21.06.2019 - 16:15 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Im Landkreis Neustadt/WN viele Schulabgänger ohne Abschluss

Von A wie Altersstruktur bis Z wie Zuwanderung: Barbara Mädl präsentiert im Wirtschaftausschuss ein Fülle von interessanten Zahlen und Fakten. Eine Entwicklung bereitet den Verantwortlichen gehörig Bauchschmerzen.

Abschlüsse an allgemeinbildenden Schulen .
von Martin Staffe Kontakt Profil

Die Leiterin des Sachgebiets Kreisentwicklung und Wirtschaftsförderung startete mit erfreulichen Bevölkerungszahlen. Der Landkreis konnte von 2017 (94 486) auf 2018 (94 501) den Einwohnerstand stabilisieren. Die Altersstruktur hat sich entgegen der negativen Prognosen nur geringfügig verändert. Lediglich der Anteil der 6- bis 25-Jährigen ist leicht rückläufig. Recht gut entwickelt haben sich ebenso die Wanderungssalden nach Altersgruppen. Die 25-bis 30-Jährigen, eine wichtige Zielgruppe, sind mehr geworden.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten kletterte von 2017 auf 2018 von 38 783 auf 39 885. Die Männer sind dabei mit 53,5 Prozent leicht in der Überzahl. Stetig aufwärts geht es auch bei der Anzahl der Betriebe: von 2356 im Jahr 2012 auf 2401. Der Ausländeranteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten beträgt 9,5 Prozent. In Weiden sind es 9,7 Prozent und in Tirschenreuth 12,4 Prozent.

113 Nationen

Ein Blick auf die Zuwanderungsstruktur zeigt, dass zurzeit 4222 Zugewanderte aus 113 Nationen in den 38 Städten und Gemeinden zwischen Eslarn und Kirchenthumbach leben. Das sind 4,5 Prozent. Der Bayernschnitt beträgt 12,6 Prozent. Die meisten Fremden kommen aus Tschechien, Rumänien, der Türkei, Syrien, der Arabischen Republik und aus Amerika. Um den Menschen mit Migrationshintergund die Integration zu erleichtern, sollen möglichst viele in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden. Dazu veranstaltet das Landratsamt einen Fachtag "Diversity in Unternehmen".

Etwas unter dem Bayernschnitt (63,2 Prozent) liegt Neustadt (61,8 Prozent) bei der Beschäftigungsquote, ebenso bei der Geschlechterverteilung. Um 2,7 Prozent gesunken ist die Vollzeitquote im Vergleich zu 2014. Ähnliches gilt auch für Weiden und Tirschenreuth. Um 2,8 Prozent gestiegen ist dagegen die Teilzeitquote. Bei den Vollzeitbeschäftigten sind fast drei viertel Männer. Dagegen arbeiten fast 85 Prozent der Frauen in Teilzeit. Bei den beschäftigungsintensivsten Wirtschaftsbereichen halten sich Dienstleistung (15 833) und produzierendes Gewerbe (15 803) die Waage. Die Liste der größten Berufsgruppen führt der kaufmännische Bereich deutlich an.

Laut Mädl nutzen immer mehr Familien oder Alleinerziehende die Kindertageseinrichtungen. Die Betreuungsquote stieg von 92,1 Prozent im Jahr 2012 auf 97,3 Prozent im Jahr 2017. Bei den unter Dreijährigen sind es aktuell 26,3 Prozent und bei den Sechs- bis 14-Jährigen 11,2 Prozent.

Etwas verändert hat sich auch der Betreuungsumfang von Kindern unter drei Jahren. 38,6 Prozent werden bis zu 25 Stunden pro Woche beaufsichtigt. 2012 waren es noch 57 Prozent. Die meisten Kleinkinder (42,5 Prozent) sind 25 bis 35 Stunden in Obhut. 2012 waren es 30 Prozent, 2016 immerhin 37,4 Prozent. Innerhalb eines Jahres ist das Ausmaß der Betreuung von mehr als 35 Stunden pro Woche von 15,9 auf 18,9 Prozent angestiegen.

Konstant hohe Quote

Ein großes Sorgenkind bleiben die vielen Schulabgänger ohne Abschluss. Im vergangenen Jahr waren es 7,5 Prozent. Das sind immerhin 61 Schüler. Der Landkreis fällt mit dieser konstant hohen Quote völlig aus dem Rahmen. Mädl sprach von einer "Problemlage auf hohem Niveau" und bemängelt eine geringe Teilnahme an Weiterbildungsangeboten in Neustadt und Weiden.

Erste Schritte zur Abhilfe waren Gespräche mit Weiterbildungsakteuren. Als starker Partner gilt OTH Professional. Als nächstes folgen nun eine vertiefte Datenrecherche und der Aufbau eines Weiterbildungsnetzwerks. Mädl will alle Bildungsträger an den Tisch holen. In Angriff genommen werden ein Elternratgeber, mit dem die Kreise Mühldorf am Inn und Schwandorf bereits gute Erfahrungen gemacht haben, und ein Patenprojekt zur Steigerung der Lesekompetenz. Ein Faktencheck zur Bildungslage im Landkreis Neustadt soll 2020 veröffentlicht werden.

Unternehmen werden befragt:

In den nächsten Tagen erhalten die über 1000 Firmen im Landkreis Post aus dem Landratsamt. Inhalt ist ein Fragebogen. Ziel der Unternehmensbefragung ist die Verbesserung der Kommunikation am Wirtschaftsstandort Landkreis Neustadt sowie die Steigerung der Attraktivität und des Bekanntheitsgrads der Region für Betriebe. Bis Juli werden die Rückmeldungen erwartet. Anfang Oktober sollen einer Lenkungsgruppe, bestehend aus Bürgermeistern und Wirtschaftsvertretern, erste Ergebnisse präsentiert werden. Den Abschluss bildet am 14. November in der Stadthalle Neustadt ein Wirtschaftsempfang mit Veröffentlichung der Ergebnisse und Podiumsdiskussion mit Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft.

Investitionsbedarf:

Bei der gewerblichen Wirtschaft im Landkreis Neustadt besteht weiter Investitionsbedarf. dies geht aus den Zahlen des Sachgebiets Kreisentwicklung und Wirtschaftsförderung hervor. Barbara Mädl berichtete für 2016 von 21 Anträgen mit einer Fördersumme von 7,2 Millionen Euro bei einem Gesamtinvestitionsvolumen von 28 Millionen Euro. 2017: 18 Anträge, Fördersumme 3,4 Millionen Euro, Gesamtinvestionen 28 Millionen Euro; 2018: 20 Anträge, Fördersumme 7 Millionen Euro, Gesamtinvestition 34 Millionen Euro;

2019 (bis 10. Mai): 8 Anträge, Fördersumme 2,1 Millionen Euro, Gesamtinvestitonen 12,7 Millionen Euro. 2020 soll diese GRW-Förderung auslaufen. Laut Mädl ist eine Verlängerung um weitere zwei Jahre geplant.

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