06.06.2018 - 14:01 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Lieber bunt als oben ohne

Wer mit dem Fahrrad stürzt und keinen Helm trägt, kann sich schwer verletzen. Das weiß jeder. Dennoch radeln viele lieber oben ohne.

Der Kopfschutz kann auch schick sein. Wer mit dem Radl unterwegs ist, sollte lieber einen Helm aufsetzen.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

(mic) Dr. Stephan Meyer aus Altenstadt kann darüber nur den Kopf schütteln. Der Chirurg bezieht ganz klar Position. "Ich kann nicht nachvollziehen, warum jemand keinen Fahrradhelm aufsetzt. Der Kopf ist die Region, die am meisten gefährdet ist", sagt Dr. Meyer und verweist auf die Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie. 50 bis 80 Prozent aller tödlichen Hirnverletzungen hätten durch einen Helm vermieden werden können. "Kinder haben zu 75 Prozent einen Helm auf, bei den Erwachsenen sind es nur noch 25 Prozent", weiß der Mediziner. Auch für E-Biker oder Inlineskater sei der Kopfschutz empfehlenswert. Er habe in seiner Praxis schon Skater behandelt, die nach einem Sturz Hirnblutungen erlitten hätten. Er plädiert deshalb an die Vernunft aller Radfahrer, immer an den Helm zu denken.

Frisur kein Problem

Das sieht auch Bürgermeister Rupert Troppmann so, schränkt aber seine Vorbildfunktion gleich ein wenig ein. "Meistens fahre ich mit Helm, aber manchmal auch nicht", gibt er zu. Die Frisur sei bei ihm nicht der Grund, schmunzelt das Stadtoberhaupt. Ihn würden eher praktische Überlegungen plagen. Wenn er zum Beispiel zu einem Geburtstag radelt, verzichtet er auf die schützende Kopfbedeckung. "Denn dann habe ich den Helm in der Hand und weiß nicht wohin damit", argumentiert er. Dennoch befürwortet Troppmann das Tragen des Kopfschutzes. Den Helm zur Pflicht zu machen, möchte er nicht. "Wir wollen, dass sich die Leute bewegen, deshalb sollten wir ihnen keine Vorschriften machen."

Während sich so mancher Erwachsene noch sträubt, ist das Radeln mit Helm für den Großteil der Kinder fast selbstverständlich. "99,9 Prozent haben einen Helm dabei, wenn sie zu mir in die Verkehrserziehung kommen", berichtet Manuela Weidhas von der Polizei in Neustadt. Nur einmal habe sich ein Bub zunächst geweigert, seinen Kopf zu schützen, weil ihm die Eltern gesagt hätten, er müsse dies nicht. "Ich habe ihm dann erklärt, dass hier auf dem Platz alle mit Helm fahren und dass ich nicht möchte, dass ihm etwas passiert." Die meisten Viertklässler hätten jedoch richtig Spaß mit ihrem Kopfschutz. "Es gibt mittlerweile viele modische Varianten", weiß die Verkehrserzieherin. Besonders im Gedächtnis sind ihr eine Art Drachenkopf und Motive der "Wilden Kerle" geblieben. Die Polizistin könnte sich eine Helmpflicht für Radfahrer durchaus vorstellen. "Es geht hier nicht um Abzocke, sondern um Menschenleben. Denn mein Kind habe ich nur einmal", sagt sie.

Abschreckung per Video

Mit oder ohne? Für Ludwig Wagner (24) stellt sich die Frage nicht. "Ich kann mich noch gut an den Ersthelferkurs in der Schule erinnern", erzählt er. Die Videos, die er sich damals als 16-Jähriger anschauen musste, schrecken ihn heute noch ab. "Wenn man weiß, was alles passieren kann, verzichtet man nicht mehr auf den Helm." Wagner, der im Fahrradladen von Ludwig Fritsch junior arbeitet, beschäftigt sich auch beruflich mit diesem Thema. Die Helme heutzutage seien nicht nur sicher ("alle sind TÜV-geprüft"), sondern auch richtig schnittig. Bei Kindern geht der Trend zu mehr Farbe und Motiven wie Piraten, Monster oder Dinos. Die Damenvarianten überzeugen mit schickem Design mit Pink oder verschiedenen Grautönen. Auch Helme in Neonfarben kommen bei den Erwachsenen gut an.

Preislich liegen die verschiedenen Modelle zwischen 50 und 170 Euro. "Die sind mittlerweile alle schön zu tragen", erklärt der Radexperte. Schaumstoffverarbeitung, Belüftung und Fliegenschutz seien besser geworden. Ein großes Plus sei der aufklappbare Sonnenschutz. "Die namhaften Hersteller setzen auf Qualität", sagt Geschäftsinhaber Fritsch. Zum Beispiel mit dem "Inmold Tec"-Verfahren. Hier wird unter hohem Druck und starker Hitze die Innenschale unter die Außenschale geschaumt. "Bei Billighelmen werden die beiden Schalen nur aneinander geklebt." Von einer Helmpflicht hält Fritsch nichts: "Vernunft bei diesem Thema ist immer noch am besten."

Fahrradhelme gibt es in allen Farben, auch passend zum Outfit. Ludwig Wagner vom Fahrradgeschäft Fritsch präsentiert eine Auswahl.

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