Der knallorange Automat fällt auf. Seit einigen Tagen hängt an der Fassade des Hauses am Stadtplatz 14 in Neustadt/WN ein neuer Kunstautomat, direkt zwischen den großen Fenstern des „Kaffeekollektiv“. Zwischen 2023 und 2025 gab es hier schon einmal einen ähnlichen Automaten, doch dann wurde er im vergangenen Jahr aufgebrochen und das Projekt lag zunächst auf Eis. Doch die Initiatoren Axel T. Schmidt und Christine Flor, Betreiberin des „Kaffeekollektiv“, wollten es nicht untergehen lassen und wagten nach einjähriger Pause einen Neustart. Mittlerweile lassen sich aus dem orangefarbenen Spender wieder Kleinkunstwerke ziehen.
Die Idee geht auf eine Aktion im Jahr 2020 zurück. Schmidt hatte damals mit Schülern des P-Seminars Kunst des Kepler-Gymnasiums in Weiden in der Regionalbibliothek den ersten Automaten mit zehn regionalen Künstlern angebracht. Die ersten Kunstautomaten gab es einst in den USA. In Deutschland fand dieser Gedanke vor etwa 40 Jahren Anklang, als zwei Künstler in Aachen eine limitierte Anzahl bemalter Holztäfelchen in kleine Schächtelchen verpackt und für damals eine D-Mark in einem einschächtigen Automaten zum Ziehen angeboten hatten und damit auch auf der Documenta in Kassel für Aufsehen sorgten.
Ungewöhnliche Mitbringsel
Ob als Sammlerobjekt oder außergewöhnliches Mitbringsel, Selbstbelohnung oder Geschenk, gibt es für fünf Euro aus sechs Schächten wahlweise eine 20-teilige Sammlung von Originalskizzen des Bildhauers und Grafikers Günter Mauermann, schmuckvoll auf einem runden Tableau versammelte, handgeformte und bemalte Keramikbeeren der Neumarkterin Nicola Thumann, einen mit Klebestreifen befestigten, als „Wertanlage“ hergestellten Abguss einer Schokobanane von Axel T Schmidt oder filigran gehäkelte Kaffeetassen- oder Naschwerk-Anhänger von Claudia Stadlbauer.
Von Alva Sin aus Nürnberg sind erotische Miniaturen auf weißem Porzellan erhältlich, und JZN steuert verkleinerte Doubletten real existierender Kaugummiautomaten aus Berlin samt Füllung bei.
Neugierige Besucher
Am vergangenen Samstag zog Christine Flor die erste Schachtel, ehe sich die bereits mit dem nötigen Münzgeld versehenen Liebhaberinnen und Liebhaber ans „Kunst zum Ziehn“ machten. Auch ob der schwarzen Pappschachteln neugierig gewordene Besucher taten es ihnen gleich.
Insgesamt gibt es in Deutschland rund 250 Automaten, die auf der Internetseite kunstautomaten.com gelistet sind. An die 450 Künstlerinnen und Künstler beteiligen sich an diesem Projekt. Die meisten Kunstautomaten stehen in Berlin.



















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