02.07.2019 - 17:01 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Keine Vorbehalte gegen Völkerball

Völkerball ist "legalisiertes Mobbing". Mit dieser Aussage sorgen kanadische Forscher für Diskussionen in Medien und Schulen. Eine Aussage, die so manchen Schulleiter in der Region zum Kopfschütteln bringt.

Auf geht's zum Völkerball: In der Lobkowitz-Realschule in Neustadt ist das Ballspiel eigentlich nicht mehr so gefragt, aber für Oberpfalz-Medien spielen die Schüler nochmal eine Runde.

An der Mittelschule in Altenstadt sogar nicht nur die Schulleiterin Gabriela Reitinger-Meier, sondern praktisch das ganze Kollegium. "Wir haben alle nur den Kopf geschüttelt", schildert die Rektorin die erste Reaktion auf die Veröffentlichung der Studie von kanadischen Bildungswissenschaftlern. Erst von diesem Zeitpunkt an sei Völkerball im Kollegium thematisiert worden, davor nie.

"Unsere Schüler spielen das als Ballspiel mit Wettbewerbscharakter", sagt Reitinger-Meier. "Sie sehen das nie als ein Spiel, in dem ein Volk gegen das andere kämpft." Es gebe ja ganz viele Ballspiele mit Wettbewerbscharakter, in dem ein Team gegen das andere antrete und letztlich immer eine Seite der Gewinner sei, wie zum Beispiel im Fußball und Handball. "Das müsste man dann ja auch in Frage stellen." Denn ganz aktuell würden in der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen die Länderteams, also die Völker, gegeneinander spielen.

Spiele mit Wettbewerbscharakter sind bei den Schülern beliebt, hat die Rektorin festgestellt. Das gelte auch für Völkerball. Das Spiel sei wegen seines Namens noch von keinem Schüler oder Lehrer negativ ausgelegt worden. An der Mittelschule habe man vielmehr die Erfahrung gemacht, dass Sport - und somit auch Spiele wie Völkerball - eher integrierenden Charakter habe. "Wir haben viele Schüler mit Migrationshintergrund und Flüchtlingskinder bei uns", sagt Gabriela Reitinger-Meier. Die könnten gerade im Sport von Anfang an voll mitmachen. Darunter seien auch einige sehr gute Sportler, die gleich am Anfang in die Teams gewählt würden.

Direktor Anton Hochberger vom Gymnasium in Neustadt hat sich nach eigenen Angaben mit dem Thema noch nicht befasst und möchte sich deshalb "raushalten". Irene Sebald, Rektorin der Lobkowitz-Realschule in Neustadt, hatte sich zwar bis Dienstag auch nicht mit dem Thema beschäftigt. Sie hat sich aber schnell schlau gemacht und kam zu folgendem Ergebnis: "Ich verbinde mit Völkerball ein Spiel aus meiner Kindheit, das unkompliziert ist, schnell aufgebaut, und jeder kann mitspielen." Sie könne sich zwar vorstellen, dass es für ein Kind belastend sein kann, wenn es häufig abgeschossen werde. Als Lehrer könne man hier aber gegensteuern: Zum Beispiel, indem immer wieder andere Kinder die Teams zusammenstellen dürfen.

Insgesamt findet Irene Sebald die Diskussion über Völkerball "fast etwas überzogen, wenn man sich überlegt, was zur Zeit in deutschen Kinderzimmern passiert. Spiele wie ,Fortnite' sind doch viel schlimmer. Da wird nur abgeballert." Insgesamt habe sie allerdings festgestellt, dass Völkerball an der Realschule ziemlich selten gespielt werde. Im Pausenhof sei Basketball beliebter, und auch die meisten Sportlehrer würden andere Ballspiele wählen. Warum? "Völkerball ist zum Aufwärmen nicht so geeignet, und die Schulung der Koordination wird dadurch auch nicht so gefördert."

So beliebt, dass es von den Schülern sogar eingefordert wird, ist das Ballspiel nach Auskunft von Oberstudiendirektor Thomas Reitmeier dagegen an den beiden Wirtschaftsschulen in Eschenbach und Weiden. Er verweist hier auf die Erfahrungen von Arlan Birner, Fachschaftsleiter Sport und seit über 40 Jahren im Schuldienst. Die Sportlehrer an beiden Schulen hätten bisher keinerlei Auffälligkeiten oder Aggressionen bei den Schülern durch dieses Ballspiel festgestellt.

Maßgeblich dafür könnten eventuell bestimmte Variationen sein, die von den Lehrern angewandt würden: Zum Beispiel könnten Spieler durch Aktionen wieder ins Spiel gelangen und seien nicht dauerhaft raus, oder es würden Hütchen abgeworfen anstelle der Mitspieler. Eine Möglichkeit sei auch, die Mannschaftszusammensetzung in den Händen der Lehrer zu belassen. Die Lehrer seien durch die Studie jetzt noch stärker sensibilisiert. Reitmeier weiter: "Aufgrund der Rückmeldungen und Erfahrungen wird das Spiel aber weiterhin Bestandteil unserer Sportfeste und Unterrichtseinheiten sein." Dabei lege die Schule großen Wert auf die genannten pädagogischen Vorkehrungen, um einem Mobbingvorwurf vorzubeugen.

Auf geht's zum Völkerball: In der Lobkowitz-Realschule in Neustadt ist das Ballspiel eigentlich nicht mehr so gefragt, aber für Oberpfalz-Medien spielen die Schüler nochmal eine Runde.

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