04.11.2018 - 16:42 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Kirwa ausgraben und anwinken

Beim "Waldhauser" gibt es einmal im Jahr eine Flasche altes Bier. Die lag ein ganzes Jahr lang in einer Kiste in der Erde. Wenn sie ausgegraben wird, ist Kirwa.

Zum Teil langjährige Stammgäste treffen sich zur Kirwa beim Zoigl und in den Wirtshäusern. Von links: Johann Adam, Helmut Schwarz, Karl Greiner, Matthias Brewitzer und Hans Aichinger.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Beim "Waldhauser" gibt es einmal im Jahr eine Flasche altes Bier. Die lag ein ganzes Jahr lang in einer Kiste in der Erde. Wenn sie ausgegraben wird, ist Kirwa. Im Anschluss an die Gaudi dürfen sich die Ministranten freuen.

Zoiglpfarrer Rudi Bäumler begleitet am Freitag, 9. November, um 18.30 Uhr das Kirwaausgraben vor der Zoigstube in der Freyung mit seinem Ministranten Hans Spachtholz und den beiden Arbeiter Sepp Nestl und Sepp König. Sie begründeten die Tradition 2003, als die Zoiglstube gerade eröffnet war, erinnert sich die damalige Wirtin Doris Schmid. Hans "Stutz" Völkl hatte die Idee dazu. Man habe einen Brauch wiederbelebt, der zuvor auf der anderen Straßenseite im ehemaligen Gasthaus "Zur Krone" von Willy Hausner gepflegt wurde. Hausner war in der Stadt bekannt als "Mann mit der Schubkarre", so Schmid.

Als Musiker seien im Lauf der Jahre allerhand Akkordeonspieler aus der Region im Einsatz gewesen. Schmid zählt dazu neben Franz Harrer auch den mittlerweile verstorbenen Alfons Gollwitzer. Sie alle saßen in der Stube, die die Wirtin mit dem Interieur aus dem ehemaligen Gasthaus Holzer in der Gramau geholt und beim Waldhauser eingebaut hatte. Theke, Tisch und Bänke sowie Holzvertäfelung hatte sie schon in schwarzer Kleidung kurz von einer Beerdigung ausgebaut. "In der Kirche habe ich meine Hände im Ärmel versteckt, weil ich beim Weihwasser gemerkt habe, wie dreckig sie waren", schmunzelt Schmid.

Um beim ersten Ausgraben vor 15 Jahren die Szene auf der Straße ins richtige Licht zu setzen, hatte die ehemalige "Waldhauser"-Wirtin einen Scheinwerfer am Haus befestigt. Problem: Das Licht war an einen Bewegungsmelder gekoppelt, so dass die Gäste die Kirwa nicht nur ausgruben, sondern buchstäblich anwinkten.

Auch einen Kirwabaum, oder besser ein Kirwabäumchen wird es 2018 wieder geben. Den spendiert Wastl Scharnagel. Das Schmücken übernehmen Freunde aus Hessen, die alljährlich zur Kirwa und zum Fasching in die Kreisstadt zum Feiern kommen. Sie schleppen den Stamm unter sichtbarer Anstrengung von der Scheune an seinen Platz am Hoftor. Dort steht er bis zum Eingraben am Montag, 13. November, irgendwann gegen 21 oder 22 Uhr. Wirt Gerald Wickel lacht: "Im vergangen Jahr haben wir ihn recycelt als den grauslichsten Christbaum der Stadt."

Unter den Gästen geht an den beiden Tagen ein Hut herum. Den Erlös bekommen die Neustädter Ministranten.

Gleichzeitig mit dem ersten Kirwaabend beim Waldhauser wird es wohl auch in den anderen Wirtshäusern und Zoiglstuben der Stadt proppenvoll. Beim "Walbert" im Weißen Rössl" beginnt um 20 Uhr der Volkstumsabend, für den wie seit Jahren Waltraud und Renate Zupfer verantwortlich zeichnen. Am Sonntag, 11. November, lockt der Kirchweihmarkt von 10 bis 17 Uhr Besucher auf den Stadtplatz. Um 15 Uhr lädt die Stadtkapelle zum Herbstkonzert in die Stadthalle.

Franz Harrer spielt Akkordeon

Zoiglpfarrer Rudl Bäumler.

Wirt Gerald Wickl (links) führt die Tardition des Kirwaaus- und -eingrabens fort.

Zoiglpfarrer Rudl Bäumler.

Zoiglfreunde aus Hessen schleppen das Kirwa-Bäumchen herbei.

"Ministranten" und Arbeiter helfen beim Kirwaausgraben in der Freyung.

Zoiglpfarrer Rudl Bäumler.

Zoiglpfarrer Rudl Bäumler.

Zoiglpfarrer Rudl Bäumler verhilft der Kirwa zu neuem Leben

Musikant Farnz Harrrer.

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