeln.

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