23.07.2019 - 08:00 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Mit IT den richtigen Fußballer finden

Auf ihr Bauchgefühl allein können sich Fußball-Entscheider bei Transfers nicht verlassen, Daten aus der Oberpfalz helfen weiter

Jürgen Kost, Fußball-Datensammler
von Christian LinglProfil

Darauf beruht das Geschäftsmodell der ISB, der "International Soccer Bank" aus Neustadt/WN. Die "Soccer-Banker" beschäftigten sich nicht damit, wie die Fußball-Profis ihre Millionen möglichst gut anlegen, sondern sammeln, analysieren und liefern Spielerdaten - und machen so "das Bauchgefühl sichtbar", wie Jürgen Kost, Gründer und Geschäftsführer, es ausdrückt.

Angefangen haben Kost und sein Bruder Thomas damit bereits im Jahre 1999. Thomas Kost war zu diesem Zeitpunkt Assistenztrainer bei einem Profiverein. Der war auf der Suche nach einem Linksverteidiger. 23 Jahre alt und etwa 1,83 Meter groß sollte er sein. Das Problem: Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine wirklich effiziente Möglichkeit, Spieler nach solchen Parametern zu suchen. Also machten die beiden Brüder es selbst - die Geburtsstunde der "International Soccer Bank" hatte geschlagen.

240 000 Spieler

Heute hat das Oberpfälzer Unternehmen rund 240 000 Spieler in seiner Datenbank gelistet und dabei von jedem Spieler mehrere Hundert verschiedene Einzeldaten, also weit mehr als lediglich Position, Alter und Gewicht. Erfasst werden Spieler bis zur jeweiligen nationalen vierten Liga, im Nachwuchsbereich Kaderspieler bis zur U 16. "Dabei kommt eine unheimlich große Datenmenge zusammen", erzählt Jürgen Kost, "die täglich aktuell gehalten werden muss. Wir erfassen jeden Einsatz eines Fußballers, um so ein rundes Profil zu erhalten."

Ohne modernste IT wäre das nicht möglich. Jürgen Kost erklärt seinen Ansatz: "Wir haben das Unternehmen weitestgehend virtualisiert. Unsere Datenanalysten können überall auf der Welt Daten in das System eintragen und sind nicht an einen festen Ort gebunden."

Mit den reinen Daten allein jedoch können die Kunden der ISB noch relativ wenig anfangen. "Für die Entscheider im Fußball ist es wichtig, dass die Daten entsprechend aufbereitet werden", führt der Geschäftsführer aus.

Ein Bericht, der aus den Rohdaten entsteht, ist beispielsweise der wöchentliche Newsletter, bei dem die Scouting-Abteilungen der Vereine eine Übersicht der Debütanten der Woche bekommen, also der Jungspieler, die erstmals im Profibereich eingesetzt werden. "Im Millionengeschäft Fußball ist es wichtig, an diesen Rohdiamanten möglichst früh dran zu sein", erklärt Kost.

Genauso wichtig ist jedoch auch absolute Neutralität, so bekommt jeder Scout und jeder Verein die gleichen Daten und Berichte. Dabei können die Vereine aber in ihrem Konto auch eigene Vermerke über die Spieler anlegen. Bei einem Wechsel verbleiben diese aber in einem geschützten Bereich. "Datenschutz ist immer dann von großer Bedeutung, wenn es um personenbezogene Daten geht", erläutert Jürgen Kost den Ansatz von ISB. "Spieler können jederzeit Einblick darüber bekommen, was wir über sie sammeln."

Mit den Daten kann aber noch viel mehr angefangen werden. Beispielsweise "ist es völlig ausgeschlossen", dass ein Fußballer bei seinem Alter unerkannt schummelt. "Die Daten sind sicherer und genauer als eine Geburtsurkunde, denn wenn ein Fußballer vor zehn Jahren in der A-Jugend war, dann kann er heute nicht 22 sein", nennt Jürgen Kost einen Nutzen seines Datenmodells.

Siegertypen für den FCB

Durch Verknüpfung der einzelnen Datenpunkte lassen sich noch viele weitere Merkmale erstellen. Kost versteht es, den Nutzen der EDV mit Beispielen lebendig zu machen. Etwa: "Warum der FC Bayern so erfolgreich ist? ISB hat dafür einen Siegertypen-Index geschaffen." Vereinfacht gesagt: "Wenn Jugendliche häufig gewinnen, führt dies zu bestimmten Reaktionen im Gehirn, die ein Leben lang erhalten bleiben. "Bei den Bayern sind eben besonders viele Spieler, die einen hohen Siegertypen-Index haben. Arjen Robben war so einer." Die genauen Algorithmen sind natürlich Geschäftsgeheimnis.

Weltweit gibt es nur wenig Konkurrenz, sagen die "Soccer-Banker". Dazu trage auch ein weiters Werkzeug aus dem ISB-Datenbaukasten bei, der "Matchpilot". Damit ermöglichen es die Datenprofis den Spielerscouts, die beobachteten Jungspieler live zu sehen. Was trivial klingt, ist in der Praxis alles andere als einfach. "Wer weiß denn schon, wo die A-Jugend von Roter Stern Belgrad am Montagabend spielt und welches Spiel sich der Scout danach anschauen kann, wenn er schon mal in der Gegend ist?" Dieses Alleinstellungsmerkmal sei eines der wichtigsten Tools von ISB. Denn Digitalisierung bedarf weiterhin des Menschen: "So wichtig Datenanalyse und moderne IT auch sind, sie können letztlich die Inaugenscheinnahme des Spielers nicht ersetzen."

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