15.02.2019 - 11:51 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Hausbesuche von der Arzthelferin

Sie heißen Melanie und Jasmin, viele werden sie aber als Vera kennen. Das ist nicht ganz korrekt. Eigentlich müssten sie Verah heißen. Aber was sie tun, ist ja auch ungewöhnlich - noch.

Melanie Kriechenbauer, Birgit Trottmann und Jasmin Dittmann (von links) posieren vor dem Verah-Mobil. Mit diesem Auto besuchen speziell ausgebildete Versorgungsassistentinnen Patienten zu Hause.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Als eine von wenigen Hausarztpraxen im Landkreis schickt Dr. Reinhard Trottmann speziell ausgebildete Arzthelferinnen zu den Patienten. Die nennen sich "Verahs". Das steht für "Versorgungsassistentinnen der Hausarztpraxis". Unterwegs sind sie in einem Elektroauto, dem "Verahmobil", in diesem Fall einem Renault Zoe.

Die beiden Verahs sollen in erster Linie den Arzt entlasten, erklärt Birgit Trottmann, die die Abläufe in der Praxis ihres Mannes und dessen Cousine Dr. Andrea Trottmann-Zahner koordiniert. "Die Patienten werden immer älter, die Ärzte schaffen das kaum noch." Daher der Gedanke: Der Arzt soll sich um Akutkranke kümmern, Routinearbeiten wie Zucker- und Blutdruck messen, Blut abnehmen, Verbände wechseln oder Medikamentenpläne überarbeiten, übernehmen die Verahs bei Hausbesuchen. Sie beraten auch schon mal Angehörige bei Fragen zu Pflegeformularen. Ihr Radius während der regulären Sprechzeiten reicht etwa von Floß bis Parkstein. In der Regel fahren sie pro Sprechtag zu drei bis fünf Patienten. "Das ist besonders wertvoll, wenn jemand frisch aus dem Krankenhaus entlassen wurde und keine Angehörigen hat. Dann bringen die Verahs auch gleich die Rezepte vorbei", erklärt Birgit Trottmann.

Dahinter steckt eine relativ junge Initiative des Deutschen Hausärzteverbands. Bundesweit gibt es erst rund 9500 Verah-Assistentinnen. Eine davon ist Melanie Kriechenbauer. "Als ich die Fortbildung 2011 in Nürnberg gemacht habe, war ich weit und breit die einzige Oberpfälzerin", erzählt die Windischeschenbacherin. Sie ist ferner ausgebildete Wundexpertin. Das ist hilfreich, wenn sie etwa Altenheime in Floß, Altenstadt. Neustadt oder Weiden abfährt, um Verbände zu wechseln. "Viele Patienten freuen sich auch einfach, wenn sie ein bisschen plaudern können", weiß Kriechenbauer. "Ich bin gerne bei den Leuten draußen."

Inzwischen hat sie Verstärkung durch Jasmin Dittmann aus Plößberg. Birgit Trottmann selbst ist zwar seit 40 Jahren Arzthelferin, hat aber keine Verah-Ausbildung. "Das sollen die Jüngeren machen."

Trottmann glaubt auch, dass bald weitere Praxen den Service anbieten, auch aus wirtschaftlichen Gründen. "Es gibt eine eigene Abrechnungsziffer dafür und wird besser bezahlt. Zudem hilft der Verband bei der Betreuung, sollten wir in Regress kommen." Ärgerlich dagegen ist, dass der Verband zwar Dienstautos der Verahs fördert, allerdings nicht Elektromobile. Birgit Trottmann findet diese Antriebsart trotzdem ideal für die Verahs.

Wie berichtet, erweitert das Ehepaar Trottmann die Praxis in der Naabstraße. In etwa einem Jahr sollen dort Tochter Dr. Katharina Trottmann und deren Lebenspartner, ebenfalls ein Allgemeinarzt, mit einsteigen. Nach dem Umbau sollen Patienten an der Praxis auch eine Elektrotankstelle für ihre Autos vorfinden, blickt Birgit Trottmann in die Zukunft: "Diesen Service haben wir bei unserem Nachbarn Armin Sengenberger abgeguckt."

Voraussetzungen:

Verah-Fortbildungen werden als Blockseminare für medizinische Fachangestellte in mehreren deutschen Städten angeboten. In Bayern sind das Bamberg. Deggendorf, München und Nürnberg. Die Ausbildung samt Abschlussprüfung dauert etwa ein halbes Jahr und kostet rund 3000 Euro, die der Arbeitgeber übernimmt. Eine Verah muss dabei auch in anderen Einrichtungen als ihrer angestammten Praxis hospitieren. Im Landkreis Neustadt gibt es 21, in Weiden 4. Ein ähnliches, etwas weiterentwickeltes Modell, bietet die Kassenärztliche Vereinigung an, die „Nichtärztliche Praxisassistentin“, kurz NäPa. (phs)

Die Pläne zur Zukunft der Hausarztpraxis Trottmann

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