24.03.2020 - 15:23 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Landärzte schlagen Alarm: Corona-Schutzanzüge fehlen

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Das Coronavirus ist überall, Schutzmaßnahmen dagegen nicht. Daher gehen Landmediziner jetzt auf die Barrikaden.

So sollte medizinisches Fachpersonal, das Corona-Tests bei begründeten Verdachtsfällen vornimmt, eigentlich ausgestattet sein. Viele Praxen beklagen aber, dass sie nicht mehr an neue Schutzanzüge und -masken herankommen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Der Satz klingt hart: "Die für uns bestimmten Schutzanzüge und -masken hat der Staat konfisziert", sagt Dr. Hans Kirschsieper, niedergelassener Allgemeinmediziner in Pleystein. Konfisziert. Fast wortgleich äußert sich sein Waldthurner Kollege Dr. Nikolaus Globisch in Waldthurn am Freitag: "Das kommt von ganz oben. Da hat der Katastrophenschutz seine Hand drauf."

Das Problem der Ärzte vor Ort: Sie sollen sich und ihr Praxis-Personal vor dem Coronavirus schützen und Abstriche machen, haben aber nicht das Material dazu. Masken und Anzüge seien über das Netzwerk "Gesundheit plus" in Regensburg und den Ärzteverbund Nordoberpfalz bestellt und nach ihrem Kenntnisstand auch eingetroffen - sie wurden aber angeblich nie an die verteilt, die sie geordert hatten.

Das führte zu Szenarien wie letzte Woche in der Rettungswache Lohma. Die hatte nur noch sechs Schutzanzüge. Geht man von drei Mann aus, die bei einem Einsatz beteiligt sind, reicht diese Ausrüstung genau für zwei Einsätze.

Ob das Material an Kliniken oder in Corona-Brennpunktgebiete ging, wissen Globisch und Kirschsieper nicht. Sie können nur Mutmaßungen anstellen. Das bayerische Gesundheitsministerium antwortet auf eine E-Mail-Anfrage dazu seit drei Tagen nicht. Eine Nachfrage der Ärzte bei der Kassenärztlichen Vereinigung in Nürnberg blieb ebenfalls ohne Ergebnis.

"Ich kenne Kollegen, die haben deswegen ihre Praxen geschlossen", schlägt Kirschsieper Alarm. Globisch weiß von anderen, die in Baumärkten Maleranzüge und Mundschutz kaufen, auch wenn die von der Beschaffenheit nicht mit der medizinischen Anti-Viren-Bekleidung zu vergleichen sind. "Manchmal ist das wegen des psychologischen Effekts."

Globisch macht 20 bis 30 Abstriche pro Tag, auch für Kollegen aus der Umgebung. Wohlgemerkt vor der Praxis. Denn drin ist das Risiko ohnehin groß. Vor allem ältere Patienten marschierten sorglos hustend an die Rezeption, berichtet der Waldthurner stellvertretend für viele Kollegen. "Dann hört man auch mal: Ich hab doch schon einen Weltkrieg überlebt."

So weit der Stand der Dinge Ende vergangener Woche. Am Montag verkündete Ministerpräsident Markus Söder nun, dass der Freistaat weitere 800 000 Schutzmasken an Krankenhäuser und andere Einrichtungen verteilt. Mit letzteren Instanzen könnten Rotes Kreuz oder Polizei gemeint sein, nicht aber niedergelassene Landärzte, vermutet Kirschspieper. "Ob wir was bekommen, ist sehr fraglich", seufzt er. Am Dienstag wartete er jedenfalls vergeblich.

Dr. Thomas Koch aus Regensburg, der die Bestellungen für die Oberpfälzer Ärzte koordiniert, macht Hoffnung. „Wir erwarten aber dieser Tage eine Lieferung.“ Von einer Beschlagnahme könne keine Rede sein. "Es war einfach alles ausverkauft." Für den Praxisalltag reiche der normale Mund-Nase-Schutz. Spezialanzüge seien erst bei dringenden Verdachtsfällen erforderlich.

Neue Masken eingetroffen:

Die von der Staatsregierung versprochene Lieferung weiterer Schutzmasken ist inzwischen im Lagezentrum für die nördliche Oberpfalz eingetroffen. Der aktuelle Bestand an FFP-2-Schutzmasken beträgt 5510 Stück für die Stadt Weiden und den Landkreis Neustadt/WN. Die werden schnellstmöglich nach einem Verteilerschlüssel auf die medizinischen Einrichtungen in der Region verteilt, in erster Linie an Krankenhäuser. „Diese Zahl klingt zwar nicht schlecht, reicht aber leider bei Weitem nicht aus“, heißt es aus dem Lagezentrum. (phs)

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