15.06.2021 - 16:06 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Nach dem Ende des Katastrophenfalls: Was macht der Katastrophenschutz jetzt?

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Während der Coronawellen und des Lockdowns waren sie oft rund um die Uhr im Einsatz: die Führungsgruppen Katastrophenschutz in Weiden und Neustadt/WN. Doch was machen die Mitglieder nun nach dem Ende des Katastrophenfalls in Bayern?

Eine Blick hinter die Kulissen: So sah es beim örtlichen Team des Katastrophenschutzes aus. Während des K-Falls zur Bekämpfung der Coronapandemie war die Führungsgruppe Katastrophenschutz auch in Weiden und Neustadt/WN im Einsatz.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

180 Tage vom 9. Dezember 2020 an dauerte der bereits zweite Katastrophenfall (K-Fall), den die Regierung zur Bekämpfung der Coronapandemie in Bayern ausgerufen hat. An vorderster Front auch in Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN dabei: die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK). Vorbei. Die Normalität kehrt zurück. Was bleibt, sind Fragen:

Gibt es nach dem Ende des K-Falls noch einen Katastrophenschutz?

Claudia Prößl, Sprecherin des Landratsamts Neustadt/WN, erklärt: "Die Führungsgruppe Katastrophenschutz wurde tatsächlich nach Beendigung des K-Falls aufgelöst." Während des K-Falls seien viele weitere Bereiche des Landratsamtes in die Bewältigung der Pandemie eingebunden gewesen, wie auch die Öffentlichkeitsarbeit. "Das hat sich inzwischen größtenteils wieder normalisiert."

Die Stadt Weiden teilt auf Nachfrage mit: "Seit Ende des Katastrophenfalls ist die FüGK nicht mehr besetzt, die zwischenzeitlich dort tätigen Mitarbeiter gehen nun wieder ihren eigentlichen Aufgaben nach. Noch zu erledigende Aufgaben im Nachgang zum Katastrophenfall werden nun von der Katastrophenschutzsachbearbeitung übernommen."

Welche Aufgaben sind noch zu erledigen?

Im Nachgang zum Katastrophenfall müssten zunächst noch weiter laufende Materialverteilungen, wie die Lieferung von Selbsttests an Schulen, und die finanzielle Abwicklung des K-Falls geschultert werden, erklärt ein Vertreter der Stadt Weiden. "Während des Katastrophenfalls fanden tägliche Besprechungen der FüGK Weiden sowie wöchentliche der gemeinsamen Koordinierungsgruppe Weiden/Neustadt statt. Mit Ende des Katastrophenfalles finden Besprechungen nur noch nach Bedarf statt, bei welchen dann anstehende Punkte geklärt werden." Ausnahme seien die weiteren regelmäßigen Jour-fix-Besprechungen das Impfzentrum betreffend – dieses gehört formell allerdings nicht zum Katastrophenschutz. Claudia Prößl ergänzt, dass sich natürlich auch das Gesundheitsamt Neustadt-Weiden weiter um die Prüfung der Kontaktnachverfolgung und Hygienekonzepte kümmert.

Was waren die größten Herausforderungen?

Eine Pandemie zählte bisher nicht zu den klassischen Szenarien des Katastrophenschutzes, stellt ein Vertreter der Stadt Weiden fest. "Die vorbereiteten Strukturen mussten somit – vor allem im Laufe des ersten Katastrophenfalls – angepasst werden." Alle Beteiligten hätte dabei auch die Vielzahl der Änderungen der infektionsschutzrechtlichen Bestimmungen gefordert. So wurden zahlreiche Allgemeinverfügungen und amtliche Bekanntmachungen erlassen, Teststrukturen und Impfzentren aufgebaut, nötige Schutzausrüstung beschafft und verteilt. Nicht zuletzt mussten auch unzählige Bürgeranfragen beantwortet und hunderte Bescheinigungen für systemrelevante Grenzpendler ausgestellt werden. "Eine weitere Herausforderung stellte die Dauer des Katastrophenfalls dar." Anders als bei sonstigen Katastrophen, welche meist innerhalb weniger Tage oder Wochen zu bewältigen seien, sei nun der Einsatz aller Beteiligten über Monate hinweg erforderlich gewesen.

Was macht der Katastrophenschutz, wenn es gerade keinen K-Fall gibt?

Claudia Prößl vom Landratsamt Neustadt erklärt: "Der Brand- und Katastrophenschutz als Aufgabenbereich des Landratsamtes ist ganzjährig mit der Aus- und Weiterbildung von Angehörigen der FüGK beschäftigt. Darüber hinaus sind noch viele Tätigkeiten in Bezug auf andere Hilfsorganisationen (BRK, THW, Bergwacht) zu koordinieren. Organisiert werden zum Beispiel gemeinsame Übungen oder Besprechungen."

