25.05.2020 - 14:50 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Grünen-Kreisverband Neustadt/WN: Klaus Bergmann geht, Frau für Doppelspitze gesucht

Klaus Bergmann sorgt für eine Überraschung im Grünen-Kreisverband Neustadt/WN. Er legt sein Amt als zweiter Sprecher nieder, um die Position für eine Frau freizumachen. Gut möglich, dass sich im Kreisverband 2020 noch viel mehr ändern wird.

Das Kreistagsmandat will Klaus Bergmann (links) behalten. Das Amt als zweiter Sprecher im Kreisverband Neustadt/WN dagegen hat er niedergelegt, um gemäß den Statuten der Grünen in der Doppelspitze Platz zu machen für eine Frau. Auch Johann Mayer, (rechts) erster Sprecher der Grünen im Kreisverband Neustadt/WN, trägt sich mit dem Gedanken das Amt abzugeben.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Klaus Bergmann hat die Position als zweiter Sprecher im Kreisverband der Grünen bereits freigemacht, weil er keine Frau ist. Erster Sprecher Johann Mayer räumt im Gespräch mit Oberpfalz-Medien ein, dass er sich mit ähnlichen Gedanken trägt.

Ausschlaggebend für Klaus Bergmanns Entscheidung war nach seinen Angaben in erster Linie das Frauenstatut von Bündnis 90/Die Grünen. Demnach müsse eine Vorstandsposition bei einer Doppelspitze mit einer Frau besetzt sein. In einer Rundmail an alle Kreisverbände habe der Landesverband Ende April noch einmal darauf hingewiesen.

Er habe daraufhin noch einmal Rücksprache mit der Frauenbeauftragten des Grünen-Landesverbands genommen und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Situation im Kreisverband Neustadt/WN mit Johann Mayer als erstem Vorsitzenden beziehungsweise erstem Sprecher, wie es bei den Grünen heißt, und ihm selbst als zweiten Sprecher nicht dem Frauenstatut entspreche. Dies teilte er in einer Mail vom 8. Mai auch allen Mitgliedern des Kreisverbandes mit und legte sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder.

Zugleich rief Bergmann dazu auf, dass sich "starke Frauen ganz schnell melden", damit die Position wieder besetzt werden kann. Rückmeldungen gab es bisher nicht, erklärte er auf Anfrage von Oberpfalz-Medien am Montag. "Das Ganze ist ja erst zwei Wochen her." Laut den Vorgaben solle die Position so lange vakant bleiben, bis eine Frau für das Amt gefunden sei. "Der Kreisverband muss sich jetzt bemühen, die Stelle wieder zu besetzen."

Geeignete Nachfolgerin gesucht

Der 55-Jährige ist optimistisch, dass sich eine geeignete Nachfolgerin finden wird. Der Umweltingenieur, der früher im Weidener Stadtrat saß und nach seinem Umzug in den Landkreis Neustadt/WN den dortigen Kreisverband mit aufgebaut hat, wurde 2008 erstmals in den Kreistag gewählt und war zugleich bis 2012 erster Sprecher im Kreisverband. 2012 übernahm Mayer dieses Amt, Bergmann wurde zweiter Sprecher. "Weil sich niemand anders fand."

Die Situation sei der damals noch sehr geringen Mitgliederzahl des Grünen-Kreisverbands geschuldet gewesen, erklärt Bergmann. Denn nach den Statuten der Grünen sollten eigentlich auch ein Kreistagsmandat und ein Vorstandsposten im Kreisverband nicht miteinander verknüpft sein, "unter anderem wegen der Arbeitsbelastung". Ein weiterer Grund für ihn, das Amt als zweiter Sprecher niederzulegen.

Und auch der erste Sprecher, Johann Mayer reflektiert: "Zwölf Jahre sind eigentlich genug", verweist Mayer auf seine Tätigkeit zunächst als zweiter Sprecher (seit dem Jahr 2008), dann als erster Sprecher (seit 2012).

Dazu kommt, so Mayer: "In letzter Zeit hat sich viel verändert." Der Kreisverband zähle inzwischen rund 40 Mitglieder. Es seien viele junge Leute neu hinzugestoßen. "Da lassen sich die Aufgaben auf breitere Schultern verteilen." Angesichts seiner Arbeitsbelastung würde er das Amt des Kreisvorsitzenden gerne abgeben. Nach dem Wahlerfolg der Grünen im Landkreis wäre die Zeit günstig, um alles neu zu strukturieren.

Corona verhindert Versammlung

Auch Bergmann verweist auf den Erfolg der Grünen bei den Kommunalwahlen im März - sie haben einen Sitz im Kreistag hinzugewonnen und damit nun vier - und die gestiegenen Mitgliederzahlen. "Mehr Leute bedeutet mehr Potenzial, auch von Frauen." Laut Mayer gab es in der Nachfolgefrage sogar schon erste Hintergrundgespräche.

Derzeit scheiterte eine Umsetzung jedoch an Corona. Der Termin für die Kreisversammlung sei noch offen, die Bedingungen für Neuwahlen angesichts des Virus noch unklar. "Ich werde diese Woche noch einmal beim Landesverband nachfragen, ob es schon eine Lösung gibt."

Die Pläne der Grünen im Landkreis will Gisela Helgath, Stadträtin und erste Sprecherin des Kreisverbands Weiden der Grünen, nicht kommentieren. Nur so viel: In Weiden bildeten zwar mit ihr und Stephan Korb eine Frau und ein Mann die KV-Doppelspitze. Aus "Personalmangel" sei das aber nicht überall möglich. Auch die Trennung von Mandat und einem Amt im Kreisverband wünschenswert, räumt sie ein. Womöglich ließe sich das in der nächsten Kreisverbandsversammlung umsetzen. "Ich klebe nicht an meinem Amt." Einen Termin für die Versammlung gibt es aber auch in noch Weiden nicht.

Optimismus vor der Wahl

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