09.08.2018 - 17:48 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

"Nicht jeder ist für soziale Tätigkeiten nicht geeignet"

"Eine solche Maßnahme ist nur bei einer gut geplanten Regelung erfolgsversprechend." Die Meinungen darüber, ob ein "verpflichtendes Gesellschaftsjahr" für Schulabgänger sinnvoll wäre, unterscheiden sich je nach Perspektive.

Bufdi bei der BRK-Rettungswache in Sulzbach-Rosenberg
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

(fuw) Die Meinungen darüber, ob so ein Gesellschaftsjahr für Schulabgänger sinnvoll sei, unterscheiden sich je nach Perspektive."Eine solche Maßnahme ist nur bei einer gut geplanten Regelung erfolgversprechend", sagt Josef Gebhardt von der Tafel in Weiden. Er findet es "grundsätzlich interessant, junge und aktive Leute als Mitarbeiter zu bekommen". Da es sich dabei um Vollzeitkräfte handeln würde, könnten nicht nur Engpässe überbrückt, sondern eventuell auch die Dienste ausgeweitet werden.

Sören Schmidt vom Bundesministerium des Inneren (BMI) hingegen verweist darauf, dass es sich nach Aussage der Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer um eine "parteipolitische Debatte" handle, "die ganz am Anfang steht". Deshalb würden sich auch "das Ministerium und seine nachgeordneten Behörden" inhaltlich nicht dazu äußern.

In der Region kommt es dagegen darauf an, mit wem man spricht. Iris Engelbrecht-Schärl, BRK-Ausbildungsleiterin für Altenpflege in Neustadt, hat zwar "durchaus eine eigene Meinung". Diese will sie aber lieber nicht offiziell äußern, da sie sich nicht sicher sei, ob ihre Haltung mit der offiziellen BRK-Linie übereinstimme. Auch das Technische Hilfswerk (THW) in Neustadt verweist vorsichtshalber an seine Pressestelle in Bonn, und diese direkt weiter an die Pressestelle des Bundesinnenministeriums, wo sich der Kreis zu Sören Schmidt schließt.

Kommandant Michael Spranger von der Feuerwehr in Neustadt hingegen hat eine klare Meinung. Er fände es "komplett nutzlos", wenn Schulabgänger für ein Jahr zur Feuerwehr gingen, weil die Grundausbildung an sich ja schon ein Jahr dauere. Dabei lerne man etwas über Rechte und Pflichten, wie man Geräte bedient, sich im Brandfall verhält. "Ohne Ausbildung weiß derjenige gar nicht, wo er hingreifen soll."

Michael Reindl, Pressesprecher des Klinikums Weiden, hält die Idee hingegen für "sinnvoll". Seiner Ansicht nach könnten Pflegeeinrichtungen mit den zusätzlichen Kräften Engpässe überbrücken, beispielsweise beim Service, Transport oder der Begleitung von Patienten zu Untersuchungen. Dies sei dann nicht als Ersatz für ausgebildetes Pflegepersonal zu verstehen, sondern vielmehr als Unterstützung.

Gebhardt ergänzt, man müsse bedenken, dass es Menschen gebe, die nicht für soziale Tätigkeiten geeignet seien. Deshalb stellt sich die Frage, wie sinnvoll ein für alle verpflichtender Dienst an der Gesellschaft sein kann. Oder ob nicht vielmehr "der Grundsatz der Freiwilligkeit" wie beim Roten Kreuz großgeschrieben werden sollte. "Es wäre viel wichtiger, im sozialen Sektor junge Menschen zu gewinnen, die sich aus freiem Willen, Interesse und Überzeugung engagieren", sagt BRK-Vizepräsidentin Brigitte Meyer.

Und auch Gebhardt betont: "Da Tafeln im Gegensatz zu Krankenhäusern und Pflegediensten keinen Stellenplan haben und es somit auch keine Kostenerstattungen gibt, wäre für uns eine bessere Unterstützung der Ehrenamtsarbeit hilfreicher."

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