19.12.2018 - 18:26 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

HPZ kauft Hotel und Baugrund

Wohnungsmangel ist in aller Munde. Dass er auch Behinderte und ihre Familien betrifft, eher weniger. Für sie investiert das Heilpädagogische Zentrum (HPZ) Irchenrieth nun gleich doppelt auf dem Immobilienmarkt.

Das Hotel „Am Hofgarten“ in Neustadt stellt zum 31. Dezember seinen Betrieb ein, doch schon ab Jahresmitte 2019 soll dort wieder Leben einkehren. Das Heilpädagogische Zentrum Irchenrieth baut das 27-Zimmer-Haus zum Wohnheim mit 20 bis 22 Plätzen um.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Für einen niedrigen siebenstelligen Betrag hat das HPZ das Hotel "Am Hofgarten" in Neustadt gekauft. Das Besitzerpaar zieht sich aus Altersgründen zurück. Bereits im Februar soll die Sanierung des 26 Jahre alten Gebäudes beginnen. "Es ist gut in Schuss, wir werden etwa 200 000 bis 300 000 Euro für die Einrichtung ausgeben", sagt HPZ-Vorstandschef Helmut Dörfler.

Wo bis vor Kurzem noch Handwerker und Geschäftsreisende abstiegen, sollen 20 bis 22 Wohnheimplätze für Behinderte entstehen. Die Pläne sind erst ein paar Tage alt. Die Zimmer verfügen über Dusche und WC, die meisten werden rollstuhlgerecht ausgebaut. Dazu kommen Wohnzimmer und Esszimmer. "Im ersten Schritt planen wir zwei Gruppen", informiert stellvertretende Vorstandsvorsitzende Brigitte Krause.

Sollten sich rasch Handwerker finden und die Umbauten wie geplant laufen, könnten Mitte 2019 die Bewohner einziehen und mit ihnen 12 bis 15 Betreuer - neue Arbeitsplätze. Krause: "Wir bilden unsere Heilerziehungspfleger selbst aus. Sie werden im Juli fertig, das würde gut passen, dann könnten wir die Geeigneten dort gleich übernehmen."

Mit dem Hofgarten räumt das HPZ zwei Problemfelder teilweise ab. Zum einen die lange Warteliste. Dörfler: "Wir könnten halb Bayern aufnehmen." Auf dieser Warteliste stehen zurzeit 5 Anwärter für ein Pflegeheim, 10 für den Wohnbereich und 4 für die geschlossene Einrichtung. Zum anderen werden nächstes Jahr die Immobilien in Irchenrieth saniert. In dieser Zeit kann Stammbelegschaft nach Neustadt ausgelagert werden.

Doch das alles reicht nicht. Daher hat sich das HPZ ein weiteres Grundstück in Weiden Hinterm Rangierbahnhof gesichert. Es befindet sich auf einer Brachfläche zwischen einem Wohnblock und einer Einfamilienhauszeile. "Das hat uns der Oberbürgermeister angeboten. Er wollte es ursprünglich für die Bahn aufheben, aber die braucht es nicht. Also haben wir es gekauft und ein Nachbargrundstück von einem Privaten gleich dazu", erklärt Krause.

Dort soll nicht vor 2020 ein Wohnprojekt ähnlich wie in der Böhmerwaldstraße entstehen. Es soll Platz für drei Achtergruppen plus Betreuer bieten. Das Vier-Millionen-Euro-Projekt wird zu 70 Prozent gefördert. Das ist nicht die einzige Investition in Weiden. In der Neustädter Straße haben die Irchenriether sich weitere Grundstücke gesichert. Dort soll eventuell mal die Frühförderung hin oder eine Zweigstelle der Regenbogenwerkstatt. "Das wird aber erst in drei, vier Jahren entschieden", sagt Dörfler. Das alles kommt nicht von ungefähr, erklärt der Vorstandsvorsitzende: "Vor einem Jahr hat uns der von den Eltern gewählte Aufsichtsrat den Auftrag gegeben, uns intensiv um das Thema Wohnen zu kümmern." Die Gründe erläutert Aufsichtsratsvorsitzende Birgit Reil. Da sind zum einen die Eltern von älteren Behinderten inzwischen selbst zu Pflegefällen geworden und können sich zu Hause nicht mehr um ihr Kind kümmern. Auf der anderen Seite wünschen sich immer mehr jüngere Eltern, dass ihre Kinder möglich selbstständig in Wohngruppen und nicht zu Hause aufwachsen. "Da hat sich was geändert."

Kommentar:

HPZ als Jobmotor

Wieder ein Übernachtungsbetrieb weniger. So kann man die Schließung des Hotels „Am Hofgarten“ durchaus sehen, schließlich ist die Region mit Herbergen nicht überreich gesegnet. Doch das Haus stand lange genug ohne Erfolg zum Verkauf, und Privatinvestoren wie beim „Oberpfälzer Hof“ in Windischeschenbach sind eher die Ausnahme.
Statt einer Hotelkette, von deren Interesse gemunkelt wird, steigt nun das Heilpädagogische Zentrum ein. Für den Fremdenverkehr in Neustadt mag das ein Verlust sein, andererseits ist ein Leerstand an prominenter Stelle abgewendet.
Was viel wichtiger wiegt: Menschen mit Behinderung, die ihren Alltag meistern können, aber ein gewisses Maß an Betreuung brauchen, bekommen ein neues Domizil. So etwas zu schaffen ist nicht einfach, siehe den HPZ-Stammsitz in Irchenrieth. Dort werden 15 Wohnheimplätze saniert. Beachtet man dafür alle Vorschriften, bleiben davon nur noch 10 übrig.
Insofern ist auch die Investition in Weiden richtig. Auch dort entstehen statt steuerkräftiger IT-Arbeitsplätze Jobs für Heilerziehungspfleger und Sozialpädagogen. Diese Stellen dürften allerdings in den nächsten Jahren absolut krisensicher sein.

Von Friedrich Peterhans

Auf diesem Grundstück Hinterm Rangierbahnhof soll ebenfalls ein HPZ-Wohnheim für Behinderte mit 24 Plätzen entstehen, allerdings nicht vor dem Jahr 2020.
Immer mehr Behinderte brauchen passenden Wohnraum. Diese Herausforderung gehen die HPZ-Vorstände Helmut Dörfler und Brigitte Krause (links) gemeinsam mit Aufsichtsrätin Birgit Reil an.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.