Auch bei der Stadt Weiden sei es die größte Aufgabe des Katastrophenschutzes – außer dem Katastrophenfall selbst – "sich auf die Abwehr von Katastrophen vorzubereiten, zu planen und im Rahmen des Möglichen Vorsorge zu betreiben". Außerdem sorgt der Katastrophenschutz für die Ausbildung und Verfügbarkeit des voraussichtlich erforderlichen Personals und der notwendigen Mittel. "Auch wenn jeder Katastrophenfall anders ist, so kann man zumindest grobe Handlungsabläufe und Richtlinien vorplanen." Bei der Stadt Weiden sind diese Aufgaben im Amt für öffentliche Ordnung verortet.

Werden Vorkehrungen für eine mögliche neue Coronawelle im Herbst getroffen?

Claudia Prößl erklärt, dass es sehr schwer sei, Vorbereitungen für eine vierte Welle zu treffen. "Eventuell ist zu befürchten, das Mutationen auftreten. Deren dazugehörige Verläufe können derzeit vermutlich nicht vorhergesagt werden." Die Wirtschaft habe sich aber in den letzten Monaten auf die Versorgung der Bevölkerung mit Masken und Schnelltests eingestellt, "so dass in dieser Hinsicht wohl keine Probleme wie Anfang 2020 auftreten".

Auch die Stadt Weiden plant derzeit keine konkreten Maßnahmen, zumal diese auch von bundes-/landesrechtlichen Regelungen und Vorgaben abhängen würden. Um eine weitere Welle zu bewältigen, könnten die erforderlichen Einrichtungen, wie die FüGK, bei Bedarf kurzfristig wieder einberufen werden. Auch die Erfahrungen aus dem ersten und zweiten Katastrophenfall hätten geholfen, Strukturen und Handlungsfelder zu definieren.

Wer gehört zum "harten Kern" des Katastrophenschutz?

Aus Sicht der Stadt Weiden gehören zur Führungsgruppe Katastrophenschutz: der Behördenleiter, also Oberbürgermeister Jens Meyer, Rechtsdezernentin Nicole Hammerl als Leiterin der FüGK, der Leiter des Amts für öffentliche Ordnung (Reinhold Gailer) sowie die Sachbearbeiter Katastrophenschutz (Frau Ebenschwanger, Herr Schönberger und Frau Träger). Weitere Mitglieder sind etwa mit der Pressearbeit und Kommunikation betraut, auch Organisationen wie Feuerwehr, Integrierte Leitstelle (ILS), Rotes Kreuz (BRK) oder Ärzteschaft sind vertreten. Außerdem habe es eine enge Kooperation mit dem Landkreis Neustadt/WN gegeben, so sei zum Beispiel beim Test- und Impfzentrum eine ressourcenschonende Zusammenarbeit möglich gewesen. Auch Claudia Prößl betont, dass in einem K-Fall nicht nur die FüGK mit ihren ständigen Mitgliedern gefordert ist, sondern auch das Landratsamt mit seinen Abteilungen und Sachgebieten als Ganzes.

Wie können sich Bewohner auf den Katastrophenfall vorbereiten?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) stellt auf seiner Website einen Ratgeber für das richtige Handeln in Notsituationen bereit. Dort wird unter anderem beschrieben, wie viel Nahrung und Getränke als Vorrat sinnvoll sind oder welche Wassermengen zur Hygiene benötigt werden. Außerdem gibt es eine Checkliste, welche Medikamente in der Hausapotheke zu finden sein sollten und wie man sich bei einem Stromausfall verhält.

Zur Notfall-Broschüre

So viel kostete der Katastrophenfall die Stadt Weiden

Weiden in der Oberpfalz

So fiel der Abschluss des Katastrophenschutzzentrums aus

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Katastrophenschutz in Bayern

  • 92 Tage (von 16. März bis 16. Juni 2020) dauerte der 1. Katastrophenfall wegen der Coronapandemie in Bayern.
  • 180 Tage (von 9. Dezember 2020 bis 7. Juni 2021) dauerte der 2. Katastrophenfall wegen der Coronapandemie in Bayern.
  • Mit der Feststellung des Katastrophenfalls werden in den 96 Kreisverwaltungsbehörden, bei den sieben Regierungen und im bayerischen Innenministerium die Führungsgruppen Katastrophenschutz (FüGK) einberufen.
  • Die Katastrophenschutzbehörden haben die Aufgabe, Katastrophen jeder Art abzuwehren, zum Beispiel Hochwasser, Waldbrände, Unwetter, Bombenfunde, Pandemien u.v.a.
  • In Bayern gibt es rund 470.000 Einsatzkräfte bei den Feuerwehren, freiwilligen Hilfsorganisationen und beim THW. Davon sind 450.000 ehrenamtlich tätig.

(kmo) Quelle: Bayerisches Innenministerium

Damals, 2019, war es nur eine Übung im Katastrophenschutzzentrum in Neustadt/WN. Doch dann kam Corona und der Katastrophenschutz in Weiden und Neustadt wurde ganz schön gefordert.

 

 

